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Schrittwieser 306 Schrittwieser
cardsburg vier Jahre besuchte und
dabei sich durch Unterrichtertheilen und
nachmittägiges Arbeiten in Bau-AtelierS
möglichst selbstständig machte. Zwei Jahre
wirkte er als Assistent für Bauwissen,
schaften am Wiener k. k. polytechnischen
Institute, machte in den Ferien Reisen
durch Deutschland, den Monumental»
bauten der alten deutschen Städie beson»
dere Aufmerksamkeit widmend, und trat
im October 4861 über Ginladung van
der Null 's in das eben in Bildung
begriffene Atelier deS Baues der neuen
Oper in Wien, dem er von der Verfas»
sung des Auöführungs-ProjecteS an durch
sieben Jahre bis nach dem Tode beider
Architekten, van der Nül l und Sic>
cardSburg, 1868, angehörte. Da im
Mai 1869 die Eröffnung der neuen Oper
bevorstand, so nahm S. im September
1868 einen ihm ohne sein Zuthun von
der Baudirection der damals zu erbauen«
den Nordwestbahn gestellten Antrag, als
Architekt bei derselben einzutreten, an.
In Folge dessen aber siel er sowohl bei den
Auszeichnungen, auf welche er mit Rück»
ficht auf seine Leistungen im Opernhause
nach dem Urtheile unparteiischer Fach»
männer gegründeten Anspruch hatte, so»
wie bei den weitgegriffenen Giwähnun»
Zen der bei dem Vaue Betheiligten durch,
wofür er sich durch die Thatsache tröstete,
nunmehr als Oberingeniem mit einer
Gage von jährlichen 4000 fl. angestellt
zu sein. Vierthalb Jahre wirkte S. auf
diesem Posten, machte anfangs 1870
über Auftrag der Bahndirection und niit
Subvention eine Reise nach der Schweiz,
Frankreich und Belgien und im Früh.
linge 1871 nach Oberitalien, um Studien
für den Wiener Bahnhof der österreichi.
schen Nordwestbahn zu machen, deren
Ergebnisse bei der Verfassung deS Ent.
Wurfes und bei der Ausführung dieses letzteren, wie des damit verbundenen
Administrationsgebäudes in hervorragen»
der Weise verwerthet wurden. Die bevor»
stehende Wiener Weltausstellung für
1873 lenkte S.'S Thätigkeit auf ein an.
deres Gebiet. Im März 1872 trat er
aus dem Dienste der Nordwestbahn und
übernahm, von dem durch seine Galan-
terie» Lederwaaren rühmlich bekannten
Fabrikanten I . Weidmann aufgefor»
dert, die Aufgabe, ausschließlich für den>
selben die Entwürfe der in seinen Ateliers-
ausgeführten künstlerischen Arbeiten zu
machm und die Ateliers selbst zu über»
wachen. Weidmann'S Exposition er.
hielt in der Wiener Weltausstellung
1873 die FortschrittSmebaille. Eine seiner
schönsten Cassetten nach Schritt wie.
ser'S Entwürfe wurde von Sr. Majestät
dem Kaiser für die deutsche Kaiserin
August« angekauft. Im Jahre 1874
unternahm S. zum Theile aus Reichs»
Mitteln (dem Kunstfonde) eine längere
Reise nach Italien, auf welcher er meh>
rere Monate in Rom, die übrige Zeit in
Pistoja, Florenz. Perugia, Assissi, O»
vieto, Sima, Pisa, Genua, Neapel,
Messina, Palermo, Turin, Mailand,
Pavia, mit Kunststubim beschäftigt, zu.
brachte. Seit seiner Rückkehr aus Italien
im Spätsommer 1874 lebt S. als Pri»
vat-Architekt in Wien. Groß ist die Zahl
seiner kunstindustriellen Entwürfe, deren
meister Theil, für Buchbinder., Bronze,
und Zederarbeitm ausgeführt, sich im
Besitze der Industriellen Noll inger
M . X X V I , S. 3101 und Weidmann
in Wien befindet. Außerdem rühren von
S. mehrere Saaldecorirungen, Entwürfe
zu Möbeldetails, Zeichnungen auf Holz
für Xylographen, auf Stein für Litho-
graphm u. dgl. m. her, jedoch betreibt
S. diese künstlerische Richtung nur neben-
fächlich. Seine eigentliche Thätigkeit ist
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon