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Schön, Johann
zur Ausführung eines Entschlusses, an
dessen Verwirklichung er seit seinen Iu>
gendjahren geplant. Sein väterliches
Erbtheil, daS fühlte er wohl, würde an
der Ausführung seines Planes darauf,
gehen, aber bis dahin hatte er ja doch
«ine feste Stellung gewonnen. Unter dem
Vorwande, Geldangelegenheiten einer
Verwandten in Rußland zu besorgen, in
Wirklichkeit, um in St. Petersburg um
den Preis für die beste Darstellung deS
Einflusses der tatarischen Unterjochung
sich mit zu bewerben, nahm er im Jahre
1827 einen Paß über Dresden, Leipzig,
Berlin nach Rußland. In Berlin führte
ihn an der ladie ä,'k6te der Zufall mit
dem damaligen Präsidenten, nachmaligen
Iustizminister Mühler zusammen, und
die Mittheilungen Mühler'S über PreU'
ßen und Verhältnisse daselbst erweckten
in S. den Gedanken, daß er, was er
suche, in Preußen finden werde, und so
unterzog er zunächst dieses Land und
seine Zustände dem sorgfältigsten Stu»
dium. Dem Reisepasse,gemäß setzte er
feine Tour nach St. Petersburg fort, wo
er während eines inehrmonatlichen Auf«
entHaltes in v. Köhler's und Ade-
lun g'S Hause eine sehr freundliche Auf»
nähme fand. Nun kehrte er über Esthland,
Kurland, Liefland nach Preußen zurück,
erlangte 1828 in Königsberg den juri-
dischen Doctorgrad, reiste über Danzig
und Posen nach BreSlau, welche Stadt
ihm so heimisch angenehm erschien, daß
er daselbst sein neues Heim aufzuschlagen
beschloß, welches Vorhaben er auch aus»
führte, nachdem er vorher noch die Stadt
Krakau besucht hatte. Nun trat er in
Breslau bei der kön. Regierung als Re>
ferendarius ein und auf den Rath eines
-Freundes schlug er die gelehrte Laufbahn
ein. Am 2. März 1829 erlangte er die
philosophische Doctorwürde und am
u. Würz dach, biogr. Lexikon. XXXI Schön, Johann
17. Juni g. I . wurde er Privatdocent
an der Breslauer Hochschule, worauf erst
die österreichische Regierung ihm die AuS<
wanderungSbewilligung ertheilte. Mit
allem Eifer lag er seinem Berufe als
Lehrer der StaatSwissenschaften ob, und
mit so glücklichem Erfolge, daß er schon
im August 1831 zum außerordentlichen,
am 14. December 1836 zum ordentlichen
Professor ernannt wurde. Zugleich führte
er seit dem April letztgenannten Jahres
die Redaction der „Schlestschen Zeitung"
und nun, theils um aus eigener Wahr»
nehmung die Verhältnisse der Länder
kennen zu lernen, theils um zur Hebung
dieses Blattes die nöthigen Verbindun-
gen anzuknüpfen, machte er noch im.
nämlichen Jahre eine Reise durch Süd» ^
deutschland, Holland, Belgien bis Paris.
Aber schon damals fühlte er seine Ge»
sundheit angegriffen, der Gebrauch der
Bäder in Warmbrunn in den Jahren
1837 und 1838 blieb ohne Erfolg, im
Winter 1838/39 warf es ihn ganz dar.
nieder, und nach langem, schwerem,
höchst schmerzlichen Leiden erlöste ihn
der Tod. Er war erst 37 Jahre alt ge>
worden. Man muß den Seciionsbericht
gelesen haben, um
sich aus der Darstel»
lung dieses in merkwürdiger Weise zer>
rütteten inneren Organismus den Verlauf
seiner schweren Krankheit zu erklären,
welche mit einer tödtlichen Seelenstörung
— er erklärte plötzlich, Gott Vater zu
sein und verfiel in Tobsucht — endete.
Uebrigens war die Anlage eine orga>
nische, denn es fand sich, daß Seelen-
störungen in seiner Familie schon öfter
vorgekommen waren. Schön's Thätig,
keit spaltet sich in eine lehrende und
schriftstellernde. Seine stets freien Vor«
träge betrafen die Politik, National>Oeko.
nmnie, Finanzwissenschaft, allgemeine
und preußische Statistik, Geschichte und
!. 12. Nov. 1573.) 8
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon