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Niese-Stallburg 146 Niese-Stallburg
eines Vorstandes der deutschen evangeli-
schen Gemeinde in Prag, später beklei
dete er die Stelle eines Curators der>
selben bis an seinen Tod. Was seine
Stellung in der Gesellschaft betrifft, so
zahlte er zu den geachtetsten Cavalieren
Böhmens, der mitten im slavischen Lande
seine deutsche Gesinnung ohne Hehl be«
kannte und für sie mit dem ganzen
Gewichte eines deutschen Edelmannes
einstand. Der Freiherr glänzte ebenso
durch den Geist und Gewandtheit seiner
Rede, sowie durch die ungewöhnliche
Stärke seines Gedächtnisses, das ihn in
den Stand setzte, statistische Zahlen und
sonstige Daten mit ftaunenswerthec Nasch«
heit zu citiren, welche Gabe ihn bis an
sein Lebensende nicht verließ. Von selte-
ner Ordnungsliebe, schloß er am Vor»
abende seines Todestages seine Rechnun-
gen mit minutiöser Genauigkeit ab. Bei
vollem Bewußtsein verschied er im Alter
von 77 Jahren nach kurzer Krankheit
in Gegenwart seiner zweiten Gemalin
und aller durch den Telegraphen herbei,
gerufenen Kinder sanft und ruhig. I n
Anerkennung seiner Verdienste um die
Landwirthschaft wurde ihm schon im
Jahre 4846 der österreichische Freiherrn-
stand verliehen und unter Einem die
Verbindung seines Namens mit Mein
seiner Mutter, einer gebornen von Sta l l ,
bürg, der letzten ihres Stammes, ge-
stattet. Der Freiherr Math ias Fried-
rick war zweimal vermalt; aus seiner
ersten Ehe (seit 4. Jänner 1813) mit
einer gebornen Freiin von Hochberg
hinterließ er drei Söhne, Werner Fried,
rich, Anton und Äd olph, und zwei
Töchter,' Mar ie und Leopoldine;
alle Kinder sind verheirathet ^siehe die
Stammtafel); die zweite Ehe (seit 1. Sep-
tember 1838) mit der Baronin Leon«
hardy, der Schwester des k. k. Univer» sitäts-Profeffors Freiherrn 3 eonhardy
in Prag, blieb kinderlos.
Freiher rnstands-Diplom ääo. 3U. März
1846 für Mathias Friedrich Ritter von
Niese-Stal lburg. — Komers (A. L.).
Jahrbuch für österreichische Landwirthe (Prag.
I . G. Calue, 5".) VI . Jahrg. (1866). S. 339.
— Prager Morgen-Post (polit. Blatt)
1864, Nr. 94, im Feuilleton. — Vohemia
(Präger polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1864,
Nr. 96, S. 1122, in der „Local- und Provin»
zial«Chromk".— Mährischer C orrespon«
dent (Brünner polit. Blatt) 1864, Nr. 97.
— Auch enthalten August Hamilton's
Sämmtliche Schriften eine Biographie Niese»
Stal lburg's.
Zur Genealogie der Freiherren Niese-Stalldurg
und heutiger Familienstand derselben. Die
Riese sind eine alte hessische Adelsfamilie,
welche mit anderen Adelsfamilien gemein«
schaftlich die Saline zu Nllendorf besaß.
Später wendeten sich mehrere Glieder der
Familie nach Schmalkalden und nach dem
dreißigjährigen Kriege nach Gießen, und
Johann Christian von Riese zog nach
Frankfurt a. M., wo seine Nachkommen durch
Vermälung sich mit dem adeligen Hause
Frauenstein verbanden. Die uon Jo-
hann Christian beginnende Stummreihe
ist mit dem Familienstände in der Gegen-
wart aus der bcigegebenen Stammtafel er'
fichtlich. Mathias Friedrich uon N-, dessen
Biographie oben erzählt ist, machte sich in
Böhmen seßhaft und erlangte im Jahre 1817
mit 16. Mai den böhmischen Ritlerstand,
mit Diplom vom li<>. März 1556 ^<nd nicht
vom 11. Oclober, wie es bei Kneschke
heißH den österreichischen Freihcrrnstand und
verband den Namen seiner in Frankfurt
geborenen Mutter Marie Friederike vo>,
S ta l l bürg, au6 cinem seit dem 15. Jahr'
Hunderte blühenden Frankfurter Geschlechte,
das mit den bedeutendsten Patriziorfamilien
dieser Reichsstadt, mit den Dieter'S, Ruh.
land, HolZhausen, Günderodc'ö u. A.
verschwägert war und aus der Einzelne dio
Schöffen-, Senators- und Stadtschultheißen-
Würden bekleideten, mit dem seinigen. Von
seinen Söhnen Werner Friedrich, A nton
und Adolph pflanzten der Erste und der
Letztere das Geschlecht fort. Werner Fried-
rich trat als Landwirth in die Fußtapfen
seines Vaters und nimmt als solcher in
Oesterreich unter den Großgrundbesitzern einc
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon