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Naimund 288 Raimund
trat sechzehn Mal, meist in seinen eigenen
Stücken, mit glänzendem''Erfolge auf,
was bei der Beliebtheit deS Berliner
Komikers Schmeckn umsomehr in die
Waagschale fällt. Von Berlin ging er
wieder nach Hamburg, wo er auch vier
zehn Male auftrat, und Mitte November
kehrte er nach Wien zurück, wo ihn Di-
rector Stöger für ein Gastspiel im
Iosephstädter Theater gewann, welches
er vom 10. Jänner bis Mitte April
4833 in 32 Vorstellungen beendete. Im
Herbste genannten Jahres schrieb er, wie
Vogldas Stück mit Recht nennt, seinen
Schwanengesana, „Den Verschwender",
der im Februar 4834 im Iosephstädter
Theater mit prachtvoller Ausstattung
und einem Erfolge aufgeführt wurde,
der jenen seiner früheren Arbeiten bei
weitem noch übertraf. 42 Mal hinter
einander wurde das Stück bei überfüll»
tem Hause gegeben und Ra imund,
der in der Rolle des Valent in sich
selbst spielte, lebte, gehoben durch solche
Anerkennung, von Neuem ans. Am
3. September d. I . kaufte er sich ein
zwischen Pcrnitz und Gutenstein be! Neu»
stadt in Niederösteireich in einer reizen-
den Gebirgsgegend gelegenes Haus, wo
er einige Wochen in ländlicher Ruhe und
im ungetrübten Genusse seines neuen
Besitzthums verlebte, darauf kehrte er
nach Wien zurück und eröffnete am
23. October im Leopoldstädter Theater
einen neuen Cyklus Gastrollen, der sich
durch ein halbes Jahr hinzog, in wel»
chem er über achtzig Male auftrat. Wie»
der gab er den Valent in in seinem
„Verschwender" 48Malebeivollem Hause.
Im Spätherbste 183» genannten Jahres
unternahm er einen Kunstauöstlig nach
München, kehrte im Jänner l836 zurück
nach Wien, ging von da nach Prag und
zuletzt nach Hamburg, überall eine an» sehnliche Reihe von Gastspielen gebend;
am letztgenannten Orte betrat er als
Valent in im „Verschwender" zum letz»
ten Male die Bühne. Am 11. Mai
1836 kam er nach Wien zurück und uer»
lebte nun die folgende Zeit, zurückgezo»
gen von der Bühne, auf seinem Land»
hause in Gutenstein. Am 28. August
g. I . beschäftigte er sich mit seinem Hof»
Hunde und dieser ritzte ihm leicht die
Hand. I n seiner Hypochondrie kam er
gleich auf die sonderbarsten Gedanken
und, da er einen Ausflug nach Maria-
Zell vor hatte, befahl er, auf den Hund
genau Acht zu haben. Er begab sich auch
mit seiner Freundin Antonie Wag°
ner nach Maria-Zell, von wo er aber
schon am 29. Auglist wieder nach Guten»
stein zurückgekehrt war. Dort vernahm
er, daß der Hund während seiner Abwe
senheit ein Mädchen gebissen und als
wuthverdächtig erschossen worden sei.
Zudem sah er die Verwüstung, welche
das Thier in seinem Garten angerichtet.
Darüber entseht und von den furchtbar-
sten Bildern geängstigt, beschloß er. so-
gleich nach Wien zu fahren. Er begab
sich nach Potenstein, wo er sofort einen
Wagen zur Weiterfahrt bestellte. Aber
ein heftiges Ungewitter machte die Fahrt
unmöglich. Er mußte in Potenstein über-
nachten. Da schritt er in seiner Aengst»
lichkeit vor einem möglichen Ausbruche
der Wasserscheu zur entsetzlichen That
des Selbstmordes. I n einem Augen»
blicke, als seine Freundin, die ihn beglei'
tet und zu trösten und beruhigen gesucht
hatte, sich entfernte, um ein Glas Wasser
zu holen, schoß er sich mit dem Handter«
zerol, das er beständig mit sich führte,
in den Mund, aber so unglücklich, daß er
unter den fürchterlichsten Qualen, wäh-
rend welchen ihn seine Besinnung nicht
verließ, noch siebenTage lebte und erst am
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon