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Nainer 282 Nainer
eines Kindes, des Knaben Ludwig,
und ohne Mann. Aber da sie durch
die Treulosigkeit ihre« Geliebten nun-
mehr frei war, fand sich auch ein neuer
Geliebter in Cass ian W i l d a u e r ,
der als Hausknecht beim Eignerwirth
in Fügen diente und den nun Marie
Rainer nach ihrer zweiten Rückkehr
aus der Fremde heirathete. Nun wurde
die dritte Fahrt angetreten, von welcher
die Zilleithaler wieder nach drei Jahren
heimkehrten. Mar ie blieb nun bei ihrem
Gatten daheim, holte ihren Sohn Lud-
wig von seiner Wärterin, der Färber-
Meisterin in Zell. ab. u»d behielt ihn im
Hause. Daselbst lebte der Knabe in
Müßiggang, brachte auch einen Sommer
aus der Alm zu — es wird hier auf die
ausführliche, in den Quellen angegebene
Darstellung von Ludwig Steub ver-
wiesen — nach der Rückkehr von der
Alm kam er auf die deutsche Schule nach
Innsbruck, von wo er nach einiger Zeit
in'ö Elternhaus zurückkehrte, und eben
zur Zeit, als sich die Geschwister Rainer
zu einer vierten Reise, die dieses Mal
wieder nach England ging, anschickten.
Auch Ludwigs Mutter Mar ie war
wieder mitgegangen. Indessen verlebte
Ludwig bei seinem Stiefvater schlechte
Tage, welche so lange dauerten, bis eineS
Tages seine Mutter von ihrer vierten
Kunstfahrt, die sehr übel ausgefallen
war. heimkehrte. Es waren nämlich in
der Zwischenzeit viele „falsche Tiroler"
in England aufgetreten und hatten den
anderen Zillerthalern das Geschäft so
verdorben, daß diese, um nicht noch
größeren Schaden zu erleide», aber noch
immer mit genug großem Verluste heim»
reisten. Ludwigs Mutter machte nun
im Hause, in welchem Ludwigs Stief.
vater und dessen Sippschaft in heilloser
Weise geschaltet und gewaltet. Ordnung indem sie die Sippschaft aus dem Hause
trieb, den Mann zu einem regelmäßigen
Leben anhielt und auch über Ludwig
ein heilsameres Regiment führte. Eine
heitere Liebesepisode Ludwigs mit einer
Wirthstochter, NamenSHannele, ferner
seine Rettung im Jahre 1838 aus einer
Lebensgefahr, bei welcher von der Füge»
ner Echühencompagnie, in der sich auch
Ludwig Rainer befand, 16 Schützen ihr
Leben in Hall verloren, seine Vorstellung
bei Erzherzog Johann und dann bei
Kaiser Ferdinand; denen er als Augen»
zeuge das gräßliche Unglück der Fügenei
Schützen erzählen mußte. alleS dieseS
berichtet in seiner anmuthigen Weise
Ludwig Steub, auf den hiermit ver>
wiesen wird. da diese Episoden für dieses
Werk weiter keine Bedeutung haben.
Ludwig Nainer war nun 17 Jahre alt
und hatte noch nichts Ordentliches gelernt.
Seine Cameraden verleiteten ihn zum
Zechen und Müßiggehen, und weiß Gott,
was unter solchen Umständen auS ihm
noch geworden wäre, wenn eS ein glück-
licher Zufall nicht besser gefügt hatte.
Ludwig besaß eine gute Stimme und
ein Freund seines Elternhauses, Johann
Masserer, der mit seinem Bruder
Franz, dann mit Simon Halaus von
Zell und Margaretha Sprenger von
Kupferberg als Tiroler Sänger auf
Reisen gewesen war, hatte Ludwig
einmal in der Kirche auf dem Chöre
singen gehört. Masserer wendete sich
an Ludwigs Mutter und forderte sie
auf, ihm den Sohn Ludwig auf seine
nächste Kunstfahrt mitzugeben. Die Mut>
ter besann sich nicht lange, und nahm
mit dem Bescheide: „Ja, wenn du
glaubst, daß du mit dem leichtsinnigen
Vürschlein etwas machen kannst, so
nimm ihn nur mit — schlimmer kann
er nimmer werden, als er ist", den Vor«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon