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Scheller Schels
andere gern gehörte Stücke „mit man« ^
nigfaltigen Variationen, theils mit Be»!
gleitung einer Violine, theils ganz allein.
Endlich.legte er seine Dose auf die Geige
und phantasirte so, bis er den fürchter/
lichen Khorgefang der alten Kapuziner»
nonnen anstimmte und damit das ganze
Auditorium nöthigte. in ein lautes
Gelachter auSzubrechen. Den Beschluß
machte er mit seiner sogenannten Har»
monika, indem er seinen Bogen ab«
schraubte, die Haare über die Saiten
und den Stock unter den Bogen der
Geige brachte, und so, die Dose eben«
falls auf der Violine liegend, alle vier
Saiten auf einmal in langsamen, wohl»
gewählten Accorden und Modulationen
eine Zeit lang ertönen ließ." I n einem
im Jahre 1799 veranstalteten Concerte,
da er bereits durch Trunkenheit und
wüstes Leben so heruntergekommen war,
daß er nicht einmal mehr ein eigenes In»
sirument besaß und ein solches, wenn er
auftrat, entlehnen mußte, sing, „indem er
zu spielen begann, sein Saitenhaltei immer
mehr,und mehr nachzulassen an, indeß er
immer im Tone deS übrigen Orchesters
fortarbeitete, bis seine Geige am Ende des
Concertes um eine Terz tiefer stand".
Allmalig sank S. in das tiefste Elend,
aus dem ihn emporzuraffen es auch seiner
Kunst nicht mehr gelang, und in demsel«
ben starb er auch, erst 41 Jahre alt. Von
sich selbst sehr eingenommen, pflegte er
in seiner Künstlerbescheidenheit von sich
nur: „Ein Gott — ein Scheller" zu
sagen.
Neues Univ ersal-Iexikon der Tonkunst.
Angefangen von Dr. Julius Schladebach,
fortges. von Ed. BernSdorf (Dresden 1837.
Nob. Schäfer, gr. 8".) Bd. I I I , S. 459. —
Dlabacz (Gottfr. Ioh.). Allgemeines histo«
nsches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum
Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag
1813, Haase, 4°.) Bd. I I I , Sp. 38 M t ihn zu Prag geboren sein und weiß von ihm
nur zu sagen, daß er ein großer Künstler auf
der Violine gewesen sei). — Rochlitz (F.),
Für Freunde der Tonkunst, Bd. I I , S. 356.
Schels, Johann Bapt. (k. k. Ob er st.
lieutenant und militärischer Schrift-
steller, geb. zu Brunn in Mähren
am 9. November, n. A. December 1780,
gest. zu Wien am 8. October 1847).
Sein Vater Ignaz war Administrator
der k. k. Tabak- und Siegelgefälle in
Kärnthen; ein Großoheim Johann's,
der Feldmarschall-Lieutenant Kar l Frei«
herr vonAmadei, warRitterdes Maria
Theresien-Ordens. Als der Sohn zwei
Jahre alt war. kam der Vater, vorher
in Brunn, nach Klagenfurt, wo der
Sohn seine wissenschaftliche Ausbildung
erhielt. Nachdem er im Jahre 1797 die
philosophischen Studien beendet, trat er.
dem Wunsche feines Vaters folgend, im
Amte desselben als Praktikant in den
Staatsdienst, als aber im April 1800
sein Vater starb, verließ S. sein Amt
und trat in seiner Vorliebe für den Waf.
fendienst im 28. Infanterie»Regimente
als Fähnrich ein. In demselben wurde
er am 1. Juli 1804 Lieutenant, im
August 1803 Oberlieutenant im General«
Quarliecmeisterstabe. als solcher machte
er im October 1303 die Katastrophe von
Ulm mit, kam dann zu dem General der
Cavallerie Fürst H o h e n l o h e - I n g e l«
fi ngen und blieb in dessen Hauptquar-
tier zu Godwg in Ungarn bis zur Auf-
losung der Armee, worauf er im Februar
1806 nach Wien berufen wurde. Sein
neuer Chef, General Baron Mayer,
theilte ihn der Landesbeschreibung in
Böhmen zu; im April 1807 wurde er
bei der großen Triangulirung angestellt
und bereiste in den Jahren 1807 und
1808 die Hochgebirge von Oberösterreich.
Steiermark und Salzburg, um das pro«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon