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368 Nappersdorfer
llchem Einfluß auf die Entwickelung ist der
Bohn des Kaufmanns, der das väterliche
Haus an dem Ta>,e heimlich verläßt, wo er
sich mit einer liebenswürdigen Verwandten
vermalen soll. um einer Seiltänzerin zu fol
gen. zu der ec eine leidenschaftliche Neigung
gefaßt hatte. Die Nachricht seiner Entfernung
bringt dem Vater und der Braut den Tod;
er aber schließt sich der Seiltänzertruppc an
und wird ihr Bajazzo, was der Dichter frei>
lich nicht ausdrücklich sagt, aber deutlich genug
erkennen labt. Zur Begründung der im Laufe
des Gedichtes ausgesprochenen Ansichten hat
der Dichter einige allegorische Erzählungen
eingewoben, die auch selbst dann von grober
Wirkung sind, wenn man die allegorische
Beziehung unberücksichtigt läßt. In einer der-
selben ist die bekannte Sage vo» der Matrone
zu Gphesus mit großem Glück selbstständig
bearbeitet. Dieser Bajazzo nun bildet den
Mittelpunct der ersten Abtheilung, indem
ihm Qie Betrachtungen über mannigfaltige Le>
ueniuerhältnisse zugeschrieben weroen. Die
einzelnen Abschnitte waren ursprünglich selbst,
ständige Gedichte, die miteinander in keinen.
Zusammenhaun«: standen. Sic haben meist
eine satyrische Tendenz, indem sie die uerschie.
denen Erscheinungen im Gebiete des pol>>
tischen, religiösen, bürgerlichen und litemri»
schen Lebens in ihrer Haltlosigkeit darstellen.
Erfreulich ist der gesunde und vaterländische
sinn, der sich darin aussvricht. Mit feinem
Tact und richtiger Beobachtung ist unter
Anderem dcr deutsche Staatömann geschiloert,
der in der neuesten Zeit auf die Umgestaltung
der deutschen Verhältnisse einen so wesent»
lichen Einfluß ausgeübt hat,"
Nappersdorfer. Michael (k. k. Be-
zirks richter zu Leoben in Sleiermark,
geb. zu Wartberg in Oberösterreich
29. September 1790. gest. zu Leoben
13. October 18!>2). Erhielt in seinem
Elternhaus« eine sorgfältige Erziehung
und kam 1802, damals 12 Jahre alt,
als Sängerknabe in das Stift Spital
am Pyhrn, später in jenes nach Krems»
münster, wo er die Gymnasial- und
philosophischen Studien beendete. Dann
trat er als Praktikant bei dem Graher
Magistrale in den öffentlichen Dienst. Im Jahre 1820 kam er als Secietür
nach Leoben und 1824 als Magistrats-
rath nach Brück a. d. Mur. Im Jahre
1830 kehrte er auf seinen Wunsch in
gleicher Eigenschaft nach Leoben zurück
und ging von dort im Jahre 1833 als
Bürgermeister nach Vöcklabruck. Nach
fast zehnjähriger Wirksamkeit daselbst
wurde er 1842 Bürgermeister in Brück
a. d. Mur und bei der neuen Organist'
rung der Behörden k. k. Bezirkslichter in
Leoben, welche Stelle er bis an seinen
im Alter von 62 Jahren erfolgten Tod
bekleidete. Auf allen diesen Dienstes-
posten entwickelte N. große Energie und
machte sich durch sein umsichtiges Gc-
baren um die Förderung der seiner Lei«
tung anvertrauten Gemeinden vielfach
verdient. Alö Mngistratörath zu Brück
steuerte er dem daselbst eingerifsenen Un.
wesen und der herrschenden Gesetzlosigkeit
durch energisches Auftreten. Während
seines Wirkens in Üeoben ;u wichtigen
Arbeiten in Eisenerz verwendet, zeich-
neten ihn die dankbaren Eisenerzer durck
Verleihung deü Ohrenbürgerrecktes aus.
In Vöcklnbmck brachte er Qrdnung in
die zerrütteten Magistratsgeschäfte, stellte
zum Vorthcile für ganz Unterkärnthen
die Wochenmärkte wieder her, hob tm
Einkünfte der Stadt und leistete das
Ersprießlichste für die Hebung doS Schul»
wesenS, der Wohlthäligkeitsanstalten und
überhaupt des ganzen Gemeinwesens.
Insbesondere bewahrte er seine Umsicht
und Thatkraft, als die Stadt im August
1836 uon der Choleraseuche heimgesucht
wurde, wo er die energischesten Maß-
regeln ergriff, um dem Umsichgreifen des
Uebels, soweit es Menschenmacht vermag,
zu steuern, und den gesunkenen Muth der
hartbetroffenen Bewohner zu beleben.
Nicht ml'nder verdienstlich wirkte er in
seiner Stellung alö Bürgermeister in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon