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Nandhartinger 328 Nandhllrlinger
Am 10. Februar 1844 wurde R. ĂĽber
Verwendung des damaligen Hofcapell.
meisteis Ioh. Weig l in seiner Stellung
als Tenorsänger der Hofcapelle zum
2. Vice>Hofcapellmeisier ernannt und
zwei Jahre später seiner Stelle alsSänger,
welche er durch vierzehn Jahre versehen
hatte, enthoben. Im Jahre 1847 wurde
er nach Eybler's Tode zum 1. Vice»
Hofcapellmeister und nach dem Ableben
AĂźmaye r's am 1 l). September 1862zum
Hofcapellmeister befördert. Auf diesem
letzten Posten war er nur wenige Jahre
thätig, denn am 28. April 1866 wurde
er ohne eigenes Ansuchen mit dem gan-
zen Gehalte unter gleichzeitiger Verlei-
hung des Franz Joseph-Ordens in den
Ruhestand versetzt. Die alte „Presse"
bemerkte bei dieser Gelegenheit, daĂź diese
Penswnirung eines HofcapellmeisterS
oder Mitgliedes der Hofcapelle die erste
sei, welche seit dem Bestände der Hof»
capelle sich ereignet hat. Johann Franz
Herbeck, der ehemalige Director des
Wiener Musik'VereinS und damals zwei»
ter unbesoldeter Vice-Hofcapellmeister,
trat an sein^ Stelle. Jetzt lebt R, in den
glücklichsten Familienverhältnissen ganz
der Musik, ist mit dem Oldnen seiner
zahlreichen Kompositionen und mit neuen,
vornehmlich kirchlichen Arbeiten beschäf»
tigt, von denen mehrere in der italieni»
schen und Dominikanerkirche Wiens öfter
zur AuffĂĽhrung gebracht werden. Die
Zahl von Randhartinger'S Compo-
sitionen — von denen auf S. 326 eine
Uebersicht der bekannteren, im Drucke er»
schienenen gegeben wird — ist ungemein
groß', sie beläuft sich im Ganzen auf über
ZOO Nummern, von denen jedoch nur
124 gedruckt sind. Es befinden sich unier
dieser groĂźen Menge von Werken eine
vieractige romantische Oper: „König En>
zio", nach einem von Alexander Bau> mann nach dem Trauerspiel von Rau»
pach bearbeiteten Libretto. Die Oper
ward vor etwa zwei Decennien von der
Direction bes OpecntheaterS zur AuffĂĽh.
rung angenommen, die Hauptrollen ve>
fanden sich bereits in den Händen des
Fräuleins Zerr und der Herren Ander
und Staud ig l und wurden von diesen
schon einsiudirt. als die AuffĂĽhrung hin-
tertrieben wurde; — zwei große Sym>
phonien, beide in von R. veranstalteten
Concerten mit dem Hof'Operntheatei'
Orchester zur Aufführung gebracht' —
ein Quintett fĂĽr 4 Streichinstrumente
und Contrabaß! — ein Trio für Piano»
forte, Violin und Violoncell', — zwei
Streichquartetten' dann folgende, fĂĽr
die k. k. Hofcapelle verfaĂźte Werke:
nämlich 18 große Messen, 2 Requiems,
42 Gradunlien und Offertorien, ein
H,Li)SlFeL, sämmtlich für das ganze Or»
chester componirt; — eine Vocalmesse',
— 20 Kircheneinlagen mit Harmonium
und Violoncellbegleitung; — 3 vierhän'
dige Märsche; — mehrere vierhändig«
Variationen für das Pianoforte-, —
4 Hefte griechischer Volkögesänge', —
lateinische Kirchengesänge für die Wiener
Universität'. — 400 Lieder, 10 Gesänge
fĂĽr 3 Singstimmen. 76 vierstimmige
Männerchöre', —protestantische Kirchen»
estgesänge und griechische Ritual-Ge-
sänge, über welche beiden, im Drucke er-
schienenen Werke Näheres unten in der
Uebersicht von Randhartinger'S ge-
druckt erschienenen Kompositionen micge»
theilt wird. Noch sei hier bemerkt, daĂź
R. im Jahre 188? in Gemeinschaft mit
dem Clauierfabrikanten Ehrbar sich der
Aufgabe unterzog. das Verracordion,
ein seit 70 Jahren bereits bekanntes,
aber bisher sehr unvollkommenes Instru-
ment, zu verbeffern, und diese Aufgabe
auch in befriedigender Weise gelöst hat.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon