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Nettich 338 Nettich
Sohn des Franz Rettich ist Kar l
N., der von seinem Vater die Liebe für
das Theater geerbt, und nachdem er die
Gymnasialstudien beendet, erst 17 Jahre
alt, nach einem vor Mor iz Grafen
Dietr ich stein, dem damaligen Inten-
danten, und dem Dramaturgen Schrey»
uogel mit bestem Erfolge abgelegten
Probespiele Mitglied der Wiener Hof'
bühne wurde. Alg engagirteS Mitglied
betrat er am 18. September 1821 in
der Nolle desFridol in inHolbei n'ü
gleichnamigem Schauspiele das Burg-
theateri seine zweite Nolle war der
Aegysth in „Merope". Auf Schrey-
Vogel'ä Rath nahm nun R. ein ihm
von Stöger in Gratz angebotenes En-
gagement an, das er im October antrat.
Er blieb in demselben, der Gunst des
Publicums sich erfreuend, bis zum Jahre
1828, in welchem er an Löwe's Stelle
an das Hoftyeatec in Caffel kam, und
demselben bis zum Jahre 1832 ange»
hörte, in welchem er einem Nufe an das
Wiener Hofburg'Theater folgte. An dem»
selben lernte er die nachmals als Frau
Rettich so berühmt gewordene Ju l ie
Gley kennen, mit der er sich im Jahre
1838 vermalte. Als bald darauf Dia-
maturg Schreyvogel als Opfer der
üblichen Theater > Kabalen penfionirt
wurde, nahm daS junge Ehepaar, dem
Schrey vogel ein treuer Freund und
Gönner gewesen, Engagement an der
Hofbühne in Dresden, von welcher es
jedoch wieder nach einem glänzend been»
deten Gastspiele im Jahre 1838 an die
Wiener Hofbühne zurückkehrte. An der>
selben blieb R. bis zu seinen im Jahre
1372 erfolgten Austritte mit seiner Gat-
tin jFehe deren Biographie S. 324 u. f.^,
welche einige Jahre früher der Tod dahin»
gerafft. Am 18. September 1871 feierte
der Künstler sein 80jähriges Schauspieler. Jubiläum, aus welchem Anlasse ihm von
der Intendanz, von seinen Hoftheater-
Collegen und von anderen Künstlern
prosaische und poetische Glückwünsche
und verschiedene Ehrengaben dargebracht
wurden. Auf der Bühne spielte der
Künstler an diesem Abende den Kaspar
Bern auer in Hebb el'S Trauerspiel:
„Agnes Bernauer" und wurde bei seinem
Erscheinen vom Publicum mit lange
anhaltendem Applause empfangen. Etwa
dreiviertel Jahre später, am 30. Juni
1872, betrat er in derselben Rolle des
vorerwähnten Hebbel'schen Stückes
zum letzten Male dieBühne, der er durch
fast vierzig Jahre ununterbrochen ange-
Hort hatte. Schon aus Anlaß feines fünf»
zigjahrigen Künstler-Iubiläums wurde
er mit dem Franz Iüseph>Orden aus-
gezeichnet, nun bei dem Austritte wurde
ihm in Würdigung seiner Verdienste als
Mensch und Künstler eine höhere als die
normalmäßige Pension zugewiesen. AuS
seiner Ehe mit Ju l ie Gley hatte er
eine Tochter, die an den Impresario
Mere l l i vermalt ist. Während die
Tochter ihrem Kunstberufe als Sängerin
nachgeht, widmet sich nun der Großvater
der Erziehung seiner zwei Enkeln. Noch
sei der innigen Freundschaft gedacht, die
ihn und seine Gattin mit dem Dichter
Halm seit drei Iahrzehenden verband,
und welche der Tod, zuerst die Gattin,
dann den Freund dahinraffend, in schmerz»
lichster Weise gelöst.
Weil (Philipp), Wiener Jahrbuch für Zeit'
geschichte, Kunst und Industrie, oder Oester»
reichische Walhalla (Wien i«5l, A»c, Schwel»
«er, ar. i2°) Erste Abtheilung, S, 9l. —
Neue freie Presse (Wien« volit, Vlatt)
48?1, Nr. 2830, in den „Theater, „nd Kunst»
Nachrichten"; — dieselbe, Nr. 2339, ebenda:
„Rettich.Iubiläum". — Deutsch e Zei tung
(Wien, F°l.) 1872, Nr. 177, „Sieben und
dreißig Jahre im Vurgtheater". — Frem»
den.Vl l l t t . Von Gust. Heine (Wien, 4°.)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon