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erlernte. Das Jahr 1803 stellte P. übn-
gens erst auf den rechten Platz. Was
einen Stutzen tragen konnte, wurde zur
Landesverteidigung aufgerufen. P. ließ
auf sich nicht warten, stellte sich in die
Compagnie des Hauptmanns Hager
ein, welche mit noch anderen die Verthei«
digung des Paffes Strub übernommen
hatte. Auf Vorposten stehend, vollführte
er am 2. November seine erste Waffen«
that, indem er zwei feindliche Jäger, die
sich an unsere Vorposten heranschlichen,
mit einem Schuß niederstreckte, dessen
Kugel dem Einen durch den Hals, dem
Andern durch die Brust ging; die silberne
Medaille, welche einer der Gefallenen
trug, löste P. ab und legte sie sich als
Trophäe, die er sich erschossen, selbst an.
Die weitere Vertheidigung des Paffes
Strub war durch den Preßburger Frie«
densschluß. 26. December 1803, unnöthig
geworden. P. kehrte zu seiner Beschafti-
gung nach Kitzbühel zurück, vollendete
seine Lehrzeit und als cr freigesprochen
ward. kaufte sein Vater in Windisch«
Matrei das hintere Brauhaus mit meh«
reren Grundstücken. welches nun der
Sohn bis zum Jahre 1808 steißig und
umsichtig bewirthschaftete. Um diese Zeit
bewarb er sich auch um ein braves Mad>
chen, Franziska, die Tochter des Han«
delsmannes Rautter, die ihm auch ein
treues Weib wurde. Da brachte das
Jahr 1899 neuen Krieg in's Land, die
Franzosen bedrohten es von allen Seiten
und P. konnte kaum den Aufruf erwar«
ten, der Alles zu den Waffen rief. Da
aber Windisch-Mairei zu Salzburg ge«
hörte, welches damals von dem Groß<
herzog von Toscana regiert wurde, so
mußte P., wollte er am Kriege theil«
nehmen, sich an das Tirolerviertcl Puster-
thal halten, was er denn auch that. Ob>
wohl erst sieben Monate veryeirathet, nahm er doch von seiner geliebtenFranzl
Abschied, um sich der von, Roschmann
zu Matrei berufenen Schützencompagnie
anzuschließen.- zu deren Hauptmann er
von den Leuten, die seines Wohlverhal-
tens am Paffe Strub eingedenk geblieben
waren, gewählt wurde. Mit dem Com>
Mandanten Wal lner zog P. zur Ver»
theidigung des salzburgischen Gebirgs-
landes aus und sollte sich bald als einer
der wackersten Führer erproben. Am
13. Mai 1809 bestand er mit Wal ln er
das heiße Gefecht am Paffe Luftenstein,
wo sie mit ihren Compagnien so tapfer
fochten, daß der Feind jeden weiteren
Versuch, vorzudringen, aufgab. I n
Folge der Waffenstillstandsbedingungen
hatte der Paß Lueg am 24. Juli capitu«
lirt, die Loferpäffe aber hatten diese
Kapitulation nicht angenommen und so
rückten Wal lner und Panzl mit ihren
Leuten zur Deckung deS Pinzgau's nach
Embach vor und nahmen dort ihre Stel-
lung. Die Zahl der ihrigen betrug im
Ganzen 400 Schützen, mit diesen hielten
sich P a n,z l und Wal lner sieben Stun»
den gegen das 7000 Mann starke baye«
rische Armeecorps, das am 27. Juli
unter Deroy's Commando sie angriff.
Am 3. September führte Panzl die
Avantgarde der unter Wal lner nach
Weisbach vorrückenden sechs Schützen-
compagnien und vertrieb den Feind von
Hirschbühel. BiS zum 23. September
sielen nur Patrouillengefechte vor, an
diesem Tage aber, an dcm die Schützen
die Offensive ergriffen, umging Panzl
mit seiner Compagnie den Paß Lüften«
stein, drängte die dort verschanzten
Bayern dem vorn operirenden Speck«
bach er in den Schuß und bereitete so
diesem den glänzenden Sieg vor. Der
Feind hatte bei diesem Gefechte an 1500
Mann Todte und Verwundete verloren.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon