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Nanwser 316 Namoser
kleinem Maßstabe ausgeführte Lopie der
berühmten Trajanischen Säule, die eben
auS Luigi 's Werkstälte hervorging,
hauptsächlich ein Werk der beiden ge-
nannten Künstler. Diese sechs Fuß hohe
Säule ist aus Silber getrieben und von
den herrlichen Nasreliefs des Originals
auf derselben, nach den Kupferstichen des
Santo Bar to l i , stammt der größere
Theil der besseren von Ra moser. Das
Werk wurde im Jahre 1774 fertig, we-
nigstms ist diese Jahreszahl an einer
Stelle der Säule dem Namen von Ra>
m o se c's Arbeitscollegen Hecher beige»
setzt, sichtbar. Die Säule wurde von
dem Churfürsten Kar l Theodor von
Bayern während seines Aufenthaltes in
Rom angekauft, und von ihm nach
München mitgenommen, wo sie noch jetzt
im dortigen Kunstcabinete die Bewunde»
rung der Besucher erregt. Andere Werke
des Künstlers sind ein Tafelaufsatz mit
vielen mythologischen Figuren, den R.
für den König von Neapel gearbeitet! —
ein Crucifix, auf welchem die ganze Lei»
densgeschichte, des Erlösers mit außer-
ordentlicher Feinheit in erhabener Arbeit
dargestellt ist. für Papst Pius VI.. für
den R. auch noch mehrere andere Arbei»
ten vollendet hat. Naglec vermuthet
auch, daß eln für einen französischen
Prinzen bestimmter Aufsatz, den Circus
desCa racal la vorstellend, von R. aus»
geführt sei. Derselbe stammt aus dem
Jahre 1776 und wuroe bei dem ober»
wähnten Goldschmiede Luigi bestellt.
Archen holz in seinem Werke über
Italien gedenkt in rühmender Weise des-
selben, wie auch der Trajanssäule. In
den letzten Jahren, in welchen sich R.
nach Foligno zurückgezogen, arbeitete er
nur mehr religiöse Gegenstände, und
sind in dieser Stadt, wie auch in Peru»
gia, wo R. einige Zeit sich aufgehalten. »mehr als anderswo von R.'s Cchöpfun»
gen zu sehen. Zu Bevagna befindet sich
eine silberne Stcitue von seiner Hand,
die seinen besten Werken beigezahlt wird.
Ueber seinen bereits erwähnten Eintritt
in eine religiöse Gemeinschaft, der er bis
an sein Ende treu blieb, wird Folgendes
berichtet. Während seines Aufenlhaltes
in Rom faßten mehrere der dort und in
der Umgebung lebenden Künstler den
Gedanken, einen frommen Verein zu
bilden und gemeinschaftlich zu arbeiten.
Auch R. trat demselben bei, der Verein
miethete ein eigenes Haus in Foligno,
nahm die Satzungen des Philippinen»
ordens (Phüippus Neri), die Kleidung
desselben an, lebte unter einem selbstge-
wählten Vorsteher nach den Regeln
des Ol'denö und erwarb sich den Lebens-
unterhalt nach dem Beispiele der ersten
Mönche von der Arbeit ihrer Hände. In
diesem gemeinschaftlichen Zusammenleben
konnte es nicht fehlen, daß aucb rein re-
ligiöse Gegenstände in den Bereich ihrer
Berathungen und Unterredungen gezo»
gen wurden, wobei es geschah, daß
mancke der bestehenden dogmatischen
Grundsätze angezweifelt wurden. So war
es zunächst die Lehre vom h. Geiste,
welche von ihnen angegriffen wuide.
Ramoser selbst verwarf ganz das
herrschende Dogma, indem er erklärte,
cS vertrage sich durchaus nicht mit seinen
Ansichten, den heiligen Geist ala Taube
dargestellt zu sehen. Er behauptete, Gott
se! wohl Mensch, aber nicht ein Vogel
geworden, und es sei der größte Grad
von Heidenthum, einen Vogel zur Anbe-
tung aufzustellen. Daß solche Ansichten
der römischen Kirche nicht gefallen könn»
ten, begreift sich ohne weitere Auseinan«
Versetzung. Wären diese und andere An-
sichten des Vereines innerhalb des Krei»
ses desselben geblieben und nie über die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon