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Schosser 241 Schosser
ebenso wenig Neigung als Körperkraft
besaß, studiren zu lassen. Durch Vermitte
lung des Losensteiner Pfarrers Franz X
Damböck, eines würdigen Priesters,
der zudem sein Firmpathe war und ihn
auch in der Musik unterrichtet hatte, kam
Anton nach Melk in's Gymnasium, wo
er während vier Jahren -seines dortigen
Aufenthaltes» gute^ Fortschritte machte.
Insbesondere zeigte er Neigung zur Zet
chenkunst, die sich bei seinem jeweiligen
Aufenthalte im Elternhause wahrend der
Ferien an den bemalten Zimmerwänden,
wenn gerade auch nicht einen Apelles
oder Rafthael erwarten lassend, kund«
gab. Nach dem vierten Studienjahre ge>
statteten ihm die Eltern «uf sein Andrin
gen, die Studien in Klagenfurt fortzu>
setzen. Aber schon nach zwei Monaten,
vorgebend, keinen Kostort gefunden zu
haben, kehrte er heim, und nun hatten
Schosser's Studien ein Ende. Ein
Jahr verlebte er nun im Elternhause.
Als es endlich galt, eine Standeswahl
zu treffen, berief ihn der Pfarrer F i r l in
ger im Thernbergerthale, der ficl) viel
mit mathematischen Wissenschaften, sogar
mit Astronomie beschäftigte und gehört
hatte, daß Schosser ein talentvoller
Junge sei, zu sich
und unterrichtete ihn in
Geometrie und Situationszeichnen. Als
sich aber dem Jünglinge keine Gelegenheil
darbot, seine Kenntnisse in entsprechender
Weise zu verwerthen, betrat er den do»
nenvollen Pfad des Landschullehrers und
wurde Schulgehilfe zu Leonstein im
Steyerthale. Nach einiger Zeit brachte er
es zum selbstständigen Schullehrer an der
Mittelschule zu Kleinrelfling an der EnnS
nahe an der Grenze Steiermarkö. Mit
einem Male aber gab er diese Stelle auf
und kehrte in's Elternhaus zurück. Die
Ursachen, warum S. diesen Schritt ge>
than, sind nicht aufMärt. Offenbar
u.Wurzbach, biogr. Lexikon. XXXI. (Gedr. fand er in dem damals ganz unwürdig
gestellten Landlehrerstande, dessen Mit.
glieder mehr Lakeien der Landpfarrer.
als Erzieher der Jugend waren, nicht
das, was er gesucht und gehofft hatte.
Im Vaterhlluse war seine Stellung auch
keine erquickliche, da es von Seite deS
Vaters an Vorwürfen über fein verfehl»
tes Leben Nicht fehlte..,Daheim verbrachte
S, die Zeih mit Botanisiren, wozu es ihn
noch als Hehrer so mächtig zog, daß er
oft die Schule sperrte, um in die Berge
zu gehen, in denen er seltene Wanzen
suchte, während die Kinder an die ge-
schlossene Schulthüre pochten, die sich
trotz alles Pochens nicht offnen wollte.
Um nicht ganz den Eltern zur Last zu
fallen, unterrichtete er als Privatlchrer
Kinder um kargen Lohn, zeichnete auch
eine Karte des Pfarrbezirkes Losenstein,
die noch im dortigen Pfarrhofe aufbe>
wahrt wird, war aber mit diesen Ver>
hältniffen nichts weniger als zufrieden,
und ging eines Tages auf und davon,
ohne Nachricht zurückzulassen, wohin er
gegangen. Cr war mit einem Freunde,
der ein Porträtmaler war, in'S Inn>
viertel gewandert und seit der Zeit erhiel»
tm durch sechs Jahre seine Angehörigen
von ihm keine Nachricht. Im siebenten
Jahre schrieb er ihnen, daß er bei der
Grundvermeffung ein gutes Ginkommen
gefunden habe und sehr zufrieden im
Innviertel— herumziehe. Von dieser
Zeit ist S. immer im Lande herum»
gezogen, und wenn er eben vom Wan-
dern ausruhen wollte, kehrte er in sein
geliebtes Losenstein, zurück. Im ganzen
Traunkreise und wohl noch weiter war
er als Privat'Ingenieur bekannt, beliebt
und beschäftigt. An Arbeit fehlte es ihm
nie, „häufiger", wie sein Biographb^
merkt, ,an Lust, dazu". Wie Schosser
bei diesem eintönigen, nichts weniger als
4.Dec, 1873.) 16
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon