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Nößler 260 Näßter
Vertiefung und später gar zur Mystik
des Näheren eingegangen — sein Bio»
graph H ans gi rg gibt eine anziehende
Charakteristik, ein recht frisches Lebens-
bild seines dahingeschiedenen Freundes
— sondern nur seiner Leistungen im All»
gemeinen gedacht werden. Frühzeitig
fühlte sich N., was bei seiner großen
Vorliebe für die Classiker und ihr Stu-
dium leicht erklärlich, zur Literatur und
Poesie hingezogen, und in dem kleinen,
aus Rudolph Glaser, I)r. Robert
Zimmermann und einem, ihm gar
nicht verwandten Namensvetter Ignaz
Rößler, der auch für Poesie schwärmte,
bestehenden Kreise wurde früh Poesie
und Literatur mit Liebe gepflegt, sogar
eine geschriebene Zeitung, die, da jeder
Mitarbeiter den Namen eines Vogels
führte, „die Vogelzeitung" hieß, redigirt.
Aus diesem Privatissimum trat R. im
Jahre 1824 zum ersten Male in die
Oeffentlichkeit. Damals gab Karol ine
von Wol tmann dio Zeitschrift „Der
Kranz" heraus, ein mit Illnsicbt redigir»
tes, gut belletristisches Blatt, an welchem
fich tüchtige Kräfte, so z. B. Karl Egon
Ebert Md. I I I , S. 414^ Dräxlcr-
Manfred Md. I I I , S. 374). Rudolph
Glaser Md. V, S. 207). Griesel
Md. V) S. 334), Hans l ick scm.
Md. VN, S. 333). Her loßsohn
Md. VI I I , S. 370), M a r s a n o
M . X V I I , S. l0). Rit ter vonRit-
tersberg ^S. l87 dies. Bds.^j. Zau-
per, der treffliche Homer^Uebersetzer.
u-. A. betheiligten. Im „Kranz" trat
N. unter dem Pseudonym Karl Hugo
im Jahre 4824 mit mehreren Poesien
zum ersten Male öffentlich auf. Diesen
Arbeiten folgte im Jahre 1827 im
Aprilhefte der Monatschrist des böh-
mischen Museums ein größeres episches
Gedicht: „Holger, der Reiche", worin R. eine nordische Sage behandelt. Bei sei<
ner eigenthümlichen Scheu vor aller
Oeffentlichkeit behielt nun R. alle seine
Arbeiten im Pulte und trat aus derselben
erst nach diesjähriger Pause über Zureden
seines Freundes Alois Klar Md. XII ,
S. 14), des Herausgebers der „Libufsa".
und selbst da erst unter einer neuen Mysti»
sication. Im Jahrgange 1844 der 3i>
bussa erschien nämlich e:n größerer
poetischerBeitrag, betitelt: „Wratislaw",
aus dem Altböhmischen von Karl Rain.
Unter dem Namen Karl Rain verbarg
sich Rößler und das Gedicht selbst war
auch eine Mystifikation, denn es war
durchaus nicht aus dem Altböhmischen,
sondern original'deutsch, aber mit großem
Geschicke im Geiste der Gesänge der
Königinhofer Handschrift in reimlosen,
fünffüßigen Trochäen geschrieben. Noch
find in den Jahrgängen 1845, 1847,
1834 und 5 833 poetische und prosaische
Arbeiten von Rößler enthalten, u. z.
darunter im Jahre 1847: „Die Kinder
der Räuber", wieder unter dem Pseudo«
nym Karl Rain, im Jahre 4834 die
„Zieder der neuen Tafelrunde", und im
Jahre 4833: „Der erlöste Protokollist",
ein harmloser, doch wirksamer Schwank.
Die Lieder von der Tafelrunde erschienen
mit Rößler's vollem Namen, sie feiern
die Helden der Jahre 1848 und 1849:
den Kaiser Franz Joseph, Erzherzog
Albrecht, Nadetzky, Ie l lao i6 .
Haynau, Heß und Schonha lS ,
S chwa rzenberg, Windifckgrätz,
Schlik. Clam-Gal las. 3ato-ur
und Lamberg, Hentzi und Alnoch.
Kopal und die Seinen, O'Donnel l ,
worauf noch einige Gedichte patriotischen
Inhalts den Cyklus schließen. Die Lieder
machten zur Zeit ihres Erscheinens um
so größeres Aufsehen, als auf denselben
der Name des Glasfabriks-Directors,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon