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Pascheles 317 Pascheles
Original und Copie nicht von einander
zu unterscheiden vermochte. I n früherer
Zeit schrieb er auch ziemlich fleißig für
einige aechische Blätter, und zwar für die
„ T v s t ^ d. i. Blüthen, die »Vösia«,
d. i. die Biene, und für das berüchtigte,
von Havl i6ek redigirte Spottblatt
„Iotek") d. i. der Kobold, in denen
er seine Artikel mit den Anfangs« und
Endbuchstaben seines Namens, mit ^.
? . . . k oder mit <7. ?. Vitavot^nsk^
d. i. der von Moldau stammende, oder
kurz der Moldauer. bezeichnete. Um
die Mitte der Sechziger»Iahre, nachdem
er seine Frau und bald darauf von seinen
Verwandten die letzte Schwester durch den
Tod verloren hatte, zog er
sich
ganz von
der Welt zurück und lebte als förmlicher
Einsiedler, dabei aber beschäftigte er sich
unablässig mit der Anfertigung der ver-
schiedenartigsten Gegenstande, von den
gewöhnlichsten Küchengeräthschaften an«
gefangen bis zu den kostbarsten Musik«
instrumenten und andern mühevollen Ge«
gensianden hinauf. Dabei lebte er immer
in Armuth und von Unterstützungen, die
ihm von verschiedenen Seiten, vornehm»
lich aber von den Grafen Lützow und
Wrat iS law zuflössen. Nichtsdestoweni»
ger erreichte er das hohe Alter von
86, nach Anderen gar von 92 Jahren,
und starb im Prager Krankenhause.
8I0VN1K nanöll? u. s. w.. Bd. VI, S. N2,
Nr. 2 snach diesem wäre Parzizek am
29. Juli 1864. 92 Jahre alt, gestorben, also
im Jahre 1772 geboren). — Presse (Wie.
nerpolit. Blatt) 1864, Nr. 2l2. — Wiener
Zeitung 1864, Nr. 190, S. 342 ^nach die»
ser und der vorigen ist P. am 30. Juli 1864,
86 Jahre alt. gestorben).
Pascheles, Wolf (Mischer Schrift-
steller, geb. in Böhmen im Jahre
4814, gest. zu Prag 22. November
1857). Der Sohn unbemittelter Eltern,
die Mutter verlor er, da er erst ändert- halb Jahre alt war. Den Unterricht er«
hielt er in der jüdischen Schule und
machte so gute Fortschritte, daß er im
Alter von zehn Jahren in mehreren
Häusern den Kindern Unterricht erthei»
len und so den mittellosen Vater, der in
seiner zweiten Ehe noch fünf Kinder
bekam, mit dem kleinen Erwerbe unter«
stützen konnte. Im Alter von fünfzehn
Jahren kam er als Privatlehrer nach
Straschnitz, von wo er aber bald nach
Prag zurückkehrte und dort sich gleich»
falls durch Unterrichtertheilen fortbrachte.
Durch den Verkauf eines kleinen israe»
litischen Gebetbuches, das er im Jahre
1828 herausgegeben, brachte er so viel zu«
sammen, daß er einen kleinen hebräischen
Bücherkram einrichten, mehrere für sein
Volk berechnete Kleinigkeiten drucken, die
Bildnisse mehrerer Rabbiner erscheinen
lassen konnte, wodurch er immer mehr
Kundschaft gewann und sein Geschäft in
Aufnahme brachte. Im Jahre 1837 er«
warb er das Buchhandelsdefngniß, nahm
feinen armen Vater in's Geschäft und
begann mit kleinen Verlagsunternehmun»
gen. Der Ankauf eines von Dr. M. E.
Letteris verfaßten Gebetbuches schlug
wider Erwarten gut ein, daS Buch fand
in der ganzen Monarchie starken Absatz
und dieser Erfolg ermunterte P. zu
neuen Unternehmungen. Er selbst gab
heraus: „Glketc iür iLrarlitiLchl FranenM-
mer znm Gebrauche samchl in der Synagoge
als auch znr hiinslichrn Andacht" (Prag,
gr. 8o.), wovon bis 1844 drei Auflagen
erschienen sind; — „Neben unk Mrken Sa»
lln H l in r ' s " ; „Nekralag des Wiener
<Lrll53l!'äMer5 Hermann Cadrsra" ; „Vtt-
MllchtniZ5 lies Mtngisischen Israeliten Ghn-
was be Pint l l . Smeite verbesserte Anklage"
(Prag 1846, 8<>.). Im Jahre 1846
faßte P. den Plan, die Volkssagen der
Israeliten zu sammeln und
sie zugleich
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon