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bedeutendsten Tonsiücke, als die Tondich»
tung: „Der Rhein", „Das Kriegerlied",
„Das nordische Fischerlied" und manches
Andere, was Anspruch auf Dauer hat,
componirte. Von Mainz aus machte er
mehrere Kunstausfiüge. im Jahre 1830
nach Hamburg, im Herdste desselben
Jahres nach Berlin, wo er sich vor dem
Könige selbst hören ließ und für densel»
ben „Das Kriegerlied" schrieb, dessen
Widmung der König auch annahm. Auch
der berühmte fürstliche Tondichter Rad»
zivi l l lud P. in sein Haus, und der
Künstler führte daselbst eines seiner
Streichquartette mit solcher Virtuosität
aus. daß ihn der Fürst, bewegt von dcr
Schönheit und dem Vortrage des Ton»
stückes, vor der ganzen Versammlung
in die Arme schloß und ihm eine kostbare
Brillantnadel verehrte. I n den Jahren
483l und 4832 besuchte P..Norwegen,
Schweden und England, es war seine
letzte Kunstreise. I n Christiania hatte er
längere Zeit die Stelle eines Musikdi-
rectors bekleidet, sie aber dann nieder<
gelegt und war nach Mainz zurückgekehrt.
Seither blieb er beständig in Mainz, wo
er sich verheirathete; jede bindende An«
stellnng ablehnend, hatte er stark mit
Nahrungssorgen zu kämpfen, da er es
verschmähte, Freundeshilfe anzusprechen.
Störend für den Verkehr mit der Gesell»
schaft war wohl sein durch Kränklichkeit
noch vermehrtes Gemüthsleiden, für das
es, wie es schien, nur ein Mittel gab:
seine leidenschaftliche Liebe zur Musik.
So arbeitete er rastlos bis an sein
Lebensende, in der letzten Zeit an einer
Folge von Liedern und Gesängen, die
schon ganz den schwermüthigen Geist
athmen, der ihn gefesselt hielt; dann
auch an an mehreren Singübungen —
zweistimmige Lieder — für eine sei«
ner Schülerinen. Mitten in dieser Ar- beit ereilte ihn der Tod, der ihn im
Alter von erst 44 Jahren dahingeraffte.
Die Zahl seiner im Stiche erschiene»
nen Compositionen ist nicht sehr groß,
sie sind meistens in Wien und spater in
Mainz gedruckt; es sind darunter drei
Messen, mehrere Gradualen, Cantaten,
Quartetten für angehende Violinspieler,
ein reizendes Rondeau in V, eine Sonate
für Clarinett und Pianoforie (0p. 28),
ein Festhymnus für Mannerstimmen mit
Begleitung von 3 Posaunen und Contra«
baß oder Pianoforte (0p. 38), ein Re»
quiem für Sopran, Alt und Baß, 2 Vio>
linen, 2 Hörner und Orgel (0p. 2l),
Fischerlied von Sal iS für alle Sing.
stimmen und Chor (0p. 30), Tafellied
für Mannerchorftimmen (0p. 37). sechs
vierstimmige Lieder (0p. 39) und Var.
in ? (0p. 8). I n dem ihm gewidmeten
Nekrologe der „Frankfurter Zeitung"
heißt eS über Panny: „Das Leben war
für ihn ein Jammerthal. Panny war
arm geboren und war verflucht, trotz
tausendfacher Anstrengungen, trotz seines
vorwaltenden Genies, arm zu leben, arm
zu
sterben. Was er erstrebte, entrang er dem
Schicksal; sein Talent ward anerkannt,
aber nicht gefeiert, seine Compositionen
wurden bewundert, brachten ihm aber
wenig oder nichts ein. Seine Lieder wer«
den leben — noch lange leben zur Schmach
der Zeitgenossen, die den Lebenden
ebenso wenig zu erfassen wußten, als den
lebenden Franz Schubert, dessen
Hinterlassenschaft geplündert wird und
die Plünderer sind Crösuse vom Eigen»
thum des Bettlers geworden und Erl«
könige." Während dieser Nekrolog
Panny's Bedeutung als Componist
sehr hochstellt, fehlt es nicht an anderen
Stimmen, die unter seinen Arbeiten wohl
manches dem Ohre Gefälliges, Lobenswer'
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon