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Schröckh 310 Schröckh
sah, wiedieVerfolgungssuchtdeS römisch-
katholischen Clerüs denselben das Leben
verbitterte, steigerte sich
mit seiner zuneh-
menden Bildung auch sein religiöser Eifer.
So befestigte sich denn in ihm immer
mehr und mehr der Gedanke, ein Predi-
ger feiner bedrängten Glaubensgenossen
zu werden, und der Vater, obgleich er
wünschte, daß er sich zum Kaufmann
heranbilde, fand, als er den Nifer und
die entschiedene Absicht seines Sohnes
inne wurde, keine Veranlassung, seinem
Vorhaben entgegenzutreten, da ja noch
ein anderer Sohn l^s. d. Quellen S. 318^
da war, der sich diesem Berufe widmen
konnte. Sechs Jahre hatte S. im Hause
seines Großvaters zugebracht und verließ
es nur, als dieser!m Jahre 1749 starb.
Nun schickte ihn sein Vater nach Kloster»
bergen bei Magdeburg, welche Lehranstalt
zu jener Zeit in sehr gutem Rufe stand.
Andnthalb Jahre brachte S. in dieser
Anstatt zu und machte, wie er selbst eö
zugestand, die besten Fortschritte. Die
Einrichtung, welche Abt Steinmetz
diesem Institute gegeben, war eine vor>
zügliche', durch den Unterricht, wie er
dort stattfand, wurde die Selbstthätigkeit
der Jünglinge mächtig geweckt, und
nichts fehlte, um der vorherrschenden
Neigung jedes Einzelnen die erfordec»
lichen Hilfsmittel zu gewähren. Nur der
Umstand, daß S. die Universität beziehen
sollte, war Ursache, daß er nicht länger
in diesem trefflichen Institute verweilte.
Die Freundschaft, welche S.'s Vater mit
Korthold. ehemaligen dänischen Ge<
sandtschafisprediger in Wien, verband,
und der nun an der Göttinger Hochschule
als außerordentlicher Professor der Theo»
logie thätig war. hatte den Vater veran>
laßt, Gottingen als Hochschule zu wählen,
an welcher stch sein Sohn für seinen
künftigen Beruf ausbilden sollte. S. ging also dahin, aber bald nach seiner Ankunft
daselbst, welche im October 1781 erfolgte,
starb Kor tho ld . und so wurden
Mosheim und Michaelis die Lehrer,
welche nunmehr S.'s fernere Wissenschaft,
liche Entwickelung am meisten beein»
ftußten. Vornehmlich war es Ersterer,
welcher auf seine vorwiegende, der Ge»
schichte, insbesondere der Kirchengeschichte
sich zuwendende Neigung bestimmenden
Einfluß übte. „Ich lernte von ihm«,
schreibt Schröckh selbst, „das Große
und Gemeinnützige in der Geschichte von
den geringfügigen Sammlungen für daS
Gedächtniß absondern, die Verbindung
aller Gattungen der Geschichte mit ein»
ander, ihre pragmatische Behandlung,
den edleren deutschen Ausdruck für sie
und jeden anderen Vortrag, ich erhielt
unzählige Winke zur Menschenkenntniß
und verdanke ihm noch vieles Andere
mehr, worunter ich das Muster, welches
er von der liebenswürdigen Bescheiden»
heit, verbunden mit Größe des Geistes,
der Wissenschaft und der Verdienste gab,
nicht vergessen darf." Michael is aber
förderte ihn in der Kenntniß der morgen»
ländischen Sprachen, welche S. neben
seinem historischen Studium mit Vorliebe
betrieb. Da S. in seinem Vorsätze,, sich
für das Predigtamt auszubilden, beharrte,
trat er, wahrend er in Göttingen studirte,
in ' eine Gesellschaft von Studirenden,
welche unter der Aufsicht der theologischen
Facultät Sonntag Nachmittags in der
Uniuersitatskirche predigten, Aber man-
ches Andere, was mit dem Predigtamte
in Verbindung stand und davon sich nicht
trennen ließ, vor Allem dieKatechisir»
Übungen, welche die Mitglieder der Ge»
sellschaft anstellen mußten, stimmte mit
seiner bisherigen Neigung nicht ganz
zusammen, und indem er sich von ihr.
abwandte, wurde eine andere, und zwar
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon