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Pannasch 263 Pannafch
zueignete. I n Wien besuchte der lebhafte
talentvolle Knabe die evangelische Schule,
wo ein guter Grund zu seiner weiteren
Ausbildung gelegt und durch Gel lert 's
Fabeln, die er gern lernte und gut vor-
zutragen wußte, die Lust des Verse»
machens in ihm geweckt wurde. Da, als
er 53 Jahre alt war, starb plötzlich der
Vater und ließ die Familie in wenig
günstiger Lage zurück. Anton's nahm
sich der Herzog Albert an und brachte
ihn in die k. k. Militär.Akademie von
Wiener>Neustadt, wo zu jener Zeit der
in den Annalen dieser Anstalt in pietat
voller Erinnerung fortlebende Feldzeug-
meister Franz Joseph GrafKinsky
M . XI, S. 29tt^ > die Erziehung leitete.
Pannasch wurde seines offenen frei<
wüthigen Naturells wegen bald einer der
Lieblinge Kinsky's. I n Wiener-Neu
stadt bot sich ihm ferner Gelegenheit,
wie früher in der evangelischen Schule,
in welcher er mit Gel ler t , Klop stock
bekannt wurde, die Werke der zwei groß«
ten Dichter Deutschlands, Goethe und
Schil ler, kennen zu lernen. Das führte
ihn begreiflicher Weise, da der Schaffens-
drang in ihm sich zu regen begonnen
hatte, zur dramatischen Poesie, und in
der That, als den Zöglingen der Akade»
mie die Erlaubniß gegeben wurde, dra«
matische Vorstellungen zu geben, wurde
Pannasch der Dramaturg der Akade«
mie und schrieb zuerst das Drama: „Fer«
nando". welchem, als es mit großem Bei»
falle aufgeführt wurde, sofort in kurzen
Zeiträumen: „Die Belagerung von Ca<
lais", „Das HauS Zähringen", „Der
Prinzenraub in Sachsen" folgten. Indes-
sen lag P., so sehr ihn die Poesie fesselte
und ein träumerisches Wesen in ihm
vorherrschte, doch mit Eifer den Stu>
dien der Kriegswiffenschaften ob, wie er
es auch spater als militärischer Schrift» fteller bewiesen hat. Nach einem fünf<
jahrigen Curse trat P. am 16. April
1809 als Officier in die kaiserliche
Armee, kam zum achten Armeecorps
daS zu jener Zeit unter dem Befehle des
Erzherzogs Ferdinand Este in Polen
im Felde stand, und traf am Tage vor
der Erstürmung von Sendomir bei fei-
nem Regimente Freiherr von Strauch
Nr. 24 ein. Unter den Freiwilligen beim
Sturme befand sich Pannasch. Es war
seine erste muthige Wnffenthat. Aus Po-
len kam P. nach Ungarn, wo er einem
Commando gegen die im Lande über«
Hand nehmenden Räuberhaufen beigege«
ben ward. Es war ein langer, wenn»
gleich minder ehrenvoller Kampf gegen
diese Helden der Pußta, der aber zuletzt
mit ihrer Auflösung und Vernichtung
endete. Von Ungarn kam P. nach Wien,
wo im bunten schillernden Leben der
Gesellschaft, im Verkehre mit Mannern
des Geistes, die nur für einige Zeit ver«
stummte poetische Ader wieder zu pulsi«
ren begann und ihn von Neuem zu regem
lebendigem Schaffen drängte. Indeß rie-
fm ihn die bewegten Tage des Jahres
4813 zu ernsten Wichten zurück; er
wurde meist im Dienste beim General-
stabe verwendet und rückte mit denAlliir-
ten in Paris ein, wo es für seinen dich«
terischen Geist nicht an mannigfachen
Anschauungen und Stimmungen fehlte,
die er theils damals schon in fragmen«
tarischen Arbeiten in verschiedenen Tage»
blättern veröffentlichte, theils zu spaterer
Bearbeitung in wirksamerer Form zu«
rechtlegte. Nach Niederwerfung des Cor-
sen verbrachte er die nächsten Friedens«
jähre längere Zeit in Steiermark, mit
militärischen Aufnahmen und Mappirun«
gen beschäftigt, machte dann die Erve«
dition nach Neapel mit. wo die letzte und
nachhaltige Aufwallung der revolutio»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon