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Ncihenlieck 266 Neihenbeck
eines Magisters erhielt. I n Wien ver
lebte er in ihm befreundeten Familien
glückliche Tage; durch eine derselben
hatte er freien Eintritt in das Burg»
Theater, in die Oper und in alle Con>
cerle gastirender Künstler — eS war eine
höhere Schule für den Empfänglichen —
und so entzückte er sich an de» classischen
Darstellungen der kaiserlichen Institute,
und hörte Pagnn in i , Ole, B u l l .
Ernst, die beiden Mi lan ol lo und
viele andere Koryphäen der Kunst. Auch
besuchte er fleißig die Kunstgallerien und
wissenschaftlichen Cabinete der Stadt.
Nach beendeten Studien — Fischer,
I acqu in , P lei sch l waren seine Pro»
fefsoren -- wurde er, nachdem er zwei
Jahre in Botzen und Meran verweilt
hatle, Provisor der Apotheke Vielguth
in Linz. Hier wurde er mit dem Dichter
und Schulrathe Adalbert S t i f te r be-
kannt, der bis zu seineui Tode ein treuer
Freund und Nalhgeber ihm blieb. In
Sti f ter 's Hause lam er auch mit dem
Volksdichtec Franz Stelzha m m er. mit
dem Dichter Zedüh, dem Novellisten
Ernst Rit ter (Frau r>. Binzer) und mit
dem Mathematiker Moth in Beziehung.
Auf Einladung des Verlegers und
Buchdruckeiei.BesiherS Emanuel, Eurich
wurde er Mitarbeiter des belletristischen
Blattes „DaüBürgecblatt", später „Die
Warte an der Donau", und schrieb für
dasselbe Gedichte, Novellen und Theater»
kritiken. Für Gründung einer Sparcafse
und eines VereinS gegen Thierquälerei
in Linz war er schriftlich thälig', Ehren-
diplome und Medaillen erhielt er von dem
Grafe-n Bar th v. Barthenheim, dem
Präsidenten, und von dem Herzoge Adal»
bert in Bayern zur Belohnung für seine
Dienste. Seine „Kindergeschichlen gegen
Thielquälerei" wurden, nach einer Aus»
schreibung des Vereins, mit dem ersten Preise ausgezeichnet und später von dem
Vereine in Triest in's Italienische über>
setzt und in 10.000 Exemplaren uerbrei»
tet, Die Titel seiner Schriften folgen
auf S. 267. Fünf Jahre erfreute sich
R. des Umganges mit Adalbert st i f»
tcr, und auf Anregung und Zusprechen
desselben widmete er sich nun dem Lehr»
fach?. Die Realschulen wurden zu jener
Zeit gegründet. R. wurde sowohl vom
Schulrathe St i f ter in Linz, wie auch
vom Schnlrathe Ritter von Köchel in
Salzburg dem Unterrichts'Ministerium
empfohlen und von diesem für Salzburg
als Lehrer der deutschen Sprache und
Naturwissenschaften ernannt. Seit <83l,
dem Jahre, an welchem die Realschule
in Salzburg eröffnet wurde, wirkte er
an dieser Lehranstalt, sich beglückt füh»
lend, seine Kräfte der Schule widmen
uud sein Schärflein zum Wohle der Iu»
gend beitragen zu können. Er erkannte,
daß nebst einer verständigen häuslichen
Erziehung eine gute Volksschule d.'e
Jugend bildet und leitet, und so gab er
eine Zeitschrift für Schule und Hans
heraus: „Blätter für Erziehung und
Unterricht", in welcher dahin gestrebt
wurde, daß ein Geschlecht, reich au sitt>
lichen und geistigen Vorzügen, heran-
blühe, daß bei den Menschen jmes stille
Glück einkehre, welches allei» nur der
Adel der Gesinnung, die Gediegenheit
deS Wissens, der tüchtige Charakter zu
gewähren vermag, daß H rz und Ver»
stand veredelt und daß dd Jugend an-
gehalten werde, der Religvn, der Sitte,
der Wahrheit und des 9?echtes in aller
Treue zu pflegen. Die Z:itschnfl erwarb
sich den Beifall vieler Schulmäinec und
hatte Verbreitung in allen deutschen
Landen. Als aber dei Verlege von
Salzburg plötzlich nach München über»
siedelte, ging nach sieben Iahrg'mgen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon