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Wenzel 229 Wenzel
,Meiler als drastischer Weise von Schol
aus. Als Scholz wieder einmal in eine
Posse in seinem komischen Costume «schier
trug er als Chemisettenknöpfe drei „Kaise,
semmeln", denn dieses Luxusgebäck war zu
so berüchtigter Kleinheit zusammengebacken
daß man bald eines Kometensuchers bedurfi
halte, um es auf dem Laden eine« Bäcker.
tische« zu entdecken. Der Beifall des Publi
cums über diesen Einfall war fast frenetisch.
aber nach der Vorstellung mußte S,, so hieß
es und'es war damals in derSedlnitzky
schen Glanzperiode Alles möglich, für dies,
kühne That, die als Aufhetzung des Publi.
cums angesehen wurde, „brummen". Im
Jahre l86U, als da« Wiener städtische Archiv
ein« Einladung ergehen lieh, ihr alle Gegen
stände, die auf di« Geschichte der Stadt Wien
Bezug haben, zur Aufbewahrung zukommen
zu lassen, stellte sich ein Verehrer des Komi
kers auch mir diesen „altbackenen", ab«
noch gut erhaltenen „Chemisettenknöpfen" ein
und, wunderbarer Weise, die Gabe, die doch
einen unschätzbaren Beitrog zur Cu!turg.e>
schichte WienS bildet, wurde — abgelehnt,
l^ Neue freie Presse 1869, Nr. <8«2: „Curio
sum",^ — Schol)'« Studium der Geographie.
S.cholz war ein wenig glücklicher — dabei
aber leidenschaftlicher — Spieler., Er spielte
Villard und Karten; in ersterem war er Mei>
ster, im Kartenspiele hatte er große Summen
verloren. Längere Zeit brachte er von den
glänzenden Ginnahmen seiner Gastspiele nichls
heim, da Alles auf dem grünen Tische ge>
blieben war. Erst nach der Heiralh seiner
zweiten Frau ward es in dieser Hinsicht
besser. Dabei aber hatte er eine besondere
Eigenheit. In jeder Stadt, welche er auf
seinen Gastspielen berührte, kaufte er einen
silbernen Löffel, ließ in denselben den Namen
der Stadt grauircn und brachte ihn der Frau
zum Andenken mit. Er pflegte, dann zu sagen,
„daß er auf diese Art seine geographische
Weisheit mit Löffeln esse". — Merkwürdiger
Weise aber, so unglücklich S. im Kartenspiele
war, so glücklich pflegte er — nicht, wie man
sonst zu sagen pflegt, in der Liebe — sondern
im Lottospiele zu sein. In der kleinen Lotte»
rie hatte er zu wiederholten Walen Gewinnste,
die sich in die Tausend beliefen, gemacht. —
Vin Stammbuchblatt. Der alte Bauerlr,
schrieb Scholz das Folgende in sein Stamm»
buch:
Du stirbst wohl nie, wirst ewig leben,
Denn dein Humor, der ist's ja eben! Blickt dir der Tod einst in's Gesicht,
So muß er lachen »nd — nimmt dich
nicht.
Wien, am 2y, Februar 1833,
Adolf Bäuerle.
Cin Vratullltionsschreilml. Nlö Scholz sei»
nen
siebenzigsten
Geburtstag feierlich beging,
erhielt er oo» unbekannter Hand folgendes,
aus den Titeln verschiedener Theaterstücke,
in welchen er zum Theile selbst so erfolgreich
mitgewirkt, sinnig zusammengestelltes Glück»
wunschschreibeni „Wie ein kleiner Recensent
dem großen Scholz gratulirt: yft haben
dich „Die Journalisten" beurtheilt, doch
bist du nie „Der Zerrissene" gewesen,
von dir konnte es nie heißm- „Endlich hat
er es doch gut gemacht", auch bedurftest
du nie „Ein inildeS Urtheil", stets ein
ganzer „Kamul", warst du „Der Tal is- -
man" der Theatercasse »nd in trüben Zeiten
bist du dem Publicum „Ein Freund in
der Noth" gewesen, Wenn ,es von dir hießi
„Einen I u r wi l l er sich machen", so
ging cs lustig her und eö ist „Alle Minu»
ten etwas anderes" Heiteres gekommen.
Darum aus wahrer Bewunderung und Dank»
barkeit für frohe Abendstunden wünicht dir
der Gefertigte „Hunderttausend Tha»
ler", den Hausschatz", den „Ghefiie-
den", auch „Nur Ruhe", das „Häusliche
Glück" und „Die lieben Änuerwand»
ten" mögen dich noch „Dreißig Jahre",
„Mein Freund", ansprechen. Mögest d«.
„Der reiche Mann", nie „Die Wasser»
cur" brauchen, „Vier Schüsseln" täglich
mögen dil wohl bekommen; „Das Rausch»
ch en" im fröhlichen Kreise ist auch erlaubt
und nach vielen Jahren, denn „Noch ist es
Zeit", sollst du Mit den Worte«: „Meine
Frau ist ein Enge!", deine „Si lberne
Hochzeit" feiern," — Auch eine Biographie
des ScholL. Scholz, ein Sohn des Komus
und der Komödia, hatte seinen Tempel
auf einer Halbinsel des alten Ister, sein Pathe
war Momus, der ihm Wunderkraft verlieh,
die Leiden der Menschheit durch Lachen zu
mildern. In der Wiege schon erdrückte er,
wie einst Hercules, dic zwei Schlangen
Melancholie und Hypochondrie. Er
war Vorsteher der nächtlichen frohen Stunden
und wird von den Menschen an den Ufern
des Isters als ein Wohlthäter de« Neuölke»
rung, als ein Verscheuch« dei üblen Laune
verehrt. In früherer Zeit ward er von einem
mächtigen Dinctor mit Namen „Carl" ge>
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon