Page - 173 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sax-Schimpf, Volume 29
Image of the Page - 173 -
Text of the Page - 173 -
Scheinpstllg 173 Schempstug
der sich aus untergeordneten Handwerksver.
dältnissen zu einem tüchtigen ersten Genieinde-
beamten emporgearbeitet, zu gedenken. I o.
seph Schein er (geb. zu Böhmisch'Lcipa
am 3. Mai 1801, gest. ebenda am li-Dcto.
ber t863) war der Sohn eines Bäckers, er«
lernte nach beendeten deutschen Schulen das
Vinderhandwerk, unternahm dann einen Holz«
Handel, den er immer ausgedehnter betrieb,
bis er um das Jahr 1830 Möbelfabrikant
wurde. Die Solidität, welche die Basis aller
feiner Unternehmungen bildete, erwarb ihm
balo das Vertrauen seiner Mitbürger in so
hohem Grade, daß sie ihn als Aeltestm in
den Zunftvorstand, als Rechnungsführer zur
Kirchenrechnung beriefen, ihn zum Oberlieu«
tenant im Scharfschützen-Corps und im Jahre
1830 zum substituirenden und wenige Monate
darnach zum wirklichen Bürgermeister er-
wählten, welches Amt er bis an sein Able-
den in wirklich höchst ersprießlicher Weise ver«
waltete. Der unten angeführte Nekrolog gibt
ein scharf gezeichnetes Bild seiner Thätigkeit
auf letzterem Posten. Hier sei nur erwähnt,
' daß er das Armeninstitutstvesen Böhmisch»
Leipa'S geregelt, die Armenpfründler in ein
besseres Haus, das eigens zu diesem Zwecke
angekauft wurde, übersiedelte; zur Errichtung
eines DienstboteN'Spitals energisch mitwirkte,
den Bau der Stadtkirche in eifrigster Weise
förderte, das Schulwesen der Gemeinde ficht«
lich hob und überhaupt zur Hebung des
Gemeindewesens und zur Entwickelung eines
den Fortschrittszwecken der Zeit entsprechenden
Gcmeindelebens mit allen Kräften beitrug.
Trotz des Mangele wissenschaftlicher Bildung
wußte er sich durch sein treffliches zweckdien»
liches, die Interessen der Gemeinde fördern«
des Wirken den Dank seiner Mitbürger über's
Grab hinaus zu erwerben. ^Völ)misch»
Leipaer Anzeiger, XI I I . Jahrg. (i8L3).
Nr. 43: Nekrolog.)
Echeitlsistug, Vernard (Schulman n,
geb. zu Bruch, einem Dorfe am Fuße
des Erzgebirges unweit Teplitz, am
3. Jänner 181 i). Der Sohn armer
Eltern, genoß er den ersten Unterricht in
der Dorfschule, besuchte daS Gymnasium
in Brür, später in Prag, wo der berühmte
Joseph Jung mann ^Bd. X, S. 319^>
sein Lehrer war. Im October 1833 be
gann S. die philosophischen Studien, im Jahre 1837 jene der Rechte, an
denen er jedoch wyiig Gefallen fand,
weßhalb er nebenbei mit allem Eifer
fremde Sprachen betrieb und sich auch
den Prüfungen auS der italienischen,
französischen und englischen Sprache
unterzog. Der Mangel an eigenen Mit<
teln zwang ihn. im Unterrichte Anderer
seinen Lebensunterhalt zu suchen, und so
correpetirte er seit 4833 mit seinen eige-
nen Mitschülern und gab Privatstunden
aus der italienischen Sprache, wodurch
er sich eine besondere Lehrtüchtigkeit er>
warb und ihm die Lehramtsthätigkeit
immer mehr zu gefallen begann. Er gab
demnach im Jahre 1840 das Studium
der Rechte auf und widmete sich nun
ausschließlich dem Unterrichts- und Er-
ziehungsgeschäfte. Anfangs wirkte er als
Privatlehrer und war als solcher in den
reichsten und vornehmsten Familien sehr
gesucht. Im October 1846 wurde ei
endlich Lehrer der italienischen Sprache
am k. k. Convicte zu Prag und im Iän«
ner 1847 Professor der italienischen und
französischen Sprache am Conservato«
rium der Musik ebenda. Als im Jahre
1848 das k. k. Convict aufgehoben
wurde, verlor auch S. gleich den übrigen
Angestellten seinen Posten und benutzte
nun die an der Hochschule eingeführte
Lehrfreiheit zu Vorträgen am Clementi»
num über italienische Sprache und Lite«
ratur, zugleich versah er sein Lehramt
am Conservatorium, wo ihm nach Auf«
Hebung der Vortrage aus der französi»
schen Sprache solche aus der Aesthetik
und Geschichte der Musik übertragen
wurden. Um aber doch wieder ein kaiser»
liches Amt zu erlangen, unterzog er sich
bei der in Prag eingesetzten Plüfungs-
commission für das Gymnafial'Lehramt
der Prüfung aus mehreren Gegenständen
und erhielt in Folge dessen am 20. Mai
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon