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aufreizender Neden gegen das Ministe,
rium, die Sabelherrschaft und wegen
Verbreitung eben solcher Schriften nach
den damals noch herrschenden Ausnahms«
gesehen zur Verantwortung gezogen und
zu sechs Wochen Profoßenarrest verur-
theilt wurde. Nach überstandener Haft
mußte er Wien sofort verlassen, er kehrte
demnach zur Fortsetzung seiner Studien
nach Prag zurück. Als er ein Jahr spa«
ter die Erlaubniß erhielt, nach Wien
zurückzukehren, setzte er seine Studien
daselbst fort. aber die Ungunst materieller
Verhältnisse, hinderte ihn an deren Voll-
endung. er begab sich nun in seine Hei-
mat und schrieb Korrespondenzen für
mehrere Zeitungen. Im Herbste 1833
ging er wieder nach Wien, wo er mehrere
Monate als Lehrer in einer Erziehungs«
anstatt und bei einer ungarischen Magna»
tenfamilie thatig war. Im Jahre 1833
erlangte er die medizinische Doctorwürde.
begab sich nun in daS Riesengebirge und
übte zuerst in Pilnikau und Umgebung,
dann in Marfchendorf und Iohannisbad
die ärztliche Praxis auS. Anfangs No-
vember 4839 übersiedelte er nach Trau»
tenau, immer noch als Correspondent für
in« und ausländische Blätter thätig. Als
am 27. Mai 186! die Stadt Trautenau
von dem furchtbaren Brandunglücke ge>
troffen ward, weckte sein ergreifender
Bericht über dasselbe die Theilnahme für
die verheerte Stadt in solcher Weise, daß
von allen Seiten reiche Spenden zuflos-
sen. Da erhielt er am 2l). October des«
selben Jahres von Dr. Porak. dem
«echischen Bürgermeister der deutschen
Stadt, ganz unerwartet daS Decret der
Ausweisung aus Trautenau. Die Aus»
Weisung war in Folge seiner journalisti-
schen Thätigkeit verfügt worden. Dieser
Eingriff in die persönliche Freiheit des
ManneS, dem die Stadt so viel ver» dankt?, machte allenthalben Aufsehen und
beschäftigte lange in den Blättern die
öffentliche Meinung. Das Bezirksamt
Hohenelbe als erste politische Instanz,
hob die Ausweisung auf. die höheren
Stellen bestätigten sie wider alles Er«
warten, jedoch wurde die Ausweisung
niemals vollzogen. So lebte denn P.
unangefochten in Trautenau, bis er sich
wegen eineS gegen Dr. Porak gerichte»
ten Artikels in der „Reichenberger Zei«
tung" neuerdings verantworten mußte
und zu einmonatlichem Arreste verurtheilt
wurde, den er vom 26. Jänner bis
26. Februar 1864 in Königgrätz ab-
büßte. Aus der Hclft entlassen, lebte er
seinem ärztlichen Berufe und ließ im
Jahre 1863 eine von der Fachkritik cmer«
kennend gewürdigte Schrift über Iohcm»
nisbad: „Na5 rirsengelnrgische (Basteln", er»
scheinen. Der unglückselige Krieg des
Jahres 1866 rief ihn auf die Schlacht-
felder stineS Vaterlandes. Am 27. Juni
1866, wahrend des Gefechtes vor Trau»
lenau, war P. der erste österreichische
Arzt, welcher die ärztliche Binde des
Genfervertrages an seinen Arm steckte
und den Verwundeten beider Armeen
ärztliche Hilfe leistete. Wahrend der preu»
ßischen Occupation wirkte P. als Vor-
standS'Stellvertreter der auf Kriegsdauer
eingesetzten neuen Stadtrepräsentanz von
Trautenau und machte sich in dieser
Stellung um die schwerheimgesuchte Stadt
sehr verdient. Als am 2. November 1866
Se. Majestät der Kaiser in Trautenau
anwesend war, wurde P. für sein ver>
dienstliches Wirken mit dem goldenen
Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeich«
ner. nachdem ihm schon wenige Wochen
früher die Stadt selbst das Ehrenbürger»
recht verliehen hatte. Im Frühjahre
1867 wurde er von den Landgemeinden
der Bezirke Trautenau, Arnau, Marschen«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon