Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24
Page - 273 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 273 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24

Image of the Page - 273 -

Image of the Page - 273 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24

Text of the Page - 273 -

Ncmnund 273 Nninuind war ei die Verkehrtheit der Zeit, die den Humor gebar, die Masse des Nolkel, wo er ihn gefunden, sein scharfer Blick, mit dem er ihn bereitet. j Raimund'« Charakteristik al« Schauspieler. Als Schauspieler meint man, sei Raimund denselben Wen gegangen wie als Dichter; auü eine»! glücklichen Voltskomiker habe er et,vas Künstlerisches werden wollen, und dadurch die unbewußte Gabe, Alles durch seine Komik zu fesseln, zum Theil eingebüßt. Diese Ansicht mag richtig sein, und die Zust, ein Iffland zu werden, mag R, veranlaßt haben, manche angeborene Richtung nicht zu verfolge n; nichtsdestoweniger war er noch wie er fich auf seiner Reise durch Norddeutsch^ land zeigte, einer der vorzüglichsten, wo nicht der erste unter den lebenden Komikern. R. war ein Schauspieler von nicht besonders vorteilhafter Theaterfigur, aber auch nicht von einer so possierlichen, taß sie von selbst zum Lachen aufforderte; ihm ging eine klang» reiche Stimme ab, er kämpfte mit Buchstaben, die Vuffobonhomie, die Freundlichkeit, di? zuweilen auf den ersten Vlick gewinnt, ginge» ihm c>b, kurz, ihm fehlt die angeborenen komi- sche Kraft, wie sie die Natur zuweilen schafft, man weiß nicht woraus; er hatte auch nicht oie Volubilität der Zunge und die Impromp- tulaune, durch welche die Komiker von sonst ihr Publicum sich eroberten. Dafür wußte er aber mit künstlerischer Oekonomie und künst» lerischem Geiste, was er hatte, desto besser zu benutzen, die gutmüthig klugen Augen, seinen gewandten, ihm ganz dienstbaren Körper; immer mehr arbeitete sich im Verfolg seiner Äiolle der Geist aus der unscheinbaren Hülle heraus, immer deutlicher wurde die Lharakte» Tistik, immer sprechender die Wahrheit, immer wärmer die Sprache, immer lebendiger das Mienenspiel. Muten im hellsten Scherze wußte -er zu rühren. Andern Komikern ist der Spaß Spaß, ihm war er Ernst, und in jeder seiner, freilich geringen Anzahl von Rollen, ging der ganze Mensch auf. Seine uorzüglichste tragi. sche Partie war der zum Greise plötzlich ge> wordene Millionärbauer; man kann sagen, ein Stein mußte geführt werden, wenn der zittemde Aschenmann sein Lied vorlrug. Die> ser tragische Grundton wird bei schärferer Beobachtung sich vielleicht in allen seinen Darstellungen nachweisenlassen. R. war durch« aus ernst als Schauspieler wie als Dichter, <r war nie eigentlich ausgelassen; wo er eö schien, trennte nur eine dünne Florwand den U, NurZbach, biugr. Lerikon. XXIV. Wedr Humor von der Aussicht auf das Ende aller Dinge, oon denen der Humor eines ist. „Meynert schreibt übcr Ra imund, den Schauspieler- „Als darstellender Künstler ist Raimund mchr ein wahrhafter und geüb- tcr Maler menschlicher Launen als mmschli' cher Leidenschaft, zu nennen. Er ergreift jede» Charakter in seinen bezeichnendsten Momenten, denn komische und ernste Natur steht ihm gleich sehr zu Gebote; indeß ist er weit mel'r mimischer Humorist als Komiker. Dcn Gluth. Hahn in seinem Z'überspiele: Moisasur'ö Zauberfluch, zähle ich zu seinen gelungensten Leistungen, Diese Wahrheit in Ton und Ge. bcrde, dieses schlangenähnliche Winden der Rede in niedern und plumpen Worten, die» ser gewandte Geist in dem schwerfälligen Leibe eines ergrauten Vauern, dies alles war von ihm berücksichtigt, und alles wußte er auf das Trenesse darzustellen," Einer brief» lichen Mittheilung Wen n e r t'ö entnehme ich noch folgende, Rciimund'ü eigenthümliche Spielweise treffrnd charakterisirende Stellen, Meynert schreibt- „Ich sah ihn später in der Rolle des „Verschwenders" und wüßte mich auf nichts Trefflicheres in dieser Art zu besinnen. Die Scene, in welcher er seinen verarmten früheren Gebieter wieder findet und, um dl'm vermeinten Vettlrr ein Almosen zu reichen, in die Tasche greift, dann aber, ihn plötzlich wieder erkennend, nicht weiß. wie er, ohne daß sein einstiger Herr es wahrnehme, die Hand wieder aus der Tasche herllu«diin< gen soll, bleibt mir unvergeßlich; e3 waren da so viele klcine Momente der rührendsten Wahrheit in einen einzigen Moment hinein, gedrängt, daß es sich nicht schildern läßt. Im ausdrucksvollen Mienen», im beredten Geber dcnspü'le war Raimund ein vielleicht uu> übertroffener Meister, Auch sein schwaches Organ brachte durch die eigenthümlichsten Modulationen, bald durch drastisches Betonen, dald durch Abbrechen und halbes Verschlucken der Saß'Cnden merkwürdige Effecte hervor. Wie ärmlich stehen seine Nachahmer da!" Eine geistvolle und treffliche Charakteri- stik Raimund's als Schauspieler gibt auch Oettinger, „Raimund, schreibt er, ist originell und genial. In ihm findet man alle drei Grade, der Laune: den Positiv: Joviali- tät, den Comparativ: komische Kraft, und den Superlativ- Humor vereinigt. Seine Jovialität, seine komische Kraft, sein Humor ist aber eingehüllt in Herzlichkeit, Gemüthlich' keit und Sentimentalität, und dies? Herzlich» ,2l!, Juni!8'3.1 . l3
back to the  book Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Prokop-Raschdorf, Volume 24"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Prokop-Raschdorf, Volume 24
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Prokop-Raschdorf
Volume
24
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1872
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
450
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich