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slavischen Künstler (Agram 1859. Ljud. Gaj,
gr. 80.) S. 370.
Rizzi, Vincenz (Dichter und
Schrif tstel ler, geb. zu Sp i ta l in
Kärnthen 22. Jänner 1816, gest. zu
Klagenfur t 23. Februar 1836). Sein
Vater, so viel ich mich erinnere — denn
Herausgeber dieses Lexikons war R.'s
Jugendfreund — war Privatbeamter
und Vincenz, früh verwaist, kam mit
seiner äußerst anmuthigen Schwester zu
Verwandten nach Laibach, dem damali«
genBürgermeisterHradeczky sBd.IX^
S. 333^j. Daselbst besuchte er die Gym-
nasial« und Lycealclafsen und trat dann
als Accesfist bei der dortigen Staats»
buchhaltung ein. In den Jahren 1834
bis 1837 verkehrte Herausgeber dieses
Lexikons viel mit dem um ein paar
Jahre alteren Freunde, der durch den
damals die jugendlichen Gemüther un>
gemein anregenden Professor Petruzzi
in die besten Werke der neuesten Literatur
eingeführt und bei dem eigenen feinen
und strebsamen Geiste für uns Jüngere
zum Orakel wurde. Wir theilten uns in
einem kleinen Kreise von Gleichgesinnten
und Gleichstrebenden ebenso unsere eige»
nen Versuche wechselseitig mit, als wir
uns an den poetischen Werken der damals
so beliebten Meyer'schen „Miniatur-
Bibliothek deutscher Klassiker", welche in
äußerst handsamem Mignonformate die
Dichtungen U h l a n d's , Schwab's,
Chamisso's, Ludwig's von Bayern
u. A. mit ihren Bildnissen brachte und
deren Eigenthümer Rizzi war, begeister«
ten. Als nun gar unseres Landsmannes
Anastas ius G r ü n „Blätter der
Liebe", „Spaziergänge" und „Schutt",
welche Bücher, ungeachtet letztere ver-
boten waren, endlich auch Schwab's
„Musenalmanach" in unsere Hände ka«
men, da gab eS ein Leben sondergleichen in unserer Poetencolonie, und die Iour»
nale, die uns damals zu Gebote standen,
„Das illyrische Blatt" und die „Carin.
thia", welche uns freundlich entgegen-
kamen, wurden durch unsere lyrischen
Ergüsse unsicher gemacht. Bis zum Jahre
l837 währte dieses Zusammenleben,
dann begab sich Herausgeber dieses Lexi-
kons an seine neue Bestimmung, als
Soldat zum Regimente Nugent nach
Krakau. Rizzi , der noch ein paar
Jahre das Joch des subalternen, einen
strebsamen Geist geradezu niederdrücken«
den Dienstes in einem Rechmingsamte
trug, machte sich endlich frei, gab den
Dienst auf, begab sich nach Wien, um sich
dort ganz der Schriftstellerei zu widmen.
Da traf ihn wieder im Jahre 1840 Her-
ausgeber dieses Lexikons, der sich damals
in Wien auf Urlaub befand. Rizzi war
bei der Redaction des „Adlers", den
der berüchtigte Gro ß -Ho f f i nge r
Md. V, S. 368^> herausgab, bedienstet.
I n einem mehrwöchentlichen täglichen
Verkehre mit dem Freunde erhielt ich nicht
nur einen Einblick in die drückenden Ver»
hältnifse, in denen er sich befand, sondern
auch in die polizeilichen Nergeleien und
Chikancn, denen er als helldenkender,
freisinniger Kopf ausgefetzt war, und die
hm sein Dasein verbitterten. Damals
arbeitete N. für den „Adler" und für
den Saphir'schen „Humoristen" und —
hungerte. Es war die letzte Begegnung
mit dem Jugendfreunde, die weiteren
Mittheilungen entnehme ich den über
ihn erschienenen Nekrologen. Nachdem
:r noch einige Zeit in Wien in Noth und
.lnter Entbehrungen höchster Art zugc«
bracht, und in seiner Stellung als Tag»
löhner bei einer vormärzlichen Zeitung
n Oesterreich mannigfache Enttauschun»
gen eines Lebens voll Kampf und Ernie«
drigung erfahren, ^entschloß er sich mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon