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Nößler 233 Näßler
conventionelle Forlnenwesen dcr späteren
Schüler Haydn's. Sein Periodenbau ist
vielmehr oft so kurz zusammengepackt, daß er
an Haydn's früheste Periode erinnert, wo
man noch zufrieden war, wenn ein melo-
discher Sah in vier bis sechs Tacten sich ab«
schloß. Er ist der deutsche Boccherini. Er
starb früh. noch bevor die politischen, socia-
len und künstlerische Folgen dcr französischen
Revolution über Deutschland hereinbrachen.
I n dieser Zeit deö KampfeS mußte der vor»
dem so gefeierte harmlose, sinnige Sänger
vergessen werden. Ich spreche nicht von drn
Versuchen N o setti's im Oratonenstyle, noch
von seiner Concertmusik für Solo«Instru»
mente, die der Mode und dem Zeitgeschmacke
verfallen ist, noch von seinen Quartetten, die,
fast auf die.vorhaydn'sche Schreibart zurück-
gehend, zu arm und dürftig sind für unsere
mit Recht gesteigerten Anforderungen; aber
seine größeren Symphonien halte ich für
Meisterstücke in ihrer Art und bin überzeugt,
daß diese keuschen, im vollsten Sinne lie»
benswüroigen Tondichtungen weit mehr
als die Werke irgend eines andern Schülers
Haydn's geeignet waren, auch die Gegen»
wart noch freundlich und herzlich anzu»
sprechen. C'6 haben diese Symphonien durch«
aus nichts mit, der handwerksmäßigen Scha<
blonenarbeit gemein, die uns bei Pleyel
und Gyrowetz so häufig abstößt. Sie sind
vielmehr selbststandige Versuche, das lyrische
Element durchweg in aller Fülle der Anmuth
dem ersten Symphoniensatze zu gewinnen,
originell instrumentirt, sangbar in der Stimm»
führung und durch allerlei geistvolle harmo»
Nische Feinheiten überraschend. . . . Namens
lich achtete ich es als einen großen Gewinn
für unsere musikalische Erziehung, wenn man
die besseren und reicheren Arbeiten N.'s zur
Ausbildung unserer Jugend wieder nutzbar
machte. Denn seine Tondichtung ist oft eine
wahre Kindrrpoesie. I n ihrer Reinheit und
anmuthigen Einfalt muß sie
ein unverfälschtes
jugendliches Gemüth uor allen fesseln. Nosetti
copirte Haydn mitunter absichtlich, wie das
fast alle seine Richtungsgenossen gethan, und
jedenfalls stand cr diesem Vorbilde, an Zart»
heit der Empfindung und Feinheit des Aus-
drucks näher, als andere bekanntere Schüler,
die des Meisters Art so recht handwerksmäßig
im Griffe hatten. Das gilt namentlich von
Pleyel , der in Haydn'scher Manier, wie
man sagt, dem Teufel ein Ohr abschrieb und
mit Werken, in dcnrn Haydn's For-naliö« mus, nicht aber Haydn's Geist herrschte^
ganz Deutschland, ja halb Europa Iadr»
zehnde lang überschwemmte.. . . Nosetti isd
in seinen kleineren Arbeiten oft technisch viel
schwacher als Pleyel , aber er war kein
lederner Philister, wie dieser es zuletzt gewor-
den, darum steht er auch in der Technik seiner
größeren, eigenen und ganzen Werke doÄ)
wieder weit höher als P leye l "
Rößler, Emil Franz (Geschichte,
forscher und Mitglied des deutschen
Reichsparlaments im Jahre 1848/4A
geb. zuB rüx in Böhmen 3. Juni 1815,
gest. zu S igmar ingen 3. December
1863). Sein Vater war Justitiar, der
seinen Sohn bei Bereifung der Ortschaf-
ten .in Rechtsangelegenhciten oft mit»
nahm, wobei dieser in früher Jugend
Gelegenheit hatte, das unwürdige Hörig-
keitsverhültniß des Landmanns in ziem»
lich greller Weise kennen zu lernen. So
geschah es denn auch. daß ihn dieser
Gegenstand bereits während seiner Stu»
dien beschäftigte, und daß er, als er für
die juridische Dcclorwürde sich vorberei«
tete, als Inaugural« Dissertation die-
Schrift: „Nas Ausgedinge unk Nanerngiitern
nach den bestehenden Vorschriften in Oesterreichs
mit beöllnderer NückZiHt ant Nähmen" ver«
öffentlichte. Im Jahre 1842 erlangte-
R. das Doctorat. Inmitten von zwei in
Charakter. Sprache und ihrem Wesen
ganz verschiedenen Völkern. deS deutschen
und slavischen, wohnend, war R. früh^
zeitig angeregt worden, dem Ursprünge
der deutschen Ansiedlungen in seinem
Vaterlande nachzuforschen und die deut«
schen Dorfweisthümer in Böhmen auf.
zusuchen. Als Probe dieser für das
Rechtsleben der Vergangenheit so wichti-
gen Rechtsdenkmäler veröffentlichte er
die Schrift: „Nie OZchernawizer Aiige uan
1553", und war nun auf jenes Feld
gerathen, das ihn fortan unablässig
beschäsligte ul'.d auf welchem er wenige,.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon