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schloffenheit, und insbesondere bei Aspern
that er sich in ausgezeichneter Weise her-
vor. Als nämlich das Regiment Neuß>
Planen zum Angriffe Asperns in der
rechten Flanke dieses Ortes commandirt
wurde, stellte sich der Fürst an die Spitze
eines Bataillons und rief den Soldaten
zu: „Kinder, fo lgt mir, auch ich
bin ein Neuß!" Als er darauf beim
ersten Angriffe das Pferd unterm Leibe
verlor, fühlte er die braue Truppe zu
Fuß, und nach einem stundenlangen cc>
bitterten Kampfe bemächtigte sich dieselbe
in Gemeinschaft mit den Regimentern
Vogelfang und Rainer des Ortes und
hielt denselben gegen alle weiteren An»
griffe des Feindes. Für sein auügezeich-
netes Verhalten wurde er dmch Armee-
befehl uom 24. October 180!) mit dem
Ritterkreuze deS Maria Theresien Ordens
decorirt. Nicht minder ausgezeichnet focht
er bei Waglam. Als dann der Waffen»
stillstand zu Znaim geschlossen wurde,
hatte er an den» Zustandekommen des-
selben nicht unwesentlichen Antheil. Die
politischen Verhältnisse deS IahreS 1812
waren nicbt darnach gecutet, um des
Fürsten Verbleiben !n der kaiseilichen
Armee zu ermöglichen. Die Koalition
Oesterreichs mit Frankreich, gegen wel-
cheü zu kämpfen er als deutscher Fürst
als seine Aufgabe ansah, hieß ihn die
kaiserliche Armee verlassen. AIS Oberst-
lieutenant trat er aus derselben und
wandte stch mit dem General Grafen
Na l lmoden zuerst nach Schweden,
dann nach England, wo er ala Oberst»
lieutenant daö Kommando eines Iäger>
Bataillons in der brit!sch»deutschen Legion
erhielt. Mit dieser Truppe focht er unter
Wel l ing ton in Spanien und folgte
dem SiegeozugedeS Herzogs nach Frank»
reicb. Nach Abschluß des Pcuiser Frie»
dens verließ der Iürst die englischen Dienste und begab sich zum Congreffe
nach Wien; er war in der Zwischenzeit
seinem am 22. September 1814 verstor.
storbenen Vater Heinrich XI^III . im
Paragiat Köstritz succedirt. Während
deS Congresses machte er sich, wie seine
Biographen berichten, „durch Geist und
seine echt deutsche Gesinnung, die er selbst
in den Zeiten der Napoleo n'schen Ge>
waltherrschaft nie verleugnet hatte, be»
merkbar". Als darauf nacb Na p ole o n'S
Landung in Frankreich die Mächte neuer«
dingS zu den Waffen griffen, trat dcr
Fürst wieder in die kaiserliche Armee,
und zwar als Oberstlieutenant im 11. In-
fanterie» Regimenle Erzherzog Rainer.
Er machte in dieser Periode nur die
Belagerung von Hüningen mit und begab
sich sodann mit seinem Negimente in daS
Leger von Dijon. Später wurde der
Fürst Oberst im 6. Huszaren-Regimente,
welches er durch N Jahre commandirte,
worauf er zum General.Major und
1806 zum Feldmarschall-Iieutencmt vor»
rückte. Als Lchterer wnrde er comman»
dirender General, zuerst in Slavonien
und Syrmien, später in Mähren und
Schlesien. Am 1. December 1848 trat
er als General der Cauallerie in den
Ruhestand über und lebte seither zurück-
gezogen auf seiner Herrschaft Trnstbrunn
im Marchfelde, wo er im Alter von
69 Jahren starb. Seit dem Jahre 1836
war der Fürst Inhaber des 7". HuSzaren»
Regiments.
Oeste rre > chischerMilitär> Kalendei, hrr»
ausg. von H i rtenfc l o (Wien, 8°) X. Jahr.
gang (183»). S, 1U!>. — M i l i t ä r ' Z e i '
tung (Wien, 4»,) !83L, Nr, 80, S. Lt3:
Nekrolog. — Hir tenfeld ( I , ) . Der Mili>
tär>Maria Thensn-N'Orden und seine Mitnü'c«
der (Wien !857, Staatödruckcrei, kl, 4»)
S. «0l, l?4?.
Reuß'PlllUen, Heinrich Fürst (k. k.
Feldmarschall. Ritter deS Maria
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon