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Naiacsich 292 Na^acsich
gehalten, immer entschiedener zu en
wickeln und eine den Regierungsintev
essen sich entgegenstemmende Partei tra-
mit ihren Absichten und Forderung«
immer bestimmter hervor. Die politischen
Verhältnisse Serbiens, nämlich dessen
Stellung zum Gesammtstaate und danr
wieder zu Ungarn, hier in einigermaßen
verständlicher Weise darzustellen, greift
außerhalb die diesem Werke gesteckten
Grenzen, denn eS ist dasselbe ein bio
graphisches und nicht ein historisches
Lexikon. Jene, welche diese Sachlage in
einfachster historischer Darstellung zusam
mengefaßt kennen zu leinen wünschen,
weisen wir auf eine Quelle hin, wo sie
sich darüber kurz, bündig und nicht min»
der zuverläßig belehren können, nämlich
auf das Neusatzer Localblatt 1861, dessen
Nummern 21 — 26 im Feuilleton den
auch für jeden künftigen Geschichtschreiber
dieser Begebenheiten wichtigen Aufsatz:
„Die serbische Bewegung in den Jahren
1848 und 1849« von M. K. enthalten.
Hier haben wir es zunächst mit dem
Bischof Rajacsich zu thun. Dieser, seit
1. Octobei 1842 Bischof zu Karlovitz,
war bei den oberwühnten,
sich immer wir»
rer und bedenklicher gestaltenden Verhält»
nissen stets bemüht, nicht nur persönlich,
sondern auch durch seinen Einfluß auf
seine Freunde und seinen ziemlich ver-
breiteten Anhang die Interessen der kai»
serlichen Regierung in den Comitial-
Kongregationen und auf den Landtagen
zu unterstützen. Indessen gewann die
oppositionelle Partei in Ungarn immer
mehr Terrain nnd war auf dem Land-
tage 1847/48 bereits so mächtig, daß aus
ihren Reihen das ungarische Ministerium
genommen und in Wien vor der Hand
die bisherige centralistisch» absolutistische
Politik der Regierung aufgegeben werden
mußte. Die Stellung Serbiens, dem nur die Alternative blieb, sich entweder den
Ungarn zu unterwerfen oder in die Arme
der kaiserlichen Regierung zu flüchten,
mußte sich nun entscheiden. Was Oester-
reich Ungarn gegenüber früher versucht,
es nemlich einig mit dem Gesammtstaate
zu verquicken, und um den Preis der
48ger»Revolution aufgeben gemußt, das
war Ungarns Absicht Serbien gegenüber,
dessen Nationalität und Freiheit der
Sprache es nicht anerkennen und ganz in
Ungarn aufgehen lassen wollte; einePoli»
tik. welche Ungarn auch in den anderen
zu ihm gehörigen Provinzen, nemlich
Siebenbürgen, Kroatien und Slavonien
in Anwendung brachte. Die Lage der
Serben, die überdieß keinen Schutz im
Momente hatten, als ihre eigene Kraft,
erheischte ein ebenso umsichtiges als ent»
schlosseneSVorgehen. DieHaltung, welche
die Serben in ihrer bedrängten Lage zu
beobachten gesonnen waren, erhielt auf
der 1./13. und 3./l8. Mai 1848 gehaltenen
National'Vcrsammlung zuKarlovitz ihren
Ausdruck. Najacsich wurde auf derselben
um Patriarchen, Stephan Supl ikac,
damals als Grenzeroberst bei der Armee
n Italien stehend, zum Wojwoden auö-
gerufen und unter dem Vorsitze deS
Patriarchen einComitö (Odbor) ernannt,
em die Vollmacht zur Einleitung aller
weiteren Maßregeln behufs der Reali»
nimg der Wünsche der Nation über»
ragen wurde. Man hatte sich bei diesen
Vorläufern der darauf gesolgten blutigen
Nreignifse auf nachstehenden Standpunkt
estellt. Mit der Forderung nationaler
Anerkennung von der ungarischen Re>
ierung abgewiesen, von Oesterreich seit
690die Erfüllung der damals erhaltenen
Zugeständnisse noch immer erwartend,
egten die Häupter der Karloviher Ver>
ammlung ihren Beschlüssen daö Prinzip
Grunde, ein einseitiges Nichteinhalten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon