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Neinhardt 210 Neinhllldt
erweisenden ErbschaftSansprüche wegen
die wichtigste — in Straßburg in ein
französisches Regiment, in welchem er
nach Einigen wegen seiner braunen Ge»
fichtSfarbe, nach Anderen wegen seines
verschlossenen düsteren Charakters, nach
einer dritten Auslegung wegen seines
Spitznamens „Sommer", von seinen
Collegen Sombre (der Düstere) ge-
naiüit wurte. welcher Name in Indien,
wohin sein Regiment eingeschifft worden,
in Somru — nach englischer Schrei»
bung Somroo — entstellt wurde. Im
französischen Regimente soll er eS zum
Sergeanten gebracht haben. Später uer»
ließ er dasselbe und nahm Dienste in
der englischen Armee, aus welcher er
aber desertiite und nach einander bei
zwei oder drei indischen Fürsten, zuletzt
bei dem Nabob von Bengalen Dienste
nahm. Zwei Jahre spater brach der
Krieg zwischen diesem Fücsien und der
Regentschaft Calcutta aus, deren Joch
der Nabob abwerfen wollte, Einige Eng»
länder, die in deö Nabobs Gewalt ge»
fallen waren, ließ dieser hinrichten, und
Sombre (Reinh ard t), der zwei Ba-
taillone Seapoys cummandirte und den
man englischer Seits überhaupt als den
Anstifter deS ganzen Krieges ansah,
hatte den Arm zu diesen Hinrichtungen
geliehen. Die Lage deS Nabobs wurde
immer bedräugnißuoller, und als er im
Juni 1763 auö Vengalen vertrieben
worden, sah er sich genöthigt, mit seinen
Schätzen, seinem Vertrauten Somru
(Reinhardt) und den Ueberresten seiner
Armee, welche dieser eben befehligte, bei
einem benachbarten indischen Mogul
Zuflucht zu suchen. Der Nabob und der
Mogul vereinigten nun ihre Streitkcäfte
und rückten zu neuem Kampfe gegen
Bengalen, wurden aber von den Eng»
landein im Jahre 1764 zu wiederholten Malen geschlagen und zurückgetrieben.
Somru (Reinhardt) verließ nun
nach diesen Niederlagen — ob heimlich
oder offen ist nirgends gesagt — die
Dienste des Nabob und begab stch zu
den Dschatten, einem anderen, aber
mächtigen und kriegerischen Volksstamme,
der sich bei den damaligen Revolutionen
in Hindostan mehrerer großer Landstriche
bemächtigt halte. Um die unter sein
Commando gestellten Truppen erhalten
zu können, wurde ihm der zwölf Stun»
den lange und neun Stunden breite
Bezirk Serdana angewiesen, wo er eine
Frau aus vornehmer Familie, Namens
Rajpoot , heirathete. Diese Frau gebar
ihm einen Sohn AloiS Ludwig Bal>
thasar Re inhard t -Sombre (in»
disch Nawab Muzufaroot Douleh, per»
fisch Nawab Zaffer Guile Khan). Die
im übrigen merkwürdigen und romanti-
schen Schicksale des Vaters endeten im
Jahre 1787, in welchem er — wie es
scheint, auf Befehl seiner Gattin — in
seinem Palaste zu Seidana ermordet
wurde. Nach dem Tode Somru'g wur»
den dessen Frau und Sohn im Com>
mando der Truppen und der Benützung
deö FürstenthumS bestätigt. Die Frau
war durch ihren Mann veranlaßt wor-
den, daü Christenthum anzunehmen und
spielte die Rolle einer B egu m (Fürstin).
Ihre Macht bestand aus 8 Bataillonen,
die von Europäern befehligt wurden; in
einem Dorfe bei der Hauptstadt Serdana
befand sich ihr Arsenal und ihre Kano»
nengießerei. Durch Muth und Charakter»
stärke wußte fie Ordnung, Frieden und
Wohlstand in ihrem kleinen Staate zu
bewahren-, sie zog die Christen dahin,
begünstigte Ackerbau und Industrie und
machte ihr Land zu einem der reichsten
und fruchtbarsten in Hindostan. Als die
Engländer durch den Frieden mit den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon