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Scheibler 104 Scheidler
erfolgreich au, daß der Feind die Flucht
ergriff und 1 Rittmeister, 4 Lieutenant,
28 Mann gefangen und 42 Pferde erbeu-
tet wurden. — Einen ganz überraschenden
Ueberfall führte er am 28. November
d. I . culs. wo er bei Unter-Grumbach
bis mitten in das feindliche Lager kam
und mit den Seinen erst dann erkannt
wurde, als er die Attaque begann. Das
ganze Lager, eine große Menge Gewehre
und 134 Cavalleriepferde waren die
Beute dieses Handstreiches. — Zwei Tage
später schlug er sich mit einer Verwe
genheit ohne Gleichen bei Bruchsal
durä). als er den Auftrag hatte. die
Verbindung der beiden Colonnen zu
erhalten, welche unter Befehl des Feld«
zeugmeisters Grafen Sztäray am
30. November zum Entsatze der Festung
Philipvsburg marschirten und er auf
der einen Seite einer über 1090 Netter
starken Cavallerie«Abtheilung und auch
auf der andern Seite mehr oder min-
der großen feindlichen Trupps gegen»
überstand. Für den Feind war dieser
Coup Scheibler's um so empsindli-
cher. als General Ney eben dem Streif-
corpS „das Handwerk zu legen" beab»
sichtigt hatte und bei dieser Einschlie»
ßung Scheibler mit seinen Leuten
förmlich abgefangen werden sollte, 'ueber»
Haupt führte S. in dieser Zeit eine
Menge glücklich combinirter und scharf-
sinnig auggedachter Handstreiche, Ueber»
rumpelungen. Täuschungen und Neber-
falle aus; eine klare und volksthüm-
lich gehaltene Darstellung derselben
würde ein ganz treffliches Lesebuch für
die Mannschaftsschulen bilden. Neue und
glückliche Handstreiche vollführte er im
November 1800. einige Tage nach Auf»
kündigung deS Waffenstillstandes. Mit
^ einem Detachement von 100 Uhlcmen
gegen Nürnberg entsendet, um die Ver- bindung mit dem Corps des Feldmar-
schall »Lieutenants Baron Simbscben
aufzusuchen, erhielt er am 28. Novem»
ber die Nachricht, daß das 7. fran«
zösische schwere Reiter>Regiment von
Nürnberg auS im Anmärsche sei. Sofort
war sein Plan gefaßt. Mit seinen Uhla«
nen bezog er nahe der Straße ein Ver«
steck an einer Stelle, wo felsiger und
morastiger Grund der Reiterei jede Ent«
Wickelung unthunlich machte. Dort er«
wartete er das Regiment, ließ eS vor-
überziehen, und nun warf er sich mit
allem Ungestüm auf die nichts weniger
als eines Angriffes sich versehende Co«
lonne. Panischer Schrecken ergriff das
Regiment, das spornstreichs die Flucht
ergriff und von S< mit seinen Uhlanen
eine Stunde weit verfolgt wurde. 3 Ossi«
eiere und 42 Mann hatte er gefangen
genommen und fast eben so viele Todte
und Verwundete blieben auf der Straße
liegen. Er selbst wurde im Kampfe
mit dem französischen Regiments>Adju>
tauten, den er übrigens überwand,
verwundet. — 3 Wocden spater hob er in
Oettingen mit großer Bravour und List
einen General und seine Begleitung auf,
nahm außerdem 30 Franzosen gefangen
und über !50 Pferde Beute. Für diese
Waffenthat, wie auch in Würdigung
seiner sonstigen heldenmüthigen Bravour,
wurde ihm in der 66. Promotion svom
18. August 1801) das Ritterkreuz deS
Maria Theresien.Ordens zuerkannt. —
Seine alte Verwegenheit bewies er im
Feldzuge des Jahres 1803. Als im
November gen. I . die Franzosen Linz und
Urfahr besetzten und Scheid ler in
Mauthausen Kenntniß erhielt, daß der
Feind die nöthigen militärischen Vor«
sichtsmahregeln vernachlässige, brach er
von Mauthausen am 3. November
auf nnd machte den Franzosen mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon