Page - 246 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Volume 25
Image of the Page - 246 -
Text of the Page - 246 -
Reiser 246 Neiser
Bürgerhause selbst verdienen. I n den
Ferien 1811 ließ sich R. weniger aus
Beruf, als um dem Wunsche deS AbteS
zu genügen, in St. Paul einkleiden, aber
schon nach dreiviertel Jahren kam er zur
Erkenntniß, daß nur Noch und Dank»
barkeit ihn in diese Stellung gedrängt
hatten und trat aus dem Stifte, beladen
mit der vollen Ungnade des Fürstabtes,
entblößt von allen Mitteln. Aber der
Klagenfurter Bürger, in dessen Hause R-
Lehrer gewesen, nahm sich seiner an und
ermöglichte ihm die Fortsetzung der Stu»
dien, worauf R. auch uon anderer Seite
Unterstützung fand, die ihm zur Grün»
düng einer ehrenvollen Stellung behilf'
lich waren. Nach beendigten Studien trat
er in Privatdienste, wurde Gutsverwaltn,
Bezirkscommissär, Ortscommiffär, Orts»
lichter und im Jahre 1828 reichte ihm
der Fücstabt selbst die Hand zur Ver»
söhnung und übertrug ihm die Verwal»
tung der Herrschaft Victringhof, in Folge
dessen R. bleibend nach Marburg über»
siedelte. Daselbst, in einem zwar kleinen
Wirkungskreise, entfaltete N. eine segens»
volle Thätigkeit, die ihm bleibende Erin-
nerung sichert. Nach Aufhören der Pa>
trimonial'Gerichtsbarkeit wurde R. im
März 1880 durch einstimmige Wahl zum
Bürgermeister uon Marburg erwählt
und versah dieses Amt bis April 186t.
Zugleich wurde er zum k. k. Notar mit
dem Amtssitze in Marburg ernannt. Von
1830 bis 1861 wirkte er ferner theils
als Secretär, dann als Ausschuß und
Vorsieher der LandwirthschaftS-Filiale
Marburg. Als Bürgermeister setzte er
für die Stadt Marburg eine Gcundent»
lastungSentschädigung von 20.000 st.
durch, ungeachtet der vorige Magistrat
in den Jahren 1848 und 1849 das
Gründen tlastungsgeschnft für Marburg
als undurchführbar und gänzlich verloren gehalten und aufgegeben hatte. Seinen
Bemühungen verdankte die Stadt Mar»
bürg das Obergymnasium, für welches
die Gemeinde auS eigenen Mitteln die
erforderlichen Räumlichkeiten und das
chemische Laboratorium herstellte. Ferner
war unter seiner Verwaltung das Ge>
meindevermögen um ein Ansehnliches
vermehrt und in der Magdalena»Vor»
stadt ein Spital hergerichtet worden.
Auch erlangte er die Errichtung einer
Realschule, die Ausscheidung der Mäd.
chm> von der Knabenschule, und trotz
aller Anfeindungen gelang es ihm, daß
in Marburg die Cadetenschule errichtet
wurde, wodurch der Stadt nach verschie»
denen Richtungen hin nicht zu unter»
schätzende Vortheile zuflössen. Seiner
energischen Verwendung endlich ist die
Einmündung der Kärntnerbahn in die'
Südbahn bei Maiburg und die Durch»
führung der ersten Vorarbeiten für Er»
richtung einer Sparcasse in Marburg zu
verdanken^ Alles Errungenschaften, an
welche sich der rasche Aufschwung der
Stadt Marburg knüpft. Diese von so
glücklichen Erfolgen begleitete gemein-
nützige Thätigkeit Reiser'S fällt über»
dieß in eine Zeit, in welcher durch die
politischen Verhältnisse jede selbstständige
Regung der Gemeinden beinahe gänzlich
lahm gelegt und die Stadt Marburg
wegen ihrer politischen Haltung im Jahre
1848 bei der Negierung sehr schlecht
angeschrieben war, so daß, wenn es galt,
etwas für die Gemeinde durchzusetzen,
das politische Vorleben derselben von
ihren Gegnern stets als Waffe gegen
dieselbe benützt wurde. I n lanbwirth»
schaftlicher Beziehung hat sich N. na>
mentlich um die Hebung der Weincultur
verdient gemacht. Sein ganzes Leben,
wie sein Nekrolog schreibt, war nur eine
Verlebendigung deS alten Wahrwortes:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon