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Nandtgger 321 Nandegger
für Musik, Theater u, s. w. (Wien, tl, Fol.)
l8S0, S. i»2,)
RllNdegger, Mayer R. (gelehrter
Rabbiner, geb. zu Worabl ingen,
einer Besitzung der Grafen von Nellen»
bürg im ehemaligen Vorderösterreich,
im Jahre 1780, gest. zu Trieft 3. März
1833). Seine Eltern hießen Moses und
Anna, und hatten, wie dieß bei den
Israeliten damals noch üblich war, kei>
nen Zunamen; auch Mayer nahmeinen
solchen erst in der Folge an. Als R. sechs
Jahre alt war, verloren seine Eltern
durch Raub all ihr Hab und Gut und
übersiedelten in Folge dessen im Jahre
1786 von Worablingen nach Randegg,
ein unweit vom Rheinfalle gelegenes
Dorf, daS gleichfalls zur Herrschaft Nel.
lenburg gehörte. Der Vater war Kauf-
mann und in Folge seiner Geschäfte viel
vom Hause abwesend. Den ersten Unter»
richt erhielt R. im Elternhause und durfte
dann, wenn er gute Fortschritte machte,
den Vater manchmal auf seinen Reisen
begleiten; so kam er als Knabe nach
Zürch, nach St. Gallen, Frankfurt a. M.
u. a. O., und lernte den berühmten 2a>
vater, den Geschichtsforscher Johannes
von Mü l le r u. A. persönlich kennen.
Der NuSbruch der französischen Revolu»
tion blieb auch für die Gegenden, in
welchen R< mit seinen Eltern wohnte,
nicht ohne Folgen. Randegg wurde ge>
plündert; es geschah dieß bald nach der
Schlacht von RegenSburg, als Moreau
gezwungen wurde, sich zurückzuziehen.
Die Eltern zogen daher, um aufneutra.
lem Gebiete weiteren Unfällen dieser Art
sich zu eniziehen, nach Diesenhoffen,
einem in der Schweiz, also auf neutralem
Boden, gelegenen Städtcken. Hier ka»
men R.'S Eltern zu dem Tntschusse, R.
zum Rabbiner bilden zu lassen, und so
wurde der damals noch kaum 18jährige Sohn nach Fürth bei Nürnberg geschickt,
wo der Rabbiner S. Eoen aus Posen
die dortige israelitische Hochschule leitete.
Fürth war damals für die Israeliten, was
etwa Göttingen, Heidelberg, Jena für
deutsche Studenten. Es war zu jener Zeit
von etwa 300 Israeliten. die sich Bahur
nannten, besucht. Es lehrten an der An.
stalt mehrere Professoren, jeder sein eigenes
Fach, es wurden strenge Prüfungen ge»
halten und die letzte von dem Directo»
Rabbiner, der den mit entsprechenden
Kenntnissen Ausgestatteten das Zeugniß
der Reife ertheilte, worauf diese bei ir.
gend einem Rabbiner einen zweijährigen
praktischen CurfuS nahmen und dann die
nächste, irgendwo erledigte Rabbinerstelle
erhielten. War keine vorhanden, so ka>
men die Kandidaten als Erzieher in an-
gesehene reiche Israelitenfamilim. Fürth
genoß zu jener Zeit einen ausgezeichneten
Ru/, dessen eS sich
in unseren Tagen, da
Israelitm auch in anderer Weise ihre
gelehrte Bildung sich aneignen können,
nicht mehr erfreut. R., der in der
eisten Zeit mit Mangel zu kämpfen hatte,
denn seine Eltern waren mittlerweile ganz
verarmt, half sich durch Fleiß und Thä»
tigkeit bald empor, er wurde Erzieher im
Hause Köni göwaite i , dann Beglei-
ter des Sohnes des Vorstehers der Nn-
stalt, der ihn überdieß gern als seinen
Schwiegersohn gesehen hätte. Dann be>
gab er sich nach Preßburg, um dort seine
Rabbinatsstudien zu beendigen. Aber
schon in einiger Zeit mußte er seiner
häuslichen Verhältnisse wegen Preßburg
verlassen, und um diese Zeit geschah es,
daß er seinen bisher in israelitischer Weise
geführten Namen Mayer, Sohn des
Moses, mit dem nach dem einstigen
Wohnorte seiner Eltern, Randegg, an>
genommenen Namen Randegg er ver-
tauschte, weil die alte israelitische Namen»
u. Würzbach. bioar. Leiikon, XXIV. Mdr. 27. Juli l8?2,i
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon