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Panzl 273
Hofer schickte nun Panzl durch Speck»
bacher für diese Waffenthat die silberne
Medaille. Noch focht P. bis 18. October
bei Berchtesgaden, Weisbach und Lüften-
stein, aber so tapfer sich die Tiroler hiel«
ten, gegen die Nebermacht des sich immer
mehr verstärkenden Gegners konnten sie
auf die Dauer nicht Stand halten, und
als eine Capitulation mit dem Feinde
abgeschlossen wurde, kehrte P. zu den
Seinen nach Windisch-Matrei zurück. P.
blieb daheim, bis ihn die Grausamkeiten
der französischen Generale so zu sagen
zwangen, wieder zu den Waffen zu grei»
fen. An dsr Lienzer Klause stellte er sich
den Franzosen entgegen und wurde dem
Feinde so verderblich, daß General Gar-
reau, um nicht ganz aufgerieben zu wer»
den, am 10. November mit den Landes«
Vertheidigern eine Capitulation abschloß,
in welcher er ihnen volle Amnestie ge>
währleistete. Als aber Anfangs Decem-
ber die Greuel des Generals B ro ussier
noch furchtbarer das Volk bedrückten,
zog Panzl am s. December mit allen
Schützen jener Gegend gegen Lienz, wo
es zum Kampfe kam und im Handge-
menge die Feinde niedergemacht und
zurückgetrieben wurden. Der Friedens-
schluß machte allen Greueln des Krieges
ein Ende, um an Stelle derselben die
noch entsetzlicheren des Verrathes zu
setzen. General Bro ussier forderte von
der Gemeinde Windisch-Matrei die AuS«
lieferung Wallner's. Die wackeren Ge«
meinde-Ausschüssel brachten dem toben«
den General, da Wal lner sich durch
die Flucht gerettet, an dessen Stelle
unseren P anzl. Diese ehrlose Deputation,
welche zum Abschlüsse dieses Seelenhan,
dels nach Lienz gekommen war, wurde
von Brou ssier zur Thüre hinausge«
jagt, weil sie den Unrechten mitgebracht
hatte. Panzl war nun wohl für den
v. Würzbach, biogr. Lerikon XXI Augenblick gerettet, sah aber bald ein,
daß unter solchen Gemeinde-Ausschüssen
sein Leben nicht am besten geborgen sei
und besann sich nicht lange, zu fliehen.
Aber auch die Flucht war nicht so leicht.
I n dieser Noth fand sich ein Freund, der
Lederermeister Martin Q u i r l rettete
unseren Panzl. Panzl wurde Nachts
in einen großen Korb gesteckt, mit Leder-
häuten zugedeckt, und so von Qu i r l im
hohen Schnee an den feindlichen Posten
vorübergetragen. Weiters gelangte P.
nach einem von Gefahren bedrohten, durch
die Localverhaltnisse ungemein beschwer»
lichen zwanzigstündigen Marsche bis zum
Tauernhause. wo er um acht Uhr Abends
ankam. Panzl schien gerettet. Er setzte
nun seine Flucht nach Matrei zu Fuß
fort, aber kaum dort angelangt, hatte er
bereits erfahren. daß die Kunde von
seiner Flucht über den Tauern gedrungen.
Also auch hier war keines Bleibens, denn
auf seinen Kopf war ein Preis von
100 Ducaten gesetzt, überdieß waren
Hans und Hof desjenigen verfallen, der
ihm Unterstand gab. Sieben Tagk hielt
sich P. in einem, achtzehn Tage in einem
anderen Stalle verborgen, indessen hat»
ten die Franzosen sein Haus in Windisch<
Matrei dem Erdboden gleichgemacht,
wodurch P. einen Schaden von mehr
denn 3000 fi. erlitt. Endlich unter den
verschiedensten Verkleidungen und unsäg»
licher Mühsal erreichte P. die steirische
Grenze. Er war gerettet. Zweimal
machte er nun Reisen liach Wien,
schilderte seine traurige Lage, den Verlust
seines Eigenthums und brachte seine
Ansprüche vor. Eine Anweisung auf
400 fi. Bancozettel, eine zweite auf
200 fl. C. M. waren das Ergebniß seiner
Bemühungen. I n oie Heimat zurückzu»
kehren, durste er bei dem damaligen
Stande der Dinge nicht wagen. So
!. 20. Nov. 4869.) 18
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon