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Pannasch 268 Pannasch
Herr von Sivkovich, aus welchem er im
Jahre 1844 in gleicher Eigenschaft zum
Infanterie-Regimente Nr. 29 übersetzt,
Ende letztgenannten Jahres aber in
Ruhestand versetzt wurde. Aus diesem
rief ihn die Bewegung des IahreS 4848,
in welcher auf ihn die Wahl eines Ober«
commandanten der Wiener National»
garde fiel, wozu er unter gleichzeitiger
Ernennung Zum Obersten am 1. Mai
berufen wurde. Die Obercommandanten,
stelle der Nationalgarde bekleidete er nur
kurze Zeit, die Zuchtlosigkeii dieses durch
auswärtige Emissäre aller Art irregeführ»
ten und nachgerade förmlich corrumpir-
ten Corps mochte, wer da wollte, aus«
halten, der heißblütige, aber ehrenhafte,
unbescholtene P. taugte am wenigsten zu
einer Stelle, die schon bei ihrer Begrün»
düng nichts als ein verlorener Posten war.
Nachdem er sein Amt, aus dessen man-
nigfachen Fahrlichkeiten ihn sein soldati«
scher Instinct glücklich herausgelcitet.
niedergelegt, erhielt er eine Anstellung
im Archive des Kriegsministeriums, dessen
Verwaltung er bis an sein Lebensende
über sich hatte. Wie als Dichter, so hat
P. auch als militärischer Schriftsteller —
wie es die weiter unten folgende Ueber»
ficht seiner Werke beweist — verdienstlich
gewirkt. P. starb im Alter von 66 Iah-
ren und blieb seinem Charakter bis zur
letzten Minute seines Zebens treu. Er
hinterließ eine kinderlose Witwe Helene
geborne Lakenbach, welche er aus Liebe
geheirathet und mit welcher er über drei
Iahrzehnde in glücklichster Ehe gelebt.
Manches Weh. das ihm im Kampfe des
Lebens erwuchs, kam wohl zunächst aus
seinem cholerischen Temperamte, da5 ihn
rasch zu einer Ueberschreitung des rech«
ten Maßes — und das kommt auch
in seinen Dichtungen vor — hinriß, ob«
wohl sich auch dann noch in einer ihn verbitternden That nur sein tiefwurzeln,
des Rechtsgefühl und eine wie aus Eichen
gezimmerte Wahrheitsliebe kundgab.
Diese Elemente seines Wesens wurden
freilich nicht immer erkannt und konnten
es wohl nicht immer werden, und eben
aus ihnen entsprang mancher Conflict
— P. hatte mehrere Duelle, zuletzt eines
mit seinem eigenen Obersten — der mehr
in seinem Interesse als in dem jener,
die ihn unbedacht herbeigeführt, un«
geschehen gewünscht wurde. I n seinen
letzten Verfügungen noch spricht sich die
ganze Eigenthümlichkeit dieses ehrenhaf-
ten und tüchtigen Charakters aus. „Hin.
sichtlich meiner Beerdigung, heißt es in
seiner letztwilligen Verfügung, sollen alle,
auch die kleinsten Unkosten vermieden
werden; für meinen entseelten Körper
würde ein Begrabniß wie das für einen
gefallenen Krieger auf dem Wahlplatze
wohl das entsprechendste fein: „Ein
Hemd und eine Grube". Die beste
segnende Hand. wäre jene dcs besten
Menschen; sie sollte unter den Freun-
den und Freundinen jedes Verstorbenen
erbeten werden. Dürfte ich in dieser Be»
ziehung noch einen Wunsch hegen, so
ginge er dahin, daß mein braves
Weib und meine edle Freundin Maria
K—s mir den letzten reinsten Segen
spendeten." Nnd die letzten Zeilen des
Gedichtes, womit diese letztwillige An«
ordnung schließt, lauten — gleichsam
seine Devise: „Dem Unrecht folgt mein
alter Haß, dem heiligen Recht mein Se>
gen", sie zeichnen den Poeten und Sol-
daten. und beides von echtem Schrott
und Korn war er.
I. Die Werke deg Dichters und militärischen
Schriftstellers Anton Pannasch, ä. Die ge-
druckten. 2.) Die poetischen „E ri n n e ru n»
gen an Italien in Briefen und vermischte
Gedichte" (Wien 1826, Heubner, gr. t2.). —
„Theater (Der Findling — Die Grafen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon