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Nangheri 333 Natrghrri
Er war es, der zur Gefangennahme von
400 Feinden nebst ihren Geschützen auf
den Feldern von Sterzing durch seine
Tapferkeit und Umsicht am meisten be!>
trug. Auf seinen Kopf wurde in Folge
deffen ein Preis gesetzt, so daß er sich
flüchten und !n dm unzulänglichsten
Schluchten und Beighöhlen wochenlang
verbergen mußte, bis es ihm gelang, nach
Oesterreich zu entkommen. Kaiser Franz
zeichnete den Wackeren anfänglich mit
der großen silbernen, später mit der klei-
uen goldenen Medaille mit Ochr und
Band aus. Für die Verdienste, die er stch
um die Organisirung des Landsturmes
im Jahre 1813 erworben, erhielt er das
nachmals gestiftete Kanonenkreuz. Da er
in den Kriegsjahren durch seine Theil-
nahme an den Kämpfen um seine ganze
Habe gekommen war, wurde ihm eine
Iahrespension von 300 fl. verliehen. Er
starb im hohen Alter von 83 Jahren und
wurde feierlich auf dem Friedhofe zu Wil»
ten bestattet.
Innsbrucker Tagblatt (8°.) VI. Iahrg
(I88L), Nr. 237: „Neue Erinnerungen aus den
Bergen Tirols".
RllNghM. Joseph (Seidenzüch-
ter, geb. zu Gera am Lago di Como
in der Lombardei im Jahre 1760, gest. zu
Prag 2. December 1832). Joseph N.
war Handelsmann und um das I . 1776
auö Italien nach Prag gekommen, wo e:
sich seßhaft und durch seine Bemühungen
um die Hebung der Maulbeerbaumcultur
und Seidenzucht bekannt und verdient
machte. Schon früher war in dieser Rich»
tung Einiges geleistet worden. Die Sei-
dencultur hatte der Ingenieur »Major
Karl Cremeri in Gemeinschaft mit
dem Theaterunternehmer Locatel l i im
Jahre 1749 zuerst in Böhmen eingeführt.
Später fiel die von Crem eri in den
Prager Stadtgräben angelegte Maul» beerpflanzung dem wälschen Spirale zu.
als aber dieses im Jahre 1789 aufgeho-
ben wurde, ging auch die Anpflanzung
ein, mittelst welcher jährlich an 4000
Pfund rein gesponnener Seide gewonnen
wurden. Erst als im Jahre 1813 Joseph
Nangheri von dem Ritter von Schön»
feld das Maulbeerpstanzrecht mit den
noch wenigen übrig gebliebenen, alten
und verwahrlosten Bäumen erkaufte, um
eine neue Pflanzschule für Maulbeerbaum»
und Seidenzucht zu errichten, begann er
von neuem, doch erst nach Bewältigung
mannigfacher Hindernisse, die Pflege die-
ses vollends vernachlässigten Industrie»
zweigeS, denn man beanständete ihm das
seit vielen Jahren unterbliebene Per»
mehren der Bäume in den Stadtgrä>
ben. Nichtsdestoweniger war R. bemüht,
diesen Culturzweig, so weit es ihm die
Verhältnisse ermöglichten, zu heben. Un>
weit des Roßmarkt.ThoreS legte er i813
eine Schule für Seidencultur an und
gab, um der Pflege dieses Culturzweiges
in den verschiedenen, namentlich den un>
teren Schichten der Bevölkerung Ein»
gang zu verschaffen, eine Schrift über
den Unterricht in der Seidencultur in
Böhmen heraus, welche K. H. Tham
unter dem Titel. „koiiöern o äodFvain
ksädävi v öeokaok" in's öechische über»
setzte. R. widmete das Büchlein der
böhmischen Landwirthsschaftsgefellschaft,
um dieselbe für diesen Gegenstand in's
Interesse zu ziehen, die Regierung aber
unterstützte sein Beginnen durch Verthei»
lung desselben unter den Landgemeinden.
— Aber erst seinem Sohne Heinrich sollte
eS vorbehalten bleiben, diesen Cultur»
zweig zum erwünschten Aufschwünge zu
bringen. Diesem gelang es zwei Jahre
nach deS Vaters Tode, im Jahre 1834.
von Seite der Hofkanzlei im Einverständ.
niß mit dem Hofkriegsrathe daS neuer»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon