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Neher 348 Neher
1791 st 1792); — ,Nachlese ;n Zined'z
Vrlinn, antgiMmmrlt uni» hnnnsgigelien"
(Wien 1788)1 -^ „Gesammelte Schriften dn
Fran Herzogin Znlie uun Ginn ane, geb.
Veichslrriiii u»n Mudersliach u.s.m." (ebd.
1793) — und besorgte er die 3. Auf.
läge der sämmtlichen Werke von C. von
Ayrenhof f in 6 Theilen (ebd. 1814).
In seinem Nachlasse befand sich eine
Abhandlung von den sieben römischen
Königen und eine Uebersetzung der in
französischer Sprache verfaßten Schrift
des' St. Pöltener Bischofs, Heinrich
Johann Kerens sM. XI, S. 175),
betitelt: „OiLllours inLtoriguu snr «e
qni L'est xasss snNuro^s ä^iiiZ 1480
Hu5<iu,'Ä 1800« (Vißllno 1762, 8°.).
Retzer's schriftstellerische Thätigkeit ist
nichts weniger als epochemachend, ja
man kann sie nicht einmal bedeutend
nennen, als Dichter war er sogar unbe»
deutend; aber er wirkte im Ganzen an»
regend, suchle in seiner Eigenschaft als
Censor den Eifer für Lectüce und Auf»
klärung zu wecken und zu fördern, eine
Eigenschaft, die seinen Nachfolgern in
diesem gedankenmörderischen Amle voll>
ends abhanden gekommen war; er schrieb
in Prosa einen fĂĽr seine Zeit guten Styl,
besaĂź selbst eine ungemein groĂźe Belesen-
heit, machte sich um die Ausbreitung der
englischen Literatur in Oesterreich durch
die Herausgabe einer mit gutem Ge-
schmacke zusammengestellten Anthologie
verdient, trat mit Schriftstellern deg AuS-
landS in Vielsachen Verkehr und schĂĽrzte
somit das durch manche Verhältnisse
gelockerte Band mit Deutschland uon
Neuem etwaS enger. Selbst auf den
Kanzleistyl, der ĂĽberdicĂź damals wie
heute noch nichts weniger als musterhaft
ist, nahm er durch seine gute Schreibart
einen heilsamen EinfluĂź. Dabei war er
im Umgänge äußerst wohlwollend, dienst» fertig und liebenswürdig, und seinem
Wesen nach ein Biedermann durch und
durch. I n seiner Häuslichkeit war er im
hohen Grade einfach und seinen eigent>
lichen Schmuck bildete eine mehrere Tau»
send Bände starke Bibliothek, welche die
besten Werke der deutschen und fremd,
ländischen Literatur enthielt, und eine
Anzahl — etwa 40 Stück — von Bild.
nifsen berühmter Männer und trefflicher
Ansichten. Sein Vermögen, an 40.000 si.
C. M. — er war Hagestolz geblieben
— hinterließ er durck ein auf einem
Quartblatte mit fast unleserlicher Schrift
geschriebenes Testament, das nur wenige
Zeilen faßte, der Tochter seines Schwa»
gers Regu lus . Commandanten der
ungarischen Leibgarde. Noch sei bemerkt,
daĂź seinen BemĂĽhungen vornehmlich die
Erhaltung eines der ältesten, wo nicht
des ältesten Baudenkmals der Stadt
Wien. der St. NuprechtSkirche, zu ver>
danken ist. wo er und seine Schwester,
die verwitwete Gemalin deS Feldzeug«
meisterS Franz Freiherr« von Lauer,
ihren Eltern einen Denkstein hatten setzen
lassen, dessen Inschrift die „Vaterländi.
schen Blätter für den österreichischen Kai»
serstaat" (Wien) 1814, mittheilen. Die
Eigenheiten aller Hagestolzen, die mit
den Jahren noch zunehmen, theilend,
hing er gar gern an seinen alten Ge»
wohnheiten und blieb, während sich die
Welt äußerlich um ihn veränderte, immer
derselbe. So konnte er
sich
von seinem Zopfe
nicht trennen, nachdem längst Niemand
mehr diese komische Kopfzierde, die einer
ganzen Zeit den Namen gab, trug. Auch
sehr spät konnte er sich entschließen, seinen
dreieckigen Hut, den er bis in'S hohe,
Alter trug, mit einem runden, wie sie
allgemein getragen wurden, zu vertäu»
schen. Im Uebrigen war seine Gestalt
imposant und einnehmend, und blieb sein
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon