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Namer 283
schlag an. Und so ging Ludwig Rainer
mit Masferer und seiner Gesellschaft
in die Welt. Er kam zuerst nach München,
wo sie bei Herzog Max imi l ian von
Bayern sangen und er noch kurzer Zeit
sich achtzig Gulden erspart hatte, welche
er seiner Mutter schickte mit dm Worten:
„Der Leichtsinnige laffe sie Alle schön
grüßen und er sei jetzt schon ein besserer
Mensch geworden". Von München ging
die Reise über Nürnberg, Bamberg,
Kissingen, von da nach Würzburg, Frank,
fürt bis Bad Ems und von da wieder
zurück nach Karlsruhe und Baden-Baden.
Nun wurde die Heimreise angetreten.
Nach einem längeren Aufenthalte in der
Heimat Fügen nahm L u d w i g das
Engagement eines Franzosen. Namens
Eugen Burnaud, an, der ihn und
einige andere Fügener nach Amerika mit-
nahm. Die anderen waren Simon H a-
laus, Margaretha Sprenger und
Ludwigs Vase Helene Rainer. Der
Netteste unter ihnen zählte kaum 22 Jahre.
Diese junge Gesellschaft, unerfahren und
voll Vertrauen, wurde von dem franzö-
fischen Abenteurer auf daö Arglistigste
betrogen. Als sie nach vierzehn Monaten
endlich Abrechnung und Auszahlung
ihreS Verdienstes verlangte, war Herr
Eugen Burnaud verschwunden und
kam nicht wieder zum Vorschein. Die
Zillerthaler saßen nun ohne Mittel, a.cmz
verlassen zu New »Orleans; aber mit
Hilfe einiger Schweizer Kaufleute gingen
sie wieder unverzagt ihrem Berufe nach
und errangen sehr schone Erfolge, bis sie
in Boston ein neues Mißgeschick befiel.
Helene Rainer hatte sich heimlich mit
einem Amerikaner versprochen und eröff>
ne!e den Andern erst wenige Tage vor
der Hochzeit, daß sie aus der Gesellschaft
trclen werde. So standen die Verlassenen
allein, ohne Sopran in der Welt. Glück» licher Neise aber fand sich bald ein
hübscher irischer Knabe. in welchem Ludwig
Rainer zufällig Anlage zum Jodeln
entdeckt hatte. Nö war gelungen, den>
selben zu gewinnen und nach einiger Zeit
trat der irische Junge zu Boston mit den
Zillerthalem als Tiroler Jodler auf und
fand allgemeinen Beifall. Aber auch dieß
dauerte nicht lange, nach einem halben
Jahre schlug des Irländers feinerSopran
in eine Baßstimme um, die Gesellschaft
war wieder in großer Noth. Sie schrieb
nun in ihre Heimat Fügen und bat um
Hilfe. Endlich kamen nach dreimonat-
lichem Warten zweiZillerthaler in Halifax
an, aber leider solche „die besser mit der
Heugabel umzugehen wußten, als mit
Alpengesang". Nach so bitterer Ent-
tauschung blieb nichts übrig, als in die
Heimat zurückzukehren. Trotz all« Miß»
geschicke brachte doch damals jedes Mit»
glied sechstausend Gulden nach Hause.
In der Heimat entschloß sich Ludwig
Rainer zu heirathen, und zwar dieselbe
Margaretha Sprenger, welche mit
ihm in Amerika gewesen. Aber diese starb
nach ihrer ersten Entbindung. Seine
Jugendliebe Hannele hatte sich längst
schon nach Wien uerheirathet, wo sie
Besitzerin einer großen Meierei und Milch-
wirthschaft war und wohl noch ist. Lud»
wig heirathete nun zum zweiten Male
und kaufte das Hirschenwirthshaus in
Rattenberg. Im Jahre 1848 zog er
gegen Gar iba ld i und seine Schaacen
als Schützenlieutenant nach Welschtirol.
Als das Jahr 188t und mit ihm die
große Weltausstellung in London heran-
kam, regte sich aber wieder eine tiefe
Sehnsucht nach dem alten W ander- und
Sängerleben in der weiten Welt in ihm.
Auch Freund H alauS wollte nicht mchr
u Hause bleiben, und so stellten sie ein
Quartett zusammen, welches sie nach
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon