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Neitzenberg 268 Neitzenberg
und diese Angaben mögen nicht ganz
aus der Luft gegriffen sein — war er ein
Sproß des weitverzweigten freihenlichen
Geschlechtes der Neitzenstein, und hatte
offenbar in seiner Jugend eine vortreff-
liche Erziehung genossen. Nun, es sind
ein Kar l Freiherr uon Reihen stein
und eine Sophie uon Reihenste! n,
geb. M. S. Weiknrd, bekannt, welche
beide mehrere dramatische Arbeiten ver-
öffentlicht haben; Ersterer das fünfactige
Trauerspiel: „Graf KönigSmark" (Wien
1792) und das Trauerspiel: „Die Neger-
sclaven" (Berlin 1793, 8°.); Letztere
mehrere Schau» und Lustspiele: „Der
Vergleich", Schauspiel (179l); —Der
gereiste Bräutigam", aus dem Franzö-
sischen (1791); — „Das nächtliche Ren-
dezoous",auSdemFran;.(179l)-— „Die
seltene Beständigkeit". Lustsp. (1791); —
„Die Kriegslist", Lustspiel (179l)'. —
„Reue mildert Verbrechen". Vielleicht
sind es die Eltern dcS Schauspielers
Neitzenberg, der als er ein Incognrto
anzunehmen sich genöthigt sah, seinen
Familiennamen dahin abänderte, daß er
an Stelle der Sylbe Ste in das Wort
Berg setzte. Nachdem er in einem kais.
Militär-Erziehungsinstitute seine AuSbil»
düng erlangt haben soll, wäre er, wie es
heißt, zuletzt Generalstabs-Ofsicier gewe>
sen, hätte aber einer unglücklichen Liebe
wegen, die ihn in unangenehme Veiwick»
lungen gebracht hatte, den Dienst quit-
tirt und sei darauf Schauspieler geworden.
Ueber die Anfänge seiner theatralischen
Laufbahn liegen keine zuverlässigen Nach»
richten vor. Im Jahre 18N war er
Mitglied deS Prager Theaters, der er»
klärte Liebling deS Publicums, aber
bereits schon dem Laster deS TrunkeS
ergeben. Nichtsdestoweniger war der
Ruf seiner Künstlerschaft schon so allge»
mein verbreitet und so mächtig, daß stch Theater-Directoren, ungeachtet sie Kennt»
niß von seinem anrüchigen Lebenswandel
besaßen, um ihn, der seiner schonen impo»
santen äußeren Erscheinung wegen der
erklärte Liebling der Frauen war, auf
das Ernstlichste bewarben. Einem von
ihm im Zustande vollster Betrunkenheit
begangenen Excesse auf der Prager Vühne
verdanktL ü w e seine künstlerische Zukunft.
Damit daS durch Reitzenberg'S Trun-
kenheit unterbrochene Stück ausgespielt
werden konnte, übernahm der jugendliche,
bisher nur in kleinen Rollen verwendete
Ludwig Löwe die Rolle des Kar l
Moor , welche Neitzenberg gespielt
hatte und löste seine Aufgabe so glück«
lich, daß man von nun an seinem Talente
die gebührende Achtung zollte. Neitzen»
berg aber verließ die Prager Bühne,
und nun kennzeichnen scine Künstlerlauf-
bahn die merkwürdigsten, sonderbarsten
Schrullen, Eigenthümlichkeiten, ja Toll»
heiten, die noch heute in seiner Collegen
Munde als unverwüstlicher Unterhat»
tungsstoss fortleben. I n K o tz e b u e's
„Kreuzfahrern" war der Nalduin von
Eichen horst seine Hauptrolle. AlS ihm
in der Kampfscene sein Mitspieler, der
nachmals berühmte Wiener Hofsckau»
spieler Wi lhe lm, , den Handschuh vor
die Füße wirft und im Eifer deg Spieles
ihn zu weit vorwärts geworfen hatte,
sprach Reihende lg mit unerschütter»
licher Ruhe: „Ich hebe diesen viel zu
weit vorgeworfenen Handschuh auf".
Das schallende Gelächter vernichtete uol»
lendS die Wirkung dieser Scene. Nun
wanderte er von Bühne zu Bühne,
überall Enthusiasmus erregend, überall
nach wenigen Vorstellungen mit mehr
oder weniger Sccmdal abziehend. Dessen
ungeachtet gelang eS ihm immer wieder,
einen Director oder Intendanten zu fin>
den, der auf daS Wagniß, es mit ihm zu
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon