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Berufung des berühmten Mineralogen
Mohs nach Wien erfolgt. Die kais.
Mineraliensammlung befand sich unge«
acktet deS Ankaufs der van der Nul l -
schen Sammlung in einem ebenso lücken-
haften . als was die Aufstellung und
Ordnung derselben betraf, verwahrlostem
Zustande. Bei der mühevollen Arbeit der
neuen Aufstellung half P. mit rastloser
Ausdauer und einem der Sache würdigen
Eifer mit und setzte seine Bemühungen in
gleicher Weise auch dann fort, a lsMohs
durch Zutheilung bei der k. k. Hofkammer
in Münz« und Bergwesen diesem Geschäfte
vollends entzogen wurde. Ja seine Be«
mühungen vornehmlich sind es. welche,
wie der oberwähnte Biograph es aus«
spricht, „die Beendigung der Riesenarbeit,
einer neuen Aufstellung der großartigsten
und schönsten Sammlung der Welt. er«
möglichten". Auch besorgte P. im Jahre
1831 die neue Aufstellung der Conchy-
liensammlung, deren unentgeltliche Ver»
waltung er schon seit der Erkrankung
und dem Tode des Custos Bremser
^Bd. I I , S. 13l) im Jahre 1827 über-
nommen hatte. Endlich im Jahre 1833
wurde Parisch der längst verdiente
Lohn seiner vieljährigen Bestrebungen,
eine Custosstelle (die sechste) am ver»
einigten Hof- Mineraliencabinete, zu
Theil. Allmalig rückte er in die dritte
Custosstelle vor und blieb in dieser Stel«
lung bis zur Versetzung in den Ruhestand
des Directors der Hof«Naturaliencabi>
nete, von Schreibers, welche im Jahre
1831 erfolgte, worauf P. die Stelle
eines ersten Cuftos und Vorstandes am
mineralogischen Hofcabinete erhielt. I n
dieser Stellung entwarf er in Gemein»
schaft mit den Vorständen der botani»
schen und zoologischen Sammlungen die
Antrage zur Reorganisation dieser An»
stalten, welche auch im Frühjahre 1852 die Allerh. Genehmigung erhielten. Viele
Jahre hindurch verwendete P. jährlich
zur Erholung von den anstrengenden
Arbeiten seines Dienstes einige Wochen zu
Reisen, welche er jedoch auch immer nur
im Interesse seiner Wissenschaft unter«
nahm, so besuchte er im I . 1837 die Na-
turforscher'Versammlung in Prag, machte
im I . 1839 eine Reise nach Sachsen und
Preußen, im I . 1840 an den Rhein und
nach Paris, im Jahre 1842 nach Nord«
deutschland, Dänemark und Schweden,
im Jahre 1843 in die Schweiz, im fol»
genden Jahre nach Krakau, von wo aus
er die Bergwerke in Wieliczka besuchte,
im Jahre 1843 nach Kissingen, im Jahre
1846 nach Oberitalien und im Jahre
1847 nach Athm, Constantinopel und
Bruffa. Das Jahr 1848 hielt ihn glück-
licher Weise an Wien gefesselt, wo er
mit Hilfe des Kanzelisten Becich in den
Octobertagen die durch das Bombarde»
ment der kaiserlichen Truppen mit Ver«
nichtung bedrohten werthvollen, ja un>
schätzbaren kais. Sammlungen zu retten
bemüht war. Unter dem unaufhörlichen
Kugelregen brachten beide mit Gefahr
ihres Lebens die kostbarsten und seltensten
Stücke in sichere Verwahrung und ge-
lang es ihnen, das wiederholt ausge«
brochene Feuer im Beginne zu ersticken.
Aber damals scheint P. sich auch den
Keim jenes Uebels geholt zu. haben. daS
endlich seinen Tod herbeiführte. Wohl
erholte er sich durch den Gebrauch deS
Bades Tüffer im Jahre 1849 einiger«
maßen, aber er kränkelte feit dieser Zeit
immer fort. Noch unternahm er im
Jahre 1853 eine längere Reise nach dem
Orient, von der er mit einer reichen AuS»
beute von Gebirgsarten für das kais.
Cabinet zurückkehrte, besuchte in den
Jahren 1834 und 1833 die Industrie-
Ausstellungen in München und Paris;
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon