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Schöpfer 197 Schöpfer
sofort versuchsweise eingeführt. I n weit
höherem Maße aber wendete sich die
Aufmerksamkeit der Kunstwelt dem kaiser.
lichen Officier zu, als dieser im Jahre
5871 den Münchener Kunstverein mit
24 großen historischen Compositionen
beschickte. Friedrich Pecht, der das
Scepter der Kunstkritik in der Augsburger
„Allgemeinen Zeitung" seit Jahren mit
ebenso viel Kenntniß als Strenge führt,
berichtet: wi? in dem abgelegensten
ultima ?kule deutschen Wesens, in
Botzen, ein Ofsicier Namens Schöpfer,
der diesen Namen wahrlich nicht mit
Unrecht führt, aus dem Born echter
Kunst ganz im Stillen tiefer zu schöpfen
versteht, als gar Viele, so sich Künstler
nennen und täglich inmitten der reichsten
und anregendsten Production sich bewe-
gen, während S. erst eine italienische
Kugel bei Novara die Gefälligkeit eizei»
gen mußle, ihm die Möglichkeit zu ver>
schaffen, sich überhaupt der Ausbildung
seines Talents widmen zu können. Von
diesen 2F historischen Compositionen, in
welchen sich eine großartige, idealistische
Weltanschauung kundgibt, die an die
Dichtungen Lingg's mahnt, nennen
wir, um den Charakter dieser Arbeiten
mit einem Titel zu bezeichnen: „Ner letzte
Tag non PllMjttji" I — „Nnchnz nnd Anatme"',
— „PrumitlMs"; — „Ans Mdene Kalk"'
— „Nie Gmneniden" ; — „Mz Rüg« i>ks
; — „Nie EMentner i>e5 Alanch"',
„Na« EMengmchl t>er GlWtn"! — „Nie
Griechenland«" I — „Zeene nnZ i>n
— „Dir Ormccknng uim
Äniri Güchterllin" u. s. w. Diese histori»
schen Compositionen, nicht gemalt, ja
nicht einmal schattirt, sondern nur in
Contouren gezeichnet, zeigen schon in der
bloßen Wahl und Auffassung deS Stoffes
einen ungewöhnlichen Geist und eine
großartige, idealistische Weltanschauung' aber auch die Form mit einer einfachen
Größe, Knappheit und Musterhaftigkeit
und von einem Manne gezeichnet. wcl>
chem keinerlei Hilfsmittel von Modellen
u. s. w. zu Gebote standen,, beweist wie»
der, daß der Maler wie der Poet gebo»
ren und nie gemacht oder erzogm wird.
Denn die Meisterhaftigkeit in der Ne>
herrschung der Form ist groß genug, daß
stch diese einfachen Contomen ganz wohl
selbst neben die, wenn auch allerdings
ungleich soigfältiger durchgearbeiteten
Genelli'schen stellen dürfen, an welche
sie am Ende doch noch am ehesten erin>
nern, obwohl ihnen gerade das Gesuckte
und Gezierte, das jene oft haben, nie
anklebt, sie im Gegentheile weit mehr
Naturlaute und feine Beobachtung zei>
gen. Ueberdkß hat Schöpfer einen
Zug echten Humors, wie wir ihn außer
bei Schwind bei keinem anderen deut-
schen Künstler wiederfinden. So z. B.
sind sehr originell die „Götter Griechen»
lands", eines Giu l io Romano nicht
unwürdig componirt, die offenbar pen»
sionirt von den Wolken herab höchst uer>
blufft ihre Altäre gestürzt und an ihrer
Stelle auf einem Berggipfel die Pyra»
mide einer k. k. Tiiangulirungs'Commis»
fion für Landesvermefflwg aufgelichtet
sehen. Wenn in der künstlerisch durch»
gebildetsten, reinsten und reizendsten
Composition in der „Wiedererweckung
von Iairi Töchterlein", dieses eine Petro>
leumlampe neben sich, die Todtenfrau
ein Bündel Wachskerzen im Arme hat,
so sind dergleichen Anachronismen, wie
die höchst freie, humoristische Behandlung
des Costums nicht etwa Belegstücke der
mangelhaften archäologischen Bildung
unseres Künstlers, sondern eben die Göt»
terblitze eines Humors, wie er nur einem
wirklichen Genie eigen und selbstverständ»
lich, da seine Wirkung am rechten Platze.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon