Page - 168 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rhedey-Rosenauer, Volume 26
Image of the Page - 168 -
Text of the Page - 168 -
Rmt 168 Mnt
Nun wurde auch Kaiser Ferdinand
auf den Künstler aufmerksam und beauf.
tragte ihn mit der Ausführung eines in
Hol; geschnitzten Schreibzeuges, welches
R. so sinnig und phantasievoll anfertigte,
daß ihm der Kaiser das Doppelte des
dafür geforderten Betrages auszahlen
ließ. DarauferhieltR. eine Einladung des
Grafen Bucquo i, der ihn nun mit ver<
schiedenen Arbeiten für sein Schloß Rosen«
berg, als: Thürverzierungen, Möbeln,
Figure/i für die Capelle u. dgl. m. beauf-
tragte. Auch diese größere Arbeit führte
R. zur vollen Zufriedenheit des Grafen
aus, und sie würde gewiß von weiteren
ähnlichen Bestellungen begleitet gewesen
sein. wenn nicht die Ereignisse des Jahres
1848 eingetreten wären, die allen Arbei-
ten dieser Art einen Todesstoß versetzten.
Beschäftigungslos verlebte R. in Kum«
mer und Sorge die Tage und arbeitete
für sich ohne Bestellung in jenen Tagen
eine Kanne mit den allegorischen Dar-
stellungen der vier Jahreszeiten auf der
Außenwand. Manchmal war N. in seiner
Noth daran, sein Werk zu zertrümmern,
eben dieses Werk. mit welchem ein blei«
bender günstiger Wechsel seines Geschickes
eintrat, denn als ein Kunstfreund die
Kanne sah, überredete er Rint, sie auf
die Zinzer Kunstausstellung schicken zu
dürfen. Dort erregte die herrliche Kanne
allgemeine Bewunderung, und als di»
selbe die Frau Erzherzogin Sophie
sah, bracbte sie das Kunstwerk käuflich
an sich. Dieser Erfolg ermuthigte den
bereits verzagenden Künstler und brachte
ihn zu dem Entschlüsse, in die für Bo
stellungen weit günstigere Stadt Linz zu
übersiedeln. Im Mai 1843 nahm er
nun bleibenden Aufenthalt in Linz- und
schnitzte im Anbeginn, da eS an anderen
Bestellungen fehlte, Bildnisse aus Holz.
die ihm trefflich gelangen und günstige Aufnahme fanden. Daneben arbeitete er
wieder einen Pokal, den spater die Linzer
Bürgerschaft ankaufte, um ihn dem da«
maligen deutschen Reichsverweser, Erz>
herzog Johann, zum Geschenke zu ver-
ehren. Nun mehrten sich die Aufträge
von allen Seiten. I n dieser dritten und
letzten Periode seines künstlerischen Schaf»
fens arbeitete N. nur mehr echtkünstle,
rische und größere Werke. Im Jahre
1849 vollendete er ein Holzrelief, dar»
stellend: „Aadetzkq'6 GinM in Mailand",
dasselbe winde um 1900 st. für die
kaiserliche Schatzkammer in Wien ange-
kauft. Im folgenden Jahre vollendete er
noch vier ähnliche Reliefs mit nachstehen-
den Darstellungen: „Der WaffenstillZtand
lion Ullllllra" ; — „Nie Vereinigung der
NlUtZchlundZ"; — „Nrr NeLuch des U
Franz Illsesili im Inualideichanse m Wien"
und „Nie Aeberglibe Venedig". DaS dritte
kam in das Wiener Invalidenhaus, die
anderen in das kaiserliche Antiken-Cabinet.
I n Folge dieser Arbeiten erlangte auch
R. ein kaiserliches Stipendium von
600 fi. für drei Jahre, durch welches er
in den Stand gesetzt wurde, seine künst«
lerische Ausbildung in Muneben zu vol»
lenden. Von München begab cr sich
wieder nach Linz zurück, wo er sich
fortan mit Ausführung von Kirchen»
schnitzereien und Statuen beschäftigte,
die den schönsten Werken der Holzschnitz»
kunst beigezählt zu werden verdienen.
Von diesen sind insbesondere anzuführen:
„AliriZtnll bei Maria unk Mascha in 'Hrthu-
nien", aus Cedernhol;, im Auftrage Ihrer
kais. Hoheit der Erzherzogin Sophie,
zum Geschenke für den Vicekönig von
Egypten bestimmt, in wahrhaft meistor'
hafter Ausführung der biblischen Charak
tere, mit einer Reinheit und Schönheit
des Details sondergleichen; — dann unter
mehreren anderen, um diese Zeit aus-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon