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jhatiges Mitglied er war, entwarf kalli»
graphische Tableaur — stin kalligraphi-
sches Talent war es eben. das ihm zur
Anstellung in der Hofkanzlei verholfen
hatte — und lithographirte. S. war
ein ungemein vielseitiger und fruchtba»
rer Componist und in den verschiedensten,
oft gerade entgegengesetzten Genres mu»
slkalischer Composition thätig. So schrieb
er viele Tonstücke für die Kirche, aber
auch Marsche für Militarmusik, Walzer-
parthien für den Tanzsaal, besonders viel
Gelegenheitsmusik, Serenaden für Flöte,
Violine und Guitarre. Für letzteres In .
strumeni war er besonders thatig. Seine
Guitarreschule wurde sehr gesucht, sowie
auch seine Variationen und Phantasten
für Guitarre einer allgemeinen Beliebt,
heit sich erfreuten. Besonders denkwürdig
bleibt S. aber durch seine zur Förderung
des musikalischen Vereinslebens in Wien
an den Tag gelegte Thätigkeit. I n der«
selben wetteiferte er mit seinem Freunde
Joseph Smeykal, dessen auch in
diesem Lexikon gedacht werden soll. Mit
diesem zusammen rief er den „Verein
für Kunst und Frohsinn" in's 3e<
ben und leitete dessen Musikaufführun»
gen; mit dem Chorregenten Michael
Fischer begründete er einen Kirchen«
musikverein, der mit theilweise verän«
derten Regulativen jetzt noch nach einem
halben Jahrhundert unter dem Namen
„Verein zur Verbreitung echter Kirchen«
musik" eine einflußreiche Thätigkeit ent-
wickelt und eine ehrenvolle Stellung
unter den musikalischen Vereinen Wiens
behauptet. Nicht geringen Antheil hatte
S. ferner an' der Begründung der
„Gesellschaft der Musikfreunde des öster-
reichischen Kaiserftaates". deren eifriger
Beförderer er während seines ganzen
Aufenthaltes in Wien blieb, zu dessen
Productionen er immer persönlich mit» wirkte und zu deren größeren Concerten
und Musikfesten er stets ein ansehnliches
Contingent an Sängern und Instru«
mentalisten beistellte. Noch gründete S.
das Unternehmen der „musikalischen
Abendunterhaltungen" im Saale zum
„römischen Kaiser", in welchen die Aus«
führung von Solostücken mit Chor« und
Orchesterwerken abwechselte und die län-
gere Zeit einer großen Beliebtheit im mu-
sikalischen Publicum Wiens sich erfreuten.
Das letzte Lebenszeichen feines künstle-
rischen Wirkens ist eine „Olinralgesang-
schule", welche wahrscheinlich, wie noch
manche andere seiner Compositionen.
von ihm selbst lithographirt, im eigenen
Verlage erschienen, jedoch längst schon
aus dem Musikalienhandel gekommen ist.
Recensionen und Mittheilungen über Thea»
ter und Musik (herausg. von Fürst Czar,»
toryski) (Wien, Redaction, Druck u. Ver«
lag von I . Löwenthal. 4".) IX. Jahrg. (1863).
Nr. 44. S. 69l: „Zwei Dilettanten. Ein Bei<
trag zur Geschichte der musikalischen Vereine
in Wien", von Aug. Schmidt.
Echerer, Claudius Ritter (Arzt,
geb. zu Donauwör th 2. November
4752, gest. zu Gratz 9. Juni 1834).
Nachdem er die Gymnasial« und philo-
sophischen Studien in den Iesuitenschulen
zu München beendet, betrat er die in»
dustrielle Laufbahn, ging nach Innsbruck
und errichtete dort eine Kattundruckerei,
während er fich zugleich auf die Land«
wirthschaft verlegte. Mit einem Male
gab er das eine und das andere auf
und begann zu Innsbruck im Jahre
4776 das Studium der Medicin, wel-
ches er 4779 in Wien unter dem be>
rühmten St ol l fortsehte. Sich der
Thierarzneikunde zuwendend, wurde er
am 6. November 4781 ordentlicher 3eh«
rer der Thierarzneikunde zu Innsbruck
und zugleich Leibarzt der Erzherzogin
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon