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Pafterwitz 337
4783 ein kaiserliches Rescript erschien,
daß mit Ende des Schuljahres alle Stu«
dien in Kremsmünster aufzuhören haben,
war es insbesondere Pasterwitz, der
zur Aufhebung dieser bedrohlichen Maß-
regel beitrug. Vom Stifte zugleich mit
dem damaligen Subprior Laurenz Do<
berschitz nach Wien entsendet, um zu
einer Audienz vor Kaiser Joseph zuge-
lassen zu werden und die Rücknahme
dieses Bescheides zu erwirken, führte
Pasterwitz in dieser Audienz die Sache
seines Stiftes mit Muth und Entschlos«
senhcil. und in der That gelangte noch
im September d. I . ein Decret herab,
welches befahl, „daß die Schulen in
Kremsmünster sowie die adelige Akade»
mie in allen ihren Theilen noch fernerhin
fortgeführt werden sollen". Später erhielt
P. die Verwaltung der Pfarre Buch-
kirchen. dann jene des Rentamtes im
Stifte selbst, zugleich aber leitete er als
Chorregent die Stiftsmusik. Ueber seine
Verdienste nach dieser Richtung hin wird
weiter unten bei seinen musikalischen 3ei<
stungen die Rede sein. Im Jahre 4783
kam er als Agent seines Stiftes (Hof-
Meister) nach Wien, wo er durch sein
einnehmendes kluges Benehmen in jenem
höchst mißlichen Zeitpuncte dem Stifte
manche Vortheile errang und sich selbst
durch seine musikalischen Talente viele
Freunde erwarb. I m Jahre 1795 über«
nahm er im Stifte die Stelle eines
Dechants, legte sie aber fortwährender
Kränklichkeit wegen zwei Jahre vor sei»
nem Tode nieder. Seine wissenschaftlichen
Leistungen aus der Zeit, als er das Lehr«
amt im Stifte versah, beschränken sich nur
auf einige Abhandlungen, und zwar:
z" (It^ras 1763, 4".); — „^>«'
v. Wurzb 5 ch , biogr. Lexikon. XXI. ^Ked sibiä. 1767,4".); — ,Ma.
ischt Aedr nan dem Havptgrnnbsatze der
nun der Nellällmung" (1772); —
„ Lehrsätze ans der Polizei, den Handlung«- lluö
FinünzmisZenschaitell" (1774); — „<<4^ >
(1730); — „
(1789); — ^«HHST^onsH sco^lT's <?«v?'l'cl-
^ls 6il Lsn^'nn" (1780). die vier letzt,
genannten anläßlich der öffentlichen Dis-
putationendes Chr.Herrn von S ti bar,
des Ignaz Conrad und Ios.Gri l len-
berger, des Franz X. Datschec und
Joseph Zierer, des Franz Ser. Grafen
L 0 dr 0 n und Franz Ser. Grafen Male«
nich de Kuri locz herausgegeben. Als
Musicus ist P. nicht bloß eine Celebri«
tät seines Stiftes, sondern überhaupt von
Fachmännern seiner gediegenen Compo«
sitionen wegen allgemein anerkannt.
Seine gründliche musikalische Ausbildung
hatte er von dem tüchtigen Eber l in
in Salzburg erlangt und sich später auf
größeren Reisen durch Deutschland. Un«
gärn, Böhmen und Italien bedeutend
vervollkommnet. Als KO^nLoliori im
Stifte Kremsmünster wurden in der Kirche
sowohl als im Stiftstheater die bedeu«
tendsten Meisterwerke aufgeführt und fpä>
ter als Hofmeister in Wien versammelte
er um sich in Concerten die ersten Be«
rühmtheiten der Kaiserstadt, vor denen
nicht selten feine eigenen Kompositionen
mit ungetheiltem Beifalle aufgeführt
wurden. Und dieß geschah vor Mannern
wie Mozar t , Haydn, Sa l ie r i und
Albrechtsberge r. Als er im Jahre
1800 seine 30jährige Amtsjubelfeier als
Ordenspriester beging, componirte er zu
diesem Ehrentage eine große Mefse nebst
Graduale und Offertoriurn. Die Zahl
seiner Compositionen, welche im Stifte
aufbewahrt werden, übersteigt weit die
16. Dec. l869.) 22
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon