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der Verträge, löse jede Verbindlichkeit
der anderen Seite. Oesterreich hatte seine
Verbindlichkeiten bisher nickt erfüllt, Un»
gärn nicht nur nichts gethan, um die
Erfüllung derselben zu erwirken, sondern
bis zur Stunde der nationalen Existenz
der Serben alles Recht abgesprochen.
Man betrachtete sich also als sämmtlicher
Verpflichtungen gegen jenes wie dieses
entbunden und berechtigt, neue Verträge
mit jener Macht zu schließen, welche den
Forderungen der Nation die genügsamste
Garantie bieten würde. I n dieser Sach»
läge war eö nun Rajacsich, welcher
seinen ganzen Einfluß geltend machte,
um die Simpathien der serbischen Nation
der ungarischen Revolutionsregierung
ab> und der kaiserlichen zuzuwenden. Um
die Interessen der Gesammtmonarchie
zugleich mit jenen der serbischen Nation zu
stärken und gegen,die immer greller hervor^
tretenden Gewaltthaten der neuer Macht»
Haber in Ungarn desto wirksamer zu
wahren, wurde von den Ungarn die Be>
stätigung der in den alten Privilegien
gesetzlich gegründeten Wahl eines Wojwo»
den und Patriarchen von der serbischen
Nation verlangt. Die Antwort auf diese
Forderung war uon Seiten der Ungarn
der am l t . Juni 1848 erfolgte bewaff»
nete Angriff auf Karlovitz, worauf nun
jener blulige Bürgerkrieg in den süd»
lichen Gegenden des Reiches an der
Theiß und Donau entbrannte, wie deren
an Grausamkeit und Scheußlichkeit die
Geschichte Mr wenige Beispiele aufzu»
weisen haben mag. Derselbe währte von
11. Juni bis 3. October i848, in welcher
Zeit auch die Verhältnisse in Ungarn den
Charakter der offenen Empörung gegen
die kaiserliche Regierung angenommen
hatten. Seit dem 3. October 1843 eröff-
neten die kaiserlichen Truppen den Feld»
zug gegen die Ungarn, welche jetzt von der kaiserlichen Armee gedrängt ange>
strengte und wiederholte Versuche unter
glänzenden Anerbietungen machten, um
den Widerstand der serbisch»romanischen
Bevölkerung zu beseitigen und sie für
ihre Sache wieder zu gewinnen. Diese
aber blieb der kaiserlichen Regierung treu,
obgleich nun nach Zurückstoßung ihrer
Anerbietung die ungarische Regierung
vandalische Verheerungen im Lande ver»
lichtete. Diese treue Haltung an der
kaiserlichen Regierung erwiderte dieselbe
mit dem Allerh. Patente vom 18. De>
cember 1848, in welchem die schon er»
wähnten, am 1. Mai stattgefundenen
Wahlen des Woiwoden Supl ikac und
des Patriachen Joseph Ra jacs ich
Allerh. Ortes bestätigt wurden. Als
bald darauf der Woiwode Suplikac
starb, blieb der Patriarch an der Spitze
der Nation und wurde später zum kaiser»
lichen Commissär in dem uon dem serbi»
schen Armee.Korps besetzten Gebiete er»
nannt. I n dieser traurigen Kriegsepoche
war es R., der die durch die Ereignisse
des Krieges gänzlich gelockerte Ordnung
in ihre gesetzliche Bahn zurückführte, der
zur Führung des Krieges Waffen, Muni»
tion, Proviant. Montur. Geld, kurz alles
Erforderliche herbeischaffen mußte, der
die von ungarischen Emissären, geheimen
und offenen Anhängern der ungarischen
RevolutionsregierunggenährtenGehäßig-
keiten gegen die Kaiserlichen bei den Be-
völkerungen verschiedener Cultur zu be°>
kämpfen, zu beschwichtigen und den Groß»
theil der Nation für die Sache der öfter»
reichischen Regierung zu stimmen und viele
den Interessen derselben höchst nachthei«
lige Eingriffe und Uebergriffe der Solda-
teska zu beseitigen hatte. Rajacsich
war es, der die politischen und Justiz-
behörhen in seinem Verwaltungsgebiete
provisorisch organistrte, der die Ultra's
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon