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Nemeggs 200 Neineggs
bei Melk, 1846 in Oberweiden und
^834 in Traiskirchen, wo er im Alter
Kon 71 Jahren starb. Die Muße seines
BerufeS widmete er dem Studium der
Pflanzenkunde, er legte ein großes Her>
baiium an, welches später nach Lilien»
feld kam. Im Stifte Melk selbst grün-
dete er den botanischen Garten, in wel>
chem er eine Menge zum Theile sehr
seltener Pflanzen aufzog, von denen
einige jetzt noch jährlich blühen. Er
stand im lebhaften schriftlichen Verkehre
nüt den berühmtesten Botanikern seiner
Zeit und widerlegte als Pfarrer von
Oberweiden mit dem Pfarrer Alexander
Matz von Angern und Moriz Winkler
die vorgefaßte irrige Meinung, daß es
im Kreise unter dem Manhartsberge
keine seltenen Pflanzen gebe, indem er
mit seinen Collegen mehrere für ganz
Deutschland neue Arten dort entdeckte.
Host in seiner ?Iara auLtliaao, gedenkt
seiner in rühmlichster Weise und P. M.
Opiz berichtigt eine Angabe in de
Candollä'S ?raäi-amu,5 X I I I , ?. I,
p. 38, bei Lolanuin lisine^Feii 6^?.,
wo Böhmen als Fundort und Opiz als
Finder angegeben stehen, dahin, daß
Reinegger alliin der Entdecker dieser
nicht in Böhmen, sondern wahrschein-
lich in Niederösterreich aufgefundenen
Pflanze sei.
Verhandlungen des zoologisch-botanische»
Vereine u, s. w. (Wien, l>«.) V. Jahrg. S. UL.
in Nei l reich's „Geschichte der Botanik in
Niederösterreich",
Reiueggs. Jacob (Abenteurer,
geb. zu EiS leben 28. November 4744,
gest. in Rußland im März 1793). Nach
Kuni tsch wäre R. in Oesterreich gebo-
ren, doch.wenn dieß auch nicht der Füll
ist, so spielt sich doch ein großer Theil
seiner Schicksale im Kaiserstaate ab und
ist seine Erwähnung in diesem Werke vollkommen gerechtfertigt. Sein wahrer
Name war Eh lich, und sein Vater
C h r i s t i a n N u d o I p h lebte als
Bürger und Barbier in Eisleben. Erst
spater, als Jacob Schauspieler wurde,
nahm er den Namen Reineggü an.
R. befand sich im Jahre 1762 als
Barbiergeselle in Leipzig, daselbst begann
er daS Studium der Medicin und dann
jenes der Chemie, hatte sich selbst in die
Matrikel als Christ ian N u d o l p h
Oelich eingeschrieben, trieb aber so
tolle Streiche, daß er zuletzt abgeschafft
wurde. Nun ging er auf Wanderung,
auf welcher er ein sehr abenteuerliches
Leben führte und nach mannigfaltigen
Schicksalen in daS Böhmerland kam. I n
einer kleinen Stadt Böhmens befand sich
eine wandernde Truppe, welche Komö»
dien spielen sollte, als der Dircctor der
Gesellschaft erkrankte und dadurch die
Aufführungen in Frage gestellt wurden.
Zu dieser Zeit kam unser wandernder
Barbier und relegirte Student in dem
Städtchen an, hörte von der Verlegen-
heit, in welcher sich die Truppe durch
Erkrankung ihres Principals befand und
erbot sich der Principalin, an des Er»
krankten Stelle einzutreten, waS denn
auch mit Freuden angenommen wurde.
In der That wanderte nun R. mit dieser
,Schmiere" in Böhmen umher, ging
dann nach Mähren, wo er zu Iglau,
Znaim und Brunn spielte, und zuletzt
nach Wien, wo er im Jahre 1770 unter
dem Namen ReineggS auftrat. BiS
zum Jahre 1774 scheint er Schauspieler
geblieben zu sein, nun sagte ihm dieses
Leben nicht mehr zu, er gab es auf und
ging nach Tyrnau in Ungarn, wo er
Medicin studirte und später in Pesth die
Doctorwürde erlangte. Er kehrte nun
nach Wien zurück, um daselbst die ärzt-
liche Praxis auszuüben, da er aber
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon