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Paunlgartten 376 Paumgartten
2. der jüngste Bruder der Vorgenannten,
Franz Xaver, der gleichfalls in die Reihen
der kaiserlichen Armee trat und alle Feldzüge
des französischen Krieges mitgemacht, in sechs
großen Schlachten und vierzehn verschiedenen
Gefechten mitgekämpft hat und dreimal ver»
wundet worden ist. Schon im 1.1799 hatte er
sich — damals Fähnrich — bei der Einnahme
von Zürch im Kampfe bei der Brücke von
Dittikau alS der Erste unter den Stürmenden
ausgezeichnet, später sich bei dem Passe am
Glanthaler See hervorgethan. Im Feldzuge
des Jahres 1809 ist er in den Relationen der
Gefechte bei Landshut und Eckmühl, der
Schlachten von Hausen. Negensdurg, ASpern,
Wagram und des Treffens bei Znaim seines
Wohlverhaltens wegen besonders angerühmt
worden. Franz Xaver war zuletzt Oberst
und starb als Festungscommandant von Karl»
stadt. Zugleich mit seinem Bruder Marimi«
lian Sig ismund ist er mit Diplom vom
9. September 1822 in den Freiherrnstand erho»
ben worden. Franz Xaver ist der Stamm»
vater des neuen Hauses der Freiherren
von Paumgart ten, dessen gegenwärtiger
Chef sein Sohn, der üreiherr Johann Bapt.
ist. DeS Letzteren reicher Familienstand, acht
Söhne und vier Töchter, ist aus der Stamm,
tafel ersichtlich. — Schließlich 3. ist noch
dessen gleichnamiger Neffe, des Maria There.
sien'Ordensritters Johann Baptist Sohn,
Franz Saver Freiherr von P., anzuführen.
Im Jahre 18 l l geboren, diente er auch in
der kaiserlichen Armee, war Hauptmann im
Infanterie-Regimente Nr. l l , in welchem er
im Jahre 1846 zum Major, 1848 zum Oberst,
lieutrnant befördert wurde. Im Jahre 1849
wurde er Oberst und Commandant des Infan»
terie.Regiments Nr. 26, am 27. December
1830 General-Majoc und Brigadier beim
11. Armeecorps, am 25. Juli l851 kam er
nach Mainz als Vicegouoerneur der Bundes»
festung, in dieser Stellung wurde er am
5. Jänner 1859 zum Feldmarschall'Lieutenant
befördert und im folgenden Jahre erhielt er
die Inhaberstelle des in diesem Jahre aus
den Regimentern 43 und 49 gebildeten neuen
Regiments Nr. 76. In Mainz hatte P. wäh.
rend eines 15jährigen Aufenthaltes durch seine
stetS bewiesene Gerechtigkeit und Berücksichti.
gung der Interessen der Stadt und ihrer Be.
wohner neben den beengenden Vorschriften
des Festungsreglements solche Anerkennung
erworben, daß ihm der dortige Gemeinderath
mittelst einstimmigen Beschlusses im Jahre 1564 das Ehrenbürgerrecht der Stadt verlieh,
eine Auszeichnung, welche seit Thorwald»
sen, dem Schöpfer des Gutenberg-Denk-
mals, Niemand verliehen worden. Später
wurde P. Statthalter und commandirender
General in Galizien und in der Bukowina
mit dem Sitze zu Lemberg, wo er sich auch
in einer kritischen Periode — die Insurrection
im benachbarten Polen war im vollen Ganne
— durch seinen Tact die Sympathien der
Bevölkerung erwarb. Heilung für ein mehr«
jähriges Brustübel suchend, begab er sich im
Jahre 1866 nach Vevay in der Schweiz, wo
er auch am 19. November starb. Er war
mit Franziska Freiin le.ra von Aehrenlhal
verheirathet, und seine Leiche wurde in der
Baron Aehrenthal'schen Familiengruft zu
Doran bei Leitmeritz beigesetzt. ^Augsburger
Al lgemeineZeitung 1867, Beil. zwischen
Nr. 6—12: „Zur Erinnerung an Feldmarschall»
Lieutenant v. Pau m g artten".^ — Seine
Schwester Mar ia Anna Christine, kön.
bayer. Theresien-Ordensdame, ist seit 12. Juli
1858 an Friedrich 5achse von Aothenöurg, vor«
maligen Ministerialrath und Kanzleidirector
im k. k. Ministerium des Innern, verheiratbet;
dieser, einer der ausgezeichnetesten Staats»
beamten, ein Seitenstück— wenngleich anderer
Art— zu Joseph Oett l ^s. d. S. 34 d. Bds.)
wurde, obgleich in den besten Jahren und bei
unerschöpflicher Arbeitskraft, als Graf Go»
tuchowski das Ministerium des Innern
antrat und die ersten unheilvollen Keime jener
Verwickelungen säte, an denen der Kaiserstallt
zur Stunde noch leidet, aus rrin persönlichen
Motiven in den Ruhestand versetzt und da.
durch unnöthiger Weise der Pensionsetat um
eine Hofrathspension mehr belastet, der Staat
aber um die unermüdliche Arbeitskraft eines
jener Beamten gebracht, dessen staatsmänni»
scher Blick kaum jene Gotuch o w ski'schen
Experimente gutgeheißen und vielleicht man»
ches Unheil abgewendet hätte, das so über
Oesterreich gekommen. Im „Genealogischen
Almanach der freiherrlichen Häuser" erscheint
Sachse in der Familie Paumgart ten als
Sachse von Rothenberg, das ist irrig,
sein richtiger Name lautet: Sachse von
Rothenburg.
Wappen. Schwarz und roth gevierteter
Schild. 1 und 4: in Schwarz auf grünem
Boden ein aufrechtstehender goldener Löwe
mit ausgeschlagener rother Zunge, in beiden
vorderen Pranken einen belaubten grünen
Baum haltend; 2 und 3: in Roth drei grüne
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon