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Job. Bapt. 187 Schöps I°h. Bllpt.
er nun mit den Vorarbeiten zu einem
selbstständigen tirolischm Wörterbuche,
welches er, obgleich Fachgenossen ihm
riechen, Instructionsbriefe an Freunde
dieses Unternehmens im Lande herum»
zusenden und zu Beiträgen aufzufordern,
lieber allein arbeiten wollte. „Das Neste",
schreibt er aus diesem Anlasse, ,>ist immer
das Selbsthandeln, besonders daS
'Herumreisen in den Ferien." Zugleich
machte er sich, um gute Belegstellen zu
finden, an das Ausnotiren der besten
Quellen, wie z. B. Oswald 's Wolken,
stein, Vint ler 's Tugendblume, der Pio»
tokolle und Acten des Bohener Magi-
strates, alter Chroniken und Handschrif»
ten, selbst die zahlreichen Jahrgänge deg
Tiroler Boten und andere Tirolenfia
ging er mit aller Genauigkeit durch.
Außerdem hatten ihn noch, wie er selbst
schreibt, seine Ordensbrüder und einige
Freunde unterstützt. I m Februar 1861
waren schon mehrere Buchstaben seines
Idiotikons druckfertig, im folgenden
Jahre war es vollendet und begann
bereits zu erscheinen, den vollständigen
Druck sollte aber der Autor des Werkes,
der den gemeinschaftlichen Anstrengungen
seines Berufes als Lehrer und rastloser
Forscher erlag, nicht mehr erleben. Erst
drei Jahre nach seinem Hingange lag eö
den Sprachfreunden als „Giralisches Mi»-
tikun, nach I. N. schüpt'Z GM lmaMrgl-
ben ullnZIntlln I.Hlltei" (Innsbruck 1866,
8".) vollendet vor. Außer den vorge»
nannten Arbeiten schrieb er noch eine
Abhandlung über den Polemiker: „Ja-
hanne« Aas»«, Franzillluner und WeilMzchlll
nun Nrwn I53Ä—1590" (Botzen 1860).
zuerst im Programm des Notzener Gym>
nasiums 186l). und ein Nachtrag zum
Verzeichniß der Schriften deS Nasus
im Programm für 1861 (S. 26). ^ In
der von E i t e l b e r g e r redigirten „Oester- reichischen Wochenschrift" erscheint »Na»
sus" als „Johannes Rochus".^ Nasus.
der von katholischer Seite bisher unbe.
greiflicher Weise vernachlässigt ward und
auf den schon Goedeke in seinem
„Grundriß". S. 383 u. 163, aufmerk»
sam gemacht, gelangt hier durch S.'s
Monographie zum ersten Male zu der
ihm gebührenden Geltung; — feiner:
„Die Kirche und das Kloster der Fcan»
ziskaner zu Notzen. Eine kunstgeschichtliche
Skizze«, in der Botzener Zeitung 1888,
Nr. 79—821 ferner lieferte erZingerle
zahlreiche Beiträge zu den Sagen und
Sitten aus Tirol, wie er ihm auch in
Abschrift den merkwürdigen Herenproceß
gegen Mathias Perg er, den Lauter»
frefser s^den die Oesterreichische Wochen»
schrift zum „Butterfcesser" mach^, ver»
schasste, zu dessen Processe der Inns»
brucker Archivar David Schönherr
jüngst erst im Schlosse Rodeneck, wo
Perger gefangen faß, neue Materialien
und sein Urtheil, daö in Zingerle'S
Buche fehlt, auffand. Mit S. schied nicht
nur ein vielversprechender, hoffnungs-
voller Forscher auf sprachlichem Gebiete,
sondern überhaupt eine edle Menschen»
erscheinung aus dem Leben. Sein schlau»
ker, zartgebauter Körper, schreibt einer
seiner Biographen, mit dem blaffen, fein»
geschnittenen Gesichte hatte etwas Lilien»
ähnliche«. Aus den dunklen Augen voll
milden Glanzes sprach eine schöne poe>
tische Seele voll Frieden und Ruhe. I n
ihm hat das Land T i ro l einen seiner
besten, maßhaltendsten und gelehrtesten
Söhne, sein Orden eine Perle, daS
Gymnasium in Botzen eine feiner
Zierden verloren. Ueber seine Thätigkeit
als Musicus — er soll auch ein guter
und geschickter Compositeur gewesen fein
und in seinem Orden durch längere
Zeit die Stelle des Organisten bekleidet
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon