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Neinhardt 209 Reinhardt
Hofscholar (Organist) und wurde am
6. Februar 1739 Hoforganist, als wel>
cher er im Jahre 1762 penfionirt wurde.
Köchel (Ludwig Ritter u. Dr.), Die taisei«
liche Hof-Musikkapelle in Wien von 1»43 biö
1867. Nach urkundlichen Forschungen (Wien
1869, Bect, 8«.) S. 113 u. i l4. — Gerber
(Ernst Ludw), Neues historisch'biographi'
sches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813,
A, Kühnel, gr. 8°.) Vd. I I I , Sp, 830.
Reinhard, Reinhardt, auch Reinhnrt,
Walter. An diesen Namen knüpft sich
die vielgenannte Reinhart'sche M i l»
lionen'Eibschaft aus Ostindien,
womit so uiele falsche Hoffnungen er>
weckt, so viele arme Leute um ihre Habe
gebracht wurden, Alles nur, um eine
sonst ziemlich klare Sache zu verwirren
und den rechtmäßigen Erbansprechern
die Möglichkeit auf ein anzuhoffendes
Erbe zu benehmen. Hinter der ganzen
systematisch eingefädelten Intrigue stecken
in erster Linie die ostindische Com-
pagnie und als Helfershelfer dieser
längst geschichtlich und culturgeschichtlich
gebrandmarkten Societät von gewissen»
losen Crösusen in zweiter Linie das eng«
lische Bankhaus Coutts u. Comp. in
London und die in dieser Angelegenheit
auch nicht ganz reine Großhaussirma
Habtmann in Hamburg. Diese Ange»
legenheit kann hier nicht in ihrer ganzen
Weitläufigkeit auseinander geseht, son»
dern nur das eben Wesentliche davon
vermerkt werden, insofern nämlich der
Ursprung der ganzen Geschichte auf einen
gebürtigen Oesterreicher, auf den zu
Montafon in Vorarlberg gebornen W a l-
ter Reinhard, zurückzuführen ist,
dessen abenteuerliches Leben selbst noch
actenmäßiger Forschung harret, wenn
diese überhaupt je möglich werden dürfte,
während es von der Poesie zu öfteren
Malen unter dem geheimnißvollen Titel:
u, Wurzbach, biogr,Leiiton. XXV. „Begnm Somroo". zuerst von Paul
(Faust) Pachter ^Bd. XXI, S. 164).
dann uon Halm und in Romanform schon
lange vorher in der „Neuen Europa "1846,
und später in der „Pest-Ofner Bürger»
Zeitung" 1860, Nr. 10—21, ist bearbei-
tet worden. Der eigentliche Sachverhalt,
insofern es fich nämlich um die Erb»
schaftsangelegenheit und das ganze Ge>
webe von Intriguen und Schwindel, Las
drum und dran hängt, handelt, ist in der
alten Presse, in den in den Quellen
S. 213 angegebenen Aufsätzen in sehr
klarer und übersichtlicher Weise dargestellt,
daher denn auch auf diese als die einzig
authentisch anzusehenden Aufsäße fürIene
hingewiesen wird, in deren Interesse es
ist,
sich darüber genau und zuverlässig zu
unterrichten. Auch ist die bei den englischen
Gerichten, deren schnelle Erledigung —
im entgegengesetzten Sinne — sprichwört.
lich geworden, zur Zeit anhängige Angele»
genheit noch nicht beendet, aber jedenfalls
schon so reif, daß der letzte AuSspruch.
gegen den natürlich dann weiter keine
Appellation mehr möglich ist, mit jedem
Tage zu gewärtigen steht. Der Gachver»
halt aber ist in Kürze folgender: Wal»
ter Reinhard, um daS Jahr 1723 zu
Montafon in Vorarlberg geboren, ist in
ziemlich jungen Jahren, wie es den
Anschein hat, um 1780 ausgewandert,
während seine damals noch lebenden
Eltern und Geschwister, man gibt deren
vier b!S fünf an, in ihrer Heimat zurück»
geblieben sind. In den damaligen be-
wegten Zeiten, wo mancher Abenteurer
aus eigenem Antriebe seine letzte Zuflucht
im Soldatenstande suchte, noch mehrere
aber wider ihren Willen dazu gepreßt
wurden, kam auch Reinhard unter di?
Soldaten, und zwar, so scheint eS —
eben diese Parthie im Leben des Aben»
teurerS ist die dunkelste und doch der zu
9, Der. 1872.) 14
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon