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-Nessel 314 Nessel
schon entwarf Nessel eine Zeichnung der
Propeller>Schraube. Auf der Universität
betrieb R., bei seiner vorherrschenden Nei»
gung, dem praktischen Leben zu dienen,
mit großem Eifer Mechanik. Physik und
Chemie. Als im Jahre 1814 seine Eltern
verarmten und ihm nicht wie bisher eine
Unterstützung zukommen lassen konnten,
trachtete R., als unentgeltlicher Scküler
in die Forstanstalt zu Mariabninn zu
kommen; er wurde aber zu schwach be-
funden und sein Gesuch abgelehnt. Das
Ziel, zu dem er auf geradem Wege nicht
gelangen konnte, sollte er auf einem
Umwege erreichen. Der Kammerdiener
deö Kaisers Franz, NamenS Iel l inek,
war Nessel's Landsmann, und an den
wendete sich R. in seiner Noth. Der
Kammerdiener meinte, man könne dem
Kaiser mit Klagen über die Behörden
nicht kommen; aber er sollte ein Beweis»
stück seiner Fertigkeit liefern und das
wolle er dem Kaiser zeigen. Nessel
vollendete nun eine herrliche Zeichnung
der Schlacht uon Leipzig und von dieser
sprach der Kammerdiener dem Kaiser bei
paffender Gelegenheit mit dem Beisahe,
der Zeichner sei ein junger Landsmann
von ihm und brenne vor Sehnsucht, sein
Werk Sr. Majestät zu Füßen zu legen.
Der Kaiser gestattete eS und die schöne
Arbeit fand den Beifall deö Monarchen,
der sich nun nach den Lebcnsverhältnifsen
des jungen Zeichners erkundigte. DaS
Ergebniß der Audienz war: daß R. durch
ein ihm aus der Privat»Schatulle des
Kaisers verliehenes Stipendium in den
Stand geseht wurde, in die Mariabrun»
ner Forstakadcmie einzutreten. Daselbst
machte er so glänzende Fortschritte, daß
er den Lehrern als Assistent auszuhelfen
gewählt wurde. Im Februar 18l7
wurde er Districtsförster zu Platterjach
in Krain mit etwa 700 st. Gehalt, und nun gclang es dem Genie nicht, inner»
halb einer 40jährigen Dienstzeit zu einem
höheren Gehalte als 800 st. zu bringen!
AsS Kaiser Franzl.Platterjach während
der Zeit, als Nessel daselbst diente,
besuchte, überreichte ihm Nessel in
Dankbarkeit für seine erste so glückliche
Anstellung eine zweite Zeichnung, die
Schlacht uon Aspern darstellend, welche
von einer kalligraphischen WidmungS»
schrift begleitet war. Von der Schönheit
der Schrift war der Kaiser so überrascht,
daß er, in der Meinung, die Schrift sei
nickt von Nessel geschrieben, zu Nessel
sagte: „Schreiben Sie in meiner Gegen»
wart Ihre Gage-Quittung mit solcher
Kalligraphie wie diese Inschrift". Res»
sel vollführte den Befehl des Kaisers.
I n PInlterjach diente R. mehrere Jahre
und befreundete sich bort mit einem
Straßenbau »Assistenten, Skola , mit
dem vereint er seine Mußestunden dem
Cultus der Wissenschaft weihte. Auch
Skola war — nebenbei gesagt —durch
nahezu vierzig Jahre auf derselben Dien»
steSstelle mit demselben Gehalte verblie»
ben! Von Platterjach kam Nessel im
Jahre 1820 nach Neustadt! in Unterkrain
in der gleichen Eigenschaft eines k. k.
DistrictsförsterS. Dort verblieb er aber
nur ein Jahr, denn schon im Jahre 1821
wurde er zum k. k. Waldmeister in Trieft
befördert. Diese Versetzung nach Trieft
ist in sofern uon Bedeutung, weil sie
Nessel in unmittelbare Berührung mit
dem Meere brachte, wodurch ihm Gele»
genheit geboten ward, an die Verwirk»
lichung seiner seit Jahren ausgearbeite-
ten Projecte zur Anwendung der archi»
modischen Schraube auf die Schifffahrt
zu gehen. Die Art und Weise, wie R.
an die Lösung dieser Aufgabe ging, greift
über die Schranken hinans, welche die-
sem Lexikon gesetzt sind. Reit l inger'S
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon