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Schedler 434 Schedler
Werke gebührt. Den ersten Unterricht im
Zeichnen erhielt er in seiner Vaterstadt
und in Schaffhausen, dann arbeitete er
in Zürich und girig von dort nach Augs«
bürg. Als er sieben Jahre alt war, ver-
lor er seinen Vater durch den Tod. .Nun
brachte ihn sein Stiefvater zu dem Maler
Herr mann in die Lehre, bei welchem
er drei harte Jahre zubrachte. Von
Herrmann kam er zu dem Kunst»
Händler Bleuler nach Schaffhausen.
Für diesen illuminirte er Kupferstiche in
der damals beliebten A b e r l i 'schen
Manier. Nach einiger Zeit begab er sich
zu dem Landschaftsmaler Hueber in
Zürich, bei dem er durch sechs Jahre
als Geselle in Arbeit stand, bis er durch
die französische Invasion zur Rückkehr
in seine Heimat Constanz gezwungen
wurde. I n dieser Zeit colorirte er für
Lavater mehrere Kupferstiche, dann
aber ging er, dieser untergeordnetenArbei«
ten überdrüssig, nach Augsburg, um sich
an der dortigen Akademie in der Kunst
auszubilden. Dort betrieb er mit glück«
lichem Erfolge die Miniaturmalerei, ohne
jedoch die Gouachemalerci zu vernach»
lässigen. Nach einem sechsjährigen Auf«
enthalte in Augsburg, wo er zwei Preise
errang, verließ er die Stadt, arbeitete hie
und da bald längere, bald kürzere Zeit,
bis er im Jahre 1804 nach Innsbruck
kam, wo er sich seitdem bleibend nieder«
ließ und bis an seinen im hohen Alter
erfolgten Tod lebte. S. war in verschie.
den Richtungen der Malerkunst, im Histo«
rienfache, im Genre, vornehmlich aber in
der Landschaft thätig, in welch letzterer ihn
der kenntnißreiche Anton v. Pfaund ler
unterstützte und worin er weitaus das
beste hervorbrachte. Dazu gab ihm auch
das Land. das seine zweite Heimat gewor»
den. mit seinen herrlichen Schlöffern, rei-
zenden Landschaften und malerisch geklei' deten Bewohnern unversiegbaren Stoff.
Dabei war S.'s Kunstsinn so mäcktig,
daß er, wenn es sich um Aufnahme eines
schönen Punctes handelte, keine Gefahr
scheute und in Folge dessen in Kriegszei«
ten von den Bauern als Spion aufge«
hoben und in Wälschtirol von Räubern
überfallen wurde, die freilich bald ihren
Irrthum inne wurden, als fie statt ge«
Heimen Papieren oder einer vollen Börse
und Kostbarkeiten nur einen Malerkasten
mit Farben vorfanden. Wie schon be«
merkt, malte S. mit Vorliebe und feinem
Geschicke Landschaften, und im Baum«
schlage, FelSparthien, Waffer leistete er
Meisterhaftes. Seine Portefeuilles sind
reich an Studien der verschiedensten Art,
welche er theils in Aquarell, theils in
Gouache ausgeführt hat. Von seinen in
weiteren Kreisen bekannt gewordenen
Arbeiten sind zu erwähnen eine Fulge
von Tiroler Ansichten, in welcher sein
Stift die schönsten Gegenden dieses Alpen,
landes gefesselt hatte und welche der
Kunsthändler Franz Unterberger in
Aquatinta zu PariS hatte stechen laffen.
Dann zeichnete er die Tiroler Trachten
nach der Natur und unternahm zu diesem
Zwecke eine Reise durch das ganze Land.
Er gab nun 26 Paare verschiedener
Landsmannschaft heraus, welche
sich eben
durch die charakteristische Eigenthümlich«
keit der Tracht kennzeichnen. I n der
Ausführung dieses Unternehmens för.
derte ihn der damalige Gouverneur von
Tirol. Graf Bissingen. Im Jahre
1823 erschienen von ihm die 28 Erz«
statuen der Hofkirche in Kupfer gestochen
und dann die 28 kleinen Erzstatuen,
welche spater in der silbernen Capelle,
aufgestellt wurden. Eine seiner letzten
Arbeiten war ein größeres, in Oel gemal-
tes Altarbild: „Nie Himmelfahrt Maria"
darstellend. AuS seiner früheren Zcit smd
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon