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Nainer 284 Bainer
London führten. Das Unternehmen hatte
den besten Erfolg; die Zillerthaler sangen
sogar mehrere Male in Windsor Castle
vor der Königin Victor ia, dann traten
sie in Schottland und Irland auf und
der Name Rniner übte allenthalben
seinen Zauber. Kaum zurückgekehrt, zog
Ludwig R. nach Italien und im Jahre
1883. von GrafMorny eingeladen, zur
Weltausstellung nach PariS, wo er und
seine Gesellschaft sich öfter in den Tui>
lerien hören ließen. Von Paris wandten
sich Rainer'S nach dem Norden und san-
gen an den scandinauiscken Höfen. Im I .
1838 nahm Ludwig Rainer ein langes
Engagement in St. Petersburg und blieb
gegen zehn Jahre dort. Da auch seine
zweite Frau gestorben, so vermalte er sich
im Jahre 1863 am Newastrande zum
dritten Male, und zwar mit Anna
Pran t l . der Wicthstochier in Mar>
greten, einem Dorfe in der Nähe von
Schwaz. Das war eine großartige Hoch.
zeil und mußten sämmtliche geladene
Gäste, mehrere Hundert an der Zahl, in
Tirolei Tracht erscheinen. Die schone
Feier ist in der „Tiroler Volks, und
Schühen-Zeitung" 1863,Nr.133, S.798,
beschrieben. Aus Rußland zog den Sän»
ger Ra ine r l 868 daS Wiener Schuhen»
fest heraus. Er blieb mit seiner Gesell»
schast sechs Monate in der Kaiserstadt an
der Donau, bereiste dann Ungarn, Sie»
benbürgm. daS Land der Walachen und
drang sogar in die Türkei vor. Im Jahre
1869 sang die Gesellschaft in München
l<nd im August 1870 in Steiermark. wo
Schreiber dieser Zeilen sie in Graz höite,
mit shnen in einem Hotel, beim Tle»
phanten, wohnte und ein paar ange>
nehme Stunden in ihrer anregenden Ge»
sellschaft zubrachte. Die freie Zeit. welche
Ludwig Rainer zwischen hinein in
seiner Heimat verlebte, hatte er rührig benutzt, um am Achensec, nicht weit von
der bekannten Scholastica, einen neuen
Gasthof zu gründen, der seit 1868 eröffnet
ist. Während Ludwig R. mit seiner
mittlerweile auf mehr als 18 Personen
angewachsenen Gesellschaft in den euro-
päischen Hauptstädten Zillerthaler Lieder
singt, waltet seine Gattin Anna, geb.
Prant l , als züchtige Hausfrau jetzt von
den Gästen deS Achenthals nicht minder
hochgestellt als freundliche, tüchtige Wir<
thin, wie vordem vor Rnffen und Ta»
taren als kunstreiche Iodlerin. Ueber-
dieß hat Ludwig Rainer in die Wirths»
familie P ran t l zu Margreten, aus
welcher er sich seine Anna als Hausfrau
mitgeführt, die Liebe zum Gesänge, den
Unternehmungsgeist und die Thatenlust
gebracht und sich dort eine blühende
Pftanzschule angelegt, so daß er immer
drei oder vier Kinder des Hauses in
seinem musikalischen Gefolge mit sich
fuhren konnte. So waren Anna, Therese,
Isnbelln und AloiS Pran t l mit ihm
nach Nußland gegcmgen, haben sich dort
jahrelang in St. Petersburg. Moskau
und in anderen Städten aufgehalten und
Therese Pran t l reiste noch im Jahre
1870 alö Directricc einer TirolerSänger-
gesellschaft in Nußland, wo sie bereits
bis nnch Nischnei Nowgorod vorgedrungen
war. In Margreten besitzt Ludwig Rai>
ner ein kleines Fnm!lien>Mnseum, wo
er alleü zusammengestellt hat, wag er
und die Familie P ran t l von ihren
Reisen alü Erinnerungen und Andenken
mitgebracht: Bilder, Photographien.
Kränze, Bänder, Fahnen und allerlei,
mitunter sehr wer'hvolle Geschenke.
Die Gartenlaube, Illustm'tes Familien»
blatt (Leipzig, V, Keil's Verlag, l,r. 4»,)
1870 S. 798, 821 u. 822: „Eine Zillertha»
ler Sänlierfamiüe". Von Ludwig Steub;
1872. S, 2l u. l07: „Die Anfänae der Ge>
schwister Rainer", von Ebendemselben. —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon