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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24
Page - 270 -
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Page - 270 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24

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Naimund 27s Naimuitd ten Diamanten, aber ei wirft ihn zuerst in den Strahentoth und dann präsentirt er ihn dem Publiwm." — Ernst Ort lepp in fti< ner Ausgabe des „Dekameron". von Voc< caccio (Stuttgart l84l), stellt Raimund neben Boccaccio und Cervantes, Nun, es ist immer eine hübsche Blumenlese uon Ehrentiteln, welche die Norddeutschen Rai- mund angehängt, den sie den „Shake- speare", dann wieder einmal den „Mo> liöre der Volksmuse", den „Schil ler des Localstückes" genannt und der hier neben Boccaccio und Cervantes gestellt wird^ — Interessant ist noch eine Kritik. Die bei Karl Hoffmann in Stuttgart erscheinende „Classische Theater-Bibliothek aller Nationen" hat sich auch der Nainiund'schen Stücke erbarmt und „Das Mädchen aus der Feen- welt" und den „Verschwender" in ihre „clas> fische Theater>Bibl iothek" aufgenom» men! In der jedem Theaterstücke vorange. henden Einleitung" aber hat ein „Namen- loser" sonderbarer Weise den Dichter kritisch so verlästert, daß man mit Recht fragt, wie kommt denn ein Dichter so untergeordneten Werthes, zu dem Raimund hier gestempelt wild. in die „classische" Theaterbibliothek? Ein sonderbarer Schwärmer dieser Namenlose, den Geruinus' und Julian Schmidt's Diatriben auf österreichische Poeten wohl »icht schlafen liehen! IV. 5) Raimund'« Clinralttcristik «l« Dichter. Nii- dolph Gott schall, der sonst manche Unge» bühi der norddeutschen Literarhistoriker gegen österreichische Poeten gut macht, behandelt Raimund in unbilliger Oberflächlichkeit. Er schickt seinem Urtheile über R. einige Betrach. tungen über die moralisch-sentimentale Posse voraus und schreibt: Während die aristophanische Pi?sse oon namhaften Dichtern und Gelehrten gepflegt wurde, bereicherten Schauspieler die Bühne mit der zweiten Gat. tung der Posse, welche wir die moralisch-sen» timentale nennen möchten, und weiche die Masse de« Volkes zu elektrisiren verstand. Sie vermischt in Shakespearischer Weise Scherz und Ernst, zieht Himmel und Erde in ihre Kreise und setzt oabci immer eine Moral in Scene, deren praktische Brauchbarkeit und handgreifliche Anwendung auf Lebensuerhält- nisse nahe liegt. Das Glück, üie Fortuna, ist die eigentliche Göttin dieser Possen, und ihre durchgängige, mannigfach modificirtc Moral- daß das wahre Glück, die innere Zu> friedenheit, nickt von äußeren Glücksuerhält. nissen abhängig ist. Dem französischen For> tuna>Macher wird das nicht erst zu machende, sondern dauernd gegenwärtige Glück in den Tiefen des Gemüthes entgegengestellt. Nach dieser Seite hin sind die Possen echt deutsch und, trotz der häusigen Betonung der Arbeit und ihrer hohen Stellung gegenüber dem vornehmen Müßiggange, nicht socialistisch zu nennen. Wenn bei den Franzosen der Nach» druck auf dem Rechte der Arbeit und auf den Forderungen liegt, welche auf eine Verbesse- rung der äußeren Lagen hinzielen, so liegt er bei den Deutschen auf dem Glücke der Arbeit und auf der inneren Befriedigung, welche sie gewährt,- dort herrscht die prakti. sche, juristische, national'ölonomische Nen> düng, hier die gemüthliche, sittliche, religiöse. Charakteristisch für die Form dieser und der nächstfolgenden Possenaattung ist das sang, bare, bald humoristische, bald sentimentale Couplet, der Wechsel von Versen und Prosa, duftigste Poesie nach Art des „Sommernacht«, traumes" und derber hausbackener Realismus, Ambrosia uud Nektar der Schicksalsgötter und der modern allegorischen Bewohner dc<! Theaterolympes und der echte Kotzebuo'sche Pumpernickel die nahrhafte Speise der Erd- gebornen. Dcr Schöpfer dieser Gattung ist Ferdinand Raimund („Der Verschwender", ,,D« Bauer als Millionär", „Der Alpen» >,.künia und der Menschenfeind", u. A.), ein poetisch.melancholisches Gemüth, dem dic Zaubn'landschaft dieser bunten Dichtung wie in Träumen entstieg, bevölkert mit heitere» Gestalten, aber auch mit de» grillrnhnftsn Dämonen kranker Phantasie, Alle seine Possen haben einen dunklen Hintergrund, den die flackernden Lampen der Phantasie mit wehmüthigem Scheine erhellen. Es durchweht sie ein poetischer Hauch,- ihre Farben sind warm, ihre psychologischen Effecte oft ergrei. fend, ihre Grundlage ist stets sittlich. Tiefer aufgefaßt »nd wärmer beurtheilt wird Raimund von Heinrich K u r z, „R a i m u n d's größtes, aber auch unsterbliches und nicht genug anerkanntes Verdienst, schreibt Kurz, besteht darin, daß er das Volksschauspiel aus der Versunkenheit, in welche es gefallen war. wieder emporhob; daß er in das poetische Leben des Volkes eindrang, und neben dessen unerschöpflichem rrinen Humor, der in den meisten Volksschauspielen durch gemeinen Straßenwitz verdrängt worden war, auch dessen reiches, unbe.stuchencs Gesühl für alles wahrhaft Edle und Schöne zur künstlerischen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Volume 24
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Prokop-Raschdorf
Volume
24
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1872
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
450
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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